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Weintrauben [English version]

Inhaltsverzeichnis

Allgemein:
Informationen zur Ware
Verpackung
Transport
  Containerfähigkeit
  Ladungssicherung


Risikofaktoren und Schadenverhütung:
Temperatur Geruch
Feuchte Verunreinigung
Lüftung Mechanische Einflüsse
Biotische Aktivität Toxizität /  Gesundheitsgefährdung
Gase Schwund / Abhandenkommen
Selbsterhitzung / -entzündung Schädlingsbefall / Krankheiten




Informationen zur Ware

Warenname

Deutsch Weintrauben (Tafeltrauben)
Englisch Grapes
Französisch Grappes de raisin
Spanisch Uvas
Wissenschaftlich Vitis vinifera
KN/HS-Nummer * 0806 10 ff.


(* Kombinierte Nomenklatur / Harmonisiertes System der EU)



Warenbeschreibung

Weintrauben (Vitis vinifera L.) gehören zum Beerenobst und zur Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae). Sie stammen ursprünglich aus dem Südwesten Asiens.

Weintrauben werden an Rebstöcken (Klettersträucher) kultiviert. Tafeltrauben werden sehr sorgfältig per Hand abgeschnitten sowie einzelne kranke oder schadhafte Beeren entfernt. Sie werden vollreif, d.h. im Klimakterium, geerntet, da sie im Vorklimakterium schlecht nachreifen. Der sogenannte "Brix"-Wert bestimmt den Erntetermin.

Die Beeren auf den Rispen (fälschlich als "Trauben" bezeichnet) sind meist von einer weißlichen wie Reif leicht abwischbaren Wachsschicht überzogen, die einen natürlichen Schutz bietet.

Vor dem Verzehr sind die Tafeltrauben gut zu waschen, um Spritzmittelrückstände zu beseitigen.

Weintrauben werden sowohl als Freilandware als auch als Glashausware (Belgien, Niederlande) sowie als Tunnelware (Anwendung von Plastikplanen) angebaut. Glashaus- und Tunnelware ermöglichen die Verlängerung der Erntezeiten.

Folgende Sorten können unterschieden werden:

Weiße Sorten (grüne, gelbe bis bernsteinfarbene Sorten)
Dunkle Sorten (rote, blaue bis schwarze Sorten), die ihre Farbe durch Anthocyanstoffe (Oenin) erhalten
Datteltrauben nach der dattelartigen Form der Beeren. Sie haben eine festere Schale, stehen in der Rispe nicht so dicht nebeneinander und sind daher weniger anfällig gegenüber Verderb
Muskattrauben von muskatartigem Aroma, sowohl bei weißen, als auch bei dunklen Sorten vorkommend
Sorten mit bis zu 5 Samenkernen; jedoch beliebter sind die kernlosen Sorten


Qualität / Lagerdauer

Zum Transport anstehende Trauben sollten gesund, frisch, frei von Fremdgeruch und -geschmack sowie anormaler Feuchtigkeit sein, keine Druckflecke oder Druckstellen, keine geplatzten, geschrumpften und von der Rispe abgefallenen Beeren aufweisen, frei von Pilzbefall und eingetrockneten Stielen sein. Weintrauben zum Frischverzehr (Tafeltrauben) müssen ihre volle Reife und Farbe erreicht haben, dürfen nicht welk sein.

Die kernlosen Sorten gelten als qualitativ wertvoller und sind daher beim Endverbraucher besonders beliebt.

Die maximale Lagerdauer wird in verschiedenen Quellen wie folgt angegeben:

Temperatur Rel. Luftfeuchte Max. Lagerdauer Quelle
-1...0°C 90% 4 Wochen [1]
1...4°C 90...95% 8 Wochen [3]
-1...-0,5°C 90...95% 8...24 Wochen (je nach Sorte) [5]


Durch den CA-Transport kann die Transport- und Lagerdauer der Weintrauben ausgedehnt werden. Hierfür sind folgende Parameter einzustellen [16]:

Temperatur Rel. Luftfeuchte O2 CO2 CA-Eignung
1,1...2,2°C 90...95% 3...5% 1...3% mittel



Verwendungszweck

Tafeltrauben werden hauptsächlich zum Frischverzehr verwendet.


