Arbeit mit dem SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut




Wasser: Lebenselixier und zerstörerische Kraft

Jeder, der schon einmal machtlos mit ansehen musste, wie der eigene Keller mit Wasser vollläuft, wie es nicht aufzuhalten ist und das Hab und Gut beschädigt oder vernichtet, weiß, dass er so etwas nie wieder erleben möchte. Und wenn Gleiches in einem Museum, Archiv oder einer Bibliothek geschieht, wenn unwiederbringliche Sammlungsstücke bedroht sind, wird klar, dass es dringend geboten ist, präventiv Vorsorge zu treffen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und einen Plan zu erstellen, um effektiv handeln zu können.


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Abbildung 1  Ein mit Sandsäcken gesicherter Kellerzugang, Dresden 2002
[Staatliche Kunstsammlungen Dresden]

Hochwasser, Sturmfluten und Starkregen haben in der Regel eine gewisse Vorwarnzeit. Wetterdienste und Warn-Apps kündigen an, wenn derartige Ereignisse in den nächsten Tagen zu erwarten sind. Einrichtungen, die sich regelmäßig informieren und einen Meldeservice (über E-Mail oder SMS) zur Vorwarnung abonniert haben, schaffen dadurch ein Zeitfenster, in dem sie ihre zuvor geplanten und vorbereiteten Maßnahmen einleiten und umsetzen können. Mitarbeiter können in Alarmbereitschaft versetzt werden.

Betroffen sind zumeist die Kellerräume, in denen häufig Depots und Archivräume untergebracht sind, obwohl dies aufgrund der Bedrohung durch Wasser nicht zu empfehlen ist. Im Keller sind häufig auch Versorgungseinrichtungen wie Heizung, Strom und Telefon installiert, die im Fall von eindringendem Wasser ihren Dienst versagen können und dadurch das Kulturgut in höheren Etagen sekundär schädigen.


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Abbildung 2  Der überflutete Zwinger mit der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden 2002
[Staatliche Kunstsammlungen Dresden]

Um diesen Bedrohungen effektiv entgegenwirken zu können, ist für gefährdete Einrichtungen die Erstellung eines auf die konkreten Rahmenbedingungen zugeschnittenen Hochwassermanagementplans als Teil des Notfallplans von zentraler Bedeutung. Hier wird geregelt, wer zuständig ist, wer zu informieren ist, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wo welche Materialien lagern etc. Beispiele für Maßnahmen sind Abdichtungen, Schotts und Sandsäcke gegen eindringendes Wasser vorzuhalten, genauso wie Pumpen und Notstromaggregate, sollte doch Wasser eingedrungen sein; Notfallmaterialien, Gummistiefel, Taschenlampen und Materialien zur Erstversorgung müssen in ausreichender Menge bereitstehen. Entscheidend sind organisatorische Vorkehrungen und Übungen, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist. Im Vorfeld ist ein koordiniertes Vorgehen mit Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) abzustimmen. Vorbereitend sollten Planungen zur Auslagerung von Objekten, zur Bergung und Erstversorgung im Notfall und zur massenhaften Gefriertrocknung, von Papier vorgenommen werden. In Bezug auf das Gebäude können Maßnahmen zur wasserdichten Ertüchtigung, z. B. von Fenstern und Türen, vorbereitet werden.

Aber nicht nur die Überflutung durch Oberflächenwasser von außen stellt ein Problem dar. Zu bedenken ist, dass Wasser auch aus anderen Richtungen als dem nahegelegenen Fluss kommen kann: aufsteigendes Grundwasser, das durch Böden und Wände dringt, oder rückstauendes Abwasser aus überlasteten Kanalsystemen, das zudem besondere Gefährdungen durch die enthaltene Verschmutzung birgt. Dies ist ebenfalls im Notfallplan der Einrichtung zu berücksichtigen.

Das Kapitel „Flut“ des SiLK – SicherheitsLeitfadens Kulturgut mit seinem Einführungstext, interaktiven Fragebogen inklusive Auswertung und seinem Wissenspool gibt einen Überblick über die zu beachtenden Aspekte des Schutzes vor eindringendem Wasser. Weitere Informationen zu diesem Themengebiet enthalten die Kapitel „Havarien/Unfälle“ und „Unwetter“.





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