Arbeit mit dem SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut




Wandalen unter uns? Absichtliche Beschädigung und Zerstörung von Kulturgut

Im 5. Jahrhundert wüteten die Krieger der germanischen Wandalen in Europa und Nordafrika mit Plünderungen und Zerstörungen und hatten dabei besonders Kunstwerke im Blick. Heute wird unter dem nach ihnen benannten Vandalismus in erster Linie eine allgemeine anonyme Sachbeschädigung, vornehmlich im öffentlichen Raum, verstanden.

Beschädigte Kunstwerke Motivsuche auf der Museumsinsel (Tagesschau, Norddeutscher Rundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts, 21.10.2020)

BERLINER MUSEUMSINSEL: Dutzendfacher Vandalismus am Tag der Deutschen Einheit (Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 21.10.2020)

Für alle, die sich um den Schutz von Kulturgut in Museen, Archiven und Bibliotheken kümmern, steht die Verhinderung von Beschädigungen an Objekten in ihren Einrichtungen im Zentrum. Aber warum beschädigen Menschen überhaupt Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke? Was ist ihre Motivation? Und vor allem: Wie kann man Objekte und Gebäude vor Vandalismus schützen?

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem Konzept gegen Vandalismus ist es, sich zunächst einmal bewusst zu werden, welche der eigenen Objekte, Themen oder Ausstellungsinhalte Vandalismushandlungen provozieren und auslösen könnten. Manche Einrichtungen sind schon aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung Angriffsziele für vandalistische Angriffe. So müssen beispielsweise jüdische Museen wesentlich strengere Vorsichts- und Kontrollmaßnahmen ergreifen als sonst in Museen üblich. Aber auch in anderen Museen und Ausstellungshäusern können Exponate Opfer von Säureanschlägen, Messerattacken oder Ähnlichem werden. Besonders zeitgenössische Kunst steht hier aufgrund oft provozierender Inhalte oder Wirkung immer wieder im Fokus. In Bibliotheken und Archiven können Bücher und Archivalien zum Ziel der Zerstörung werden, indem sie etwa absichtlich zerrissen werden.

Motive und Anlässe für Vandalismus sind oftmals religiöser oder politischer Natur. Aber am häufigsten folgen sie einer blinden Zerstörungswut ohne tiefere Beweggründe. Es kommt jedoch auch immer wieder zu Beschädigungen an Objekten, bei denen man nicht damit gerechnet hatte und bei denen man dies nicht vorhersehen konnte, da die Gründe der Täter rein persönlicher Natur sind oder zum Beispiel durch Drogenkonsum hervorgerufen werden. Im Einführungstext des SiLK – SicherheitsLeitfadens Kulturgut werden diese und weitere Motive eingehender beschrieben.

Sind Überlegungen zur eigenen Gefährdungslage erfolgt und wurden sensible Aspekte identifiziert, können präventiv und reaktiv wirkende Gegenmaßnahmen geplant werden. Hier gibt es eine große Überschneidung zu den Maßnahmen, die zum Schutz vor Diebstahl und Einbruch oder auch Brand getroffen wurden: Neben technischen Vorkehrungen wie Einbruchmeldeanlage oder Videoüberwachung sind physische Barrieren, wie Absperrungen oder Vitrinen, und besonders ausreichend Aufsichtspersonal gut wirksame Maßnahmen. Einen Überblick zum Stand in der eigenen Einrichtung bietet der interaktive SiLK-Fragebogen „Vandalismus“, der nach dem Ausfüllen eine Auswertung mit Handlungsempfehlungen bietet. Hier wird neben grundsätzlichen Aspekten wie Prävention, Reaktion und Dokumentation zum Beispiel auch das Thema Graffiti im Außenbereich angesprochen.

Im SiLK-Einführungstext „Vandalismus“ findet sich zudem eine nützliche Liste präventiver Maßnahmen, die getroffen werden sollten und die einen Schwerpunkt auf die Schulung des Personals legen. In einer weiteren Liste werden Maßnahmen aufgeführt, die während und nach einem Vorfall zu ergreifen sind.

Im SiLK-Wissenspool „Vandalismus“ finden sich neben Literaturhinweisen auch Beispiele von Vandalismusvorfällen.

Aufgrund der großen Überschneidung besonders zu den technischen Aspekten sei hier auf das SiLK-Kapitel „Diebstahl“ verwiesen. Beschädigungen und Zerstörungen, die ohne Absicht, also „aus Versehen“, passieren, werden im SiLK-Kapitel „Abnutzung“ näher beleuchtet.





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