Abbildungen

(Durch Anklicken der einzelnen Abbildungen werden diese vergrößert dargestellt.)

Foto Blaue Weintraube

Abbildung 1
Foto Helle Weintraube

Abbildung 2



Herkunftsländer

Die hier aufgeführte Tabelle stellt nur eine Auswahl der wichtigsten Herkunftsländer dar und ist nicht als vollständig zu bezeichnen.

Europa Türkei, Spanien, Italien, Frankreich, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Zypern, Belgien, Portugal
Afrika Südafrika
Asien Israel
Amerika Chile, Argentinien, Brasilien, USA
Australien Australien, Neuseeland


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Verpackung

Die Verpackung erfolgt in Lattenkisten, Steigen und Schachteln zu je 10 kg. Besonders hochwertige Trauben werden einzeln eingeschlagen bzw. in Formschalen in mit Holzwolle ausgelegten Schachteln oder in perforierter Polyethylenfolie innerhalb von Steigen verpackt.

Die Verpackung sollte gegen Schimmelpilzbefall behandelt sein.


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Transport

Symbole

Symbol Stückgut

Stückgut


Temperaturgeführt



Verkehrsmittel

Schiff, Flugzeug, Lkw, Bahn


Containerfähigkeit

Kühl-Container mit Frischluftzufuhr oder mit CA.


Umschlag

Da Weintrauben aufgrund ihrer relativ dünnen Haut stark stoßempfindlich sind, müssen die Früchte beim Umschlag entsprechend vorsichtig behandelt werden.

Die spezifische Kühltemperatur ist auf jeden Fall auch während des Umschlags einzuhalten.

Bei feuchtem Wetter (Regen, Schnee) muss die Ladung vor Feuchtigkeit geschützt werden, da sonst vorzeitiger Verderb droht.


Staumaß

3,29 m3/t (Kisten) [11]
4,18 m3/t (Schachteln) [11]
4,00...4,25 m3/t (Kisten) [14]
2,80 m3/t (Schachteln à 10 kg auf Paletten) [39]


Das Staumaß ist stark abhängig von Gewichtsklassen und verwendeten Verpackungseinheiten.


Stauplatzanforderungen

Kühl, trocken, gute Lüftung


Separation

Signierstift, Ölkreide


Ladungssicherung

Aufgrund der starken Stoß- und Druckempfindlichkeit müssen die Verpackungen so gesichert werden, dass gegenseitige Beschädigungen verhindert werden. Freiräume zwischen den Packstücken bzw. den Paletten müssen ausgefüllt werden, um ein Verrutschen oder Ankippen zu vermeiden. Durch die Wahl der richtigen Verpackungsgröße oder Ladeeinheit (Flächenmodule oder Flächen-Multimodule) können Ladungsräume formschlüssig (ohne Freiräume) beladen werden.


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Risikofaktoren und Schadenverhütung

RF Temperatur

Weintrauben erfordern eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungskondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Eine schriftliche Temperaturorder ist vor Ladebeginn vom Versender anzufordern. Diese Order ist auf jeden Fall während der gesamten Transportkette einzuhalten.

Die folgenden Tabellen sollen nur zur Einschätzung der entsprechenden Temperaturbereiche dienen. Je nach den speziellen Gegebenheiten der Transporte können die Temperaturen hiervon abweichen.

Bezeichnung Temperaturbereich Quelle
Reisetemperatur -1,5...0°C [1]
ca. 0°C [2]
1...4°C [3]
-1...-0,5°C [5]
-1...-0,5°C [6]
-1...0°C [11]
-0,5...0,5°C [14]
-1...0°C [39]


Da die Lager- bzw. Reisetemperatur je nach Sorte verschieden sein kann, sollten exakte Kühlanweisungen vom Versender eingeholt werden. Aufgrund des hohen Zuckergehalts der Trauben können die Temperaturen in einem Bereich kurz unterhalb des Gefrierpunktes gefahren werden. Trauben mit einem niedrigen Zuckergehalt erfordern dagegen Plustemperaturen.

