Arbeit mit dem SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut




Sammlungseinrichtungen in der Pandemie: Was tun?

Was passiert in Museen, Archiven und Bibliotheken, wenn während einer Pandemie die gesamte Einrichtung für die Öffentlichkeit geschlossen wird und ein Großteil der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitet? Wie kann man sicherstellen, dass es nicht unbemerkt zu Schäden an den Objekten kommt, da schwankende Klimawerte oder ein Schädlingsbefall unentdeckt bleiben? Gibt es evtl. eine größere Bedrohung durch Einbruch, Diebstahl und Vandalismus als im normalen Betrieb? Was passiert mit Objekten, die sich als Leihgabe außer Haus befinden? Wie können die verschiedenen Phasen einer Pandemie von der Schließung der Einrichtung über die Arbeit unter Minimalbesetzung bis zum vollständigen Lockdown organisiert werden und wie findet das Team in den Normalzustand zurück?

Informationen und Antworten auf all diese und viele weitere Fragen bietet die Publikation „Geschlossen wegen COVID-19? Ein Praxisleitfaden für kurzfristig geschlossene Sammlungseinrichtungen während einer Epidemie oder Pandemie“, den der SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut auf seiner Website zur Verfügung stellt. Es handelt sich dabei um eine praktische Handreichung und Übersicht, die von Mitarbeitern mehrerer australischer Museen erarbeitet wurde und vom SiLK-Team und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ins Deutsche übersetzt wurde. Sie findet weltweit Anwendung.



Abbildung 1  Australian Institute for the Conservation of Cultural Material und Blue Shield Australia [SiLK]

Das Australian Institute for the Conservation of Cultural Material und Blue Shield Australia stellen den Praxisleitfaden auf ihren Websites zur Verfügung.

Die folgenden exemplarischen Beispiele geben einen Eindruck davon, welche Maßnahmen in den jeweiligen Phasen einer Pandemie u. a. umgesetzt werden sollten:

Phase 1:

  • Entfernen Sie gefährdete Objekte aus der Ausstellung und verwahren Sie diese in einem sicheren Depot.

Phase 2:

  • Überprüfen Sie Ausstellungsräume, sämtliche Depots und Arbeitsbereiche auf Spuren von Tieren, die sich dort einnisten (z. B. Insekten, Vögel, Nagetiere).
  • Führen Sie stichprobenartige Kontrollen von Archivschränken, Regalen, Schließfächern usw. auf Anzeichen von Schädlingsbefall durch.

Phase 3:

  • Überwachen Sie alle Daten, die von Kontrollsystemen innerhalb des Gebäudes nach außerhalb übertragen werden.

Rückkehr zum Normalzustand:

  • Finden Sie geeignete Wege, um mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu kommunizieren, die noch nicht wieder gesund sind und noch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.
  • Überprüfen Sie den Zustand der Sammlungs- und Depotbereiche Ihrer Einrichtung. Dokumentieren Sie alle Veränderungen durch Fotos und schriftliche Berichte.

Für Einrichtungen, die wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, bietet der Deutsche Museumsbund auf seiner Website eine hilfreiche Liste an Maßnahmen, die bei der Öffnung berücksichtigt werden sollten. Zudem finden sich hier zwei Vorlagen für Plakate, die in der Einrichtung aufgehängt werden können, um auf die Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen hinzuweisen.

Auf der ganzen Welt befassen sich Sammlungs- und Konservierungseinrichtungen aktuell mit den verschiedensten Aspekten des Umgangs mit Kulturgut in Pandemiezeiten. So hat das Canadian Conservation Institute eine nützliche Übersicht zusammengestellt, bei der es in erster Linie um die Themen Kontamination und Desinfektion von Objekten und weiteren Oberflächen geht. Dieses Dokument liegt in englischer Fassung vor.

Auch wenn Sammlungen nicht direkt dem Pandemierisiko ausgesetzt sind, können sie doch indirekt betroffen sein. Es sollten deshalb präventive Maßnahmen getroffen werden, um den Erhalt, die Pflege und die Sicherheit der Objekte zu gewährleisten.





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