Um den nach der Ernte eintretenden Wasserverlust und damit verbundene Qualitätsminderungen zu verhindern bzw. einzuschränken, muss die Ware möglichst schnell gekühlt werden. Die Temperatur der Ware bei der Beladung sollte nicht > 5°C sein.

Die Ware sowie Laderäume bzw. Container sind vor der Beladung vorzukühlen.

Kälteschäden (chilling) setzen bei Laderaumtemperaturen von ca. -2°C ein und sind meist mit einem Totalverlust der Ware verbunden.


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RF Feuchte

Weintrauben erfordern eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungskondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Bezeichnung Feuchte/Wassergehalt Quelle
Relative Luftfeuchte 90% [1]
85...90% [2]
90...95 % [3]
90...95% [5]
90...95% [6]
85...90% [14]
90...95% [39]
Wassergehalt 76...88% [1]
Oberste Gleichgewichtsfeuchte 90% [1]


Um das Welken der Trauben zu vermeiden, sollte die rel. Luftfeuchte ca. 90...95% betragen. Es werden aber Bereiche von 85...90% rel. Luftfeuchte empfohlen, um ein Feuchtwerden von Verpackungsmaterialen, wie z.B. Holzwolle, und damit eine Schimmelbildung an den Trauben zu vermeiden.

Die Ware ist vor See-, Regen- und Kondenswasser zu schützen, da durch das Feuchtwerden von Ware und Verpackungsmaterial eine erhöhte Verderbgefahr besteht.

Durch Verpackung der Trauben in perforierter Polyethylenfolie innerhalb der Steigen können Welkung und Austrocknung vermindert werden.


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RF Lüftung

Weintrauben erfordern eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungskondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Empfohlene Lüftungs-Kondition:

Nach [1]: Umluft 60...80fach/h mit ständiger Frischluftzufuhr

Nach [14]: Umluft 40...60fach/h mit ständiger Frischluftzufuhr

Die Frischluftzufuhr richtet sich nach dem CO2-Gehalt der Laderaumluft und sollte so bemessen werden, dass der zulässige CO2-Gehalt von 1,5 Vol.-% nach [1] bzw. 0,5 Vol.-% nach [14] nicht überschritten wird.


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RF Biotische Aktivität

Weintrauben besitzen eine biotische Aktivität 2. Ordnung.

Sie gehören zu den lebenden Organen, bei denen die Respirationsprozesse überwiegen, weil durch die Trennung von der Mutterpflanze die Zufuhr neuer Nährstoffe fehlt.

Die Ladungspflege während der Reise muss darauf ausgerichtet sein, die Respirationsprozesse (Abgabe von CO2, Wasserdampf, Ethylen und Wärme) so zu steuern, dass am Zielort das gewünschte Reifestadium vorliegt. Durch mangelhafte Lüftung können die Früchte infolge CO2-Anreicherung und nicht ausreichender Versorgung mit Luftsauerstoff in Gärung und Fäulnis übergehen (vgl. Lüftung).


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RF Gase

CO2-Entwicklung 0,2...0,4 mg/kg*h [1]
Obergrenze des zulässigen CO2-Gehalts 1,5 Vol.-% [1]

0,5 Vol.-% [14]
Ethylenentwicklung  
Aktivverhalten Weintrauben sind als nichtklimakterische Früchte sehr niedrige Ethylenproduzenten. Die Ethylenproduktionsrate liegt unter 0,1 µl/kg*h [16].
Passivverhalten Weintrauben besitzen eine niedrige Ethylenempfindlichkeit [16] (Allelopathie).


Auch nach der Ernte laufen in Frischfrüchten noch Stoffwechselprozesse ab. Die Früchte nehmen Sauerstoff (O2) auf und scheiden bei der Umwandlung von Stärke in Zucker (Reifungsprozess) Kohlendioxid (CO2) und Ethylen (C2H4) sowie Aromate in unterschiedlich starkem Maße aus.

Sollte nicht ausreichend gelüftet worden sein (Frost) oder ist die Lüftung aufgrund eines Defektes ausgefallen, sind lebensgefährliche CO2-Konzentrationen bzw. O2-Mangel möglich. Daher vor Betreten des Laderaumes diesen lüften und eine Gasmessung durchführen. Der MAK-Wert der CO2-Konzentration liegt bei 0,49 Vol.-%.


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RF Selbsterhitzung / -entzündung

Kein Risiko!


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RF Geruch

Aktivverhalten Weintrauben besitzen einen angenehmen Geruch. Durch die in der Verpackung enthaltenen fungiziden schwefeligen Chemikalien riechen sie leicht stechend.
Passivverhalten Weintrauben sind stark geruchsempfindlich.



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RF Verunreinigung

Aktivverhalten Weintrauben sind nicht verunreinigend.
Passivverhalten Sie sind empfindlich gegenüber Staub, Schmutz, Fetten und Ölen. Die Laderäume bzw. Container müssen vor der Beladung entsprechend sauber und hygienisch einwandfrei sein.



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RF Mechanische Einflüsse

Da Weintrauben sehr stoßempfindlich sind, wird bereits die Ernte ausschließlich von Hand vorgenommen. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Einflüssen werden besonders hochwertige Tafeltrauben in mit Holzwolle ausgefüllten Schachteln oder Steigen verpackt, um sie vor Beschädigungen und daraus resultierendem frühzeitigem Verderb während des Transports zu schützen.


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RF Toxizität / Gesundheitsgefährdung

Sollte nicht ausreichend gelüftet worden sein (Frost) oder ist die Lüftung aufgrund eines Defektes ausgefallen, sind lebensgefährliche CO2-Konzentrationen bzw. O2-Mangel möglich. Daher vor Betreten des Laderaumes diesen lüften und eine Gasmessung durchführen. Der MAK-Wert der CO2-Konzentration liegt bei 0,49 Vol.-%.


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RF Schwund / Abhandenkommen

Der normale Masseverlust durch Abnahme des Feuchtigkeitsgehalts der Ware liegt zwischen 2...3%.


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RF Schädlingsbefall / Krankheiten

Graufäule oder Grauschimmel (grey-mould rot): Die Graufäule wird durch den Schimmelpilz Botrytis cinerea verursacht und daher auch Botrytis-Fäule genannt. Die angegriffenen Trauben werden anfangs von einem weißen, später dunkelgrauen Schimmelpilz bedeckt, der bei Berührung stark stäubt. Dieser Schimmelpilz kann auch auf die Fruchtstängel übergreifen. Die befallenen Trauben werden hart und fallen in sich zusammen. Es handelt sich hierbei um eine der gefährlichsten Traubenkrankheiten während der Lagerung und beim Transport. Der Befall kann äußerst stark werden, wenn das Wetter vor der Ernte sehr feucht gewesen ist. Der Pilz befällt auch völlig gesunde Früchte. Sein optimales Wachstum erreicht er bei 24°C, er ist jedoch in der Lage, auch bei 0°C zu wachsen und Fäulnis zu erzeugen.

Die Krankheit wird auch Sauerfäule (da die Beeren sauer bleiben) oder Stielfäule (da die Beeren häufig abfallen) genannt.

Foto Schadenfall

Abbildung 3
Foto Schadenfall

Abbildung 4
Foto Schadenfall

Abbildung 5
Foto Schadenfall

Abbildung 6
Foto Schadenfall

Abbildung 7


Abbildung 8


Traubenabwurf (dropping), d.h. das Abfallen der Beeren, wird nicht durch Mikroorganismen verursacht, sondern kommt hauptsächlich bei den späteren Verschiffungen vor. In Partien mit Beerenabwurf können sich oft und sehr schnell andere Krankheiten entwickeln.

Tafeltrauben sind meist mit Schwefeldioxid (SO2) behandelt, um Schimmelbefall vorzubeugen.

Quarantänebestimmungen des Bestimmungslandes sind zu beachten, ggf. ist ein Pflanzengesundheitszeugnis (Phytosanitary-Certificate) den Versandpapieren beizufügen. Auskünfte geben die Pflanzenschutzdienste und -ämter der Bundesländer.


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