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Seide [English version]

Inhaltsverzeichnis

Allgemein:
Informationen zur Ware
Verpackung
Transport
  Containerfähigkeit
  Ladungssicherung


Risikofaktoren und Schadenverhütung:
Temperatur Geruch
Feuchte Verunreinigung
Lüftung Mechanische Einflüsse
Biotische Aktivität Toxizität /  Gesundheitsgefährdung
Selbsterhitzung / -entzündung Schwund / Abhandenkommen
    Schädlingsbefall / Krankheiten




Informationen zur Ware

Warenname

Deutsch Seide, Rohseide
Englisch Silk, raw silk
Französisch Soie
Spanisch Seda
KN/HS-Nummer * 50 ff.


(* Kombinierte Nomenklatur / Harmonisiertes System der EU)



Warenbeschreibung

Seide ist die Bezeichnung für die aus den Gespinsten mehrerer Tierarten erhaltenen, aus Proteinen bestehenden Fasern, die als Textilrohstoffe verwendet werden. Im Gegensatz dazu stehen die meist auf Zellulosebasis hergestellten Kunstseiden, deren Bedeutung erheblich zurückgegangen ist.

Die Seide stammt vorwiegend von den Fäden aus den Kokons der Raupen des Maulbeerspinners (Bombyx mori). Dessen Lebenszyklus reicht vom Eistadium über das Raupenstadium und Puppenstadium bis zum Falterstadium. Die Raupen werden mit frischem Maulbeerlaub gefüttert, bis sie sich verpuppen. Die Länge des den Kokon bildenden Seidenfadens beträgt 3500...4000 m, die Stärke 25 µm. Durch Trocknung in Dörröfen wird das Schlüpfen des Falters und damit ein Zerreißen des Seidenfadens verhindert.

Folgende Seidenarten sind bekannt:

Abfallseide, Seidenabfall: auch Flockenseide genannt, wird versponnen; durch das Kammgarnspinnverfahren entsteht Schappeseide, und durch das Streichgarnspinnverfahren entsteht Bouretteseide.
Chussums: sind Seidenabfälle, die in der Textilindustrie verwendet werden.
Marineseide: auch Muschelseide oder Bisior genannt, die aus den Fasern von Muscheln gewonnen wird. Wertvolle Faser, aber selten im Handel.
Pflanzenseide: aus Fäden der Samen von Grünpflanzen. Werden als Faserrohstoff oder als Füllstoff für Matratzen, Kissen oder Polstererwerkstoff, Isoliermaterial o.ä. verwendet.
Wilde Seide: stammt aus Kokons wild lebender Seidenraupen; hat dieselben Eigenschaften wie die Seide der Maulbeerraupen, ist aber stärker.
Chinesische Tussahseide: aus ihr wird der kostbare Kleiderstoff   Tsche-Su-Tacha hergestellt.



Qualität / Lagerdauer

Seide ist normalerweise cremefarben und glänzend. Sie ist relativ alterungsbeständig, wird jedoch leicht gelb und unterliegt geringen Festigkeitsverlusten.

Rohseide ist durch den Seidenleim (Seidenbast) weißgelblich bis goldfarben; sie ist steif, rau und hat einen stumpfen Glanz.

Entbastete Seide ist weiß, weich, biegsam und hat einen schönen Seidenglanz. Sie knittert nicht und ist sehr haltbar.

Beschwerte Seide hat durch das Entbasten einen Masseverlust, der durch metallisches Beschweren ausgeglichen wird. Durch Oxidation können metallbeschwerte Seiden brechen.


Verwendungszweck

Seide wird zur Herstellung von Rohseiden für Konfektion, Modewaren, Trikotagen, Krawatten, Kleider- und Wäschestoffe sowie als Näh- und Stickgarne verwendet. Des weiteren findet sie Anwendung in der chemischen und Elektroindustrie (Isolationsmaterial, wie z.B. Kabelumwicklungen) und für technische Gewebe (Fallschirme).


Abbildung

(Durch Anklicken der einzelnen Abbildungen werden diese vergrößert dargestellt.)

Abbildung 1

Abbildung 1
Abbildung 2

Abbildung 2



Herkunftsländer

Die hier aufgeführte Tabelle stellt nur eine Auswahl der wichtigsten Herkunftsländer dar und ist nicht als vollständig zu bezeichnen.

Europa Bulgarien, Griechenland, Russland, Rumänien, Italien, Frankreich, Mittelmeer, Rotes Meer
Afrika Südafrika
Asien Hauptursprungsländer: Japan, Korea, China, Indien, Iran
Amerika  
Australien  


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Verpackung

Rohseide wird in Faltschachteln oder in Gregen exportiert, d.h. als gewickelte Seidenfäden in Docken. Die Seidendocken werden in Ballen verpackt und mit doppeltem Jutegewebe und Plastikfolie umwickelt.

Erzeugnisse aus Seide werden z.B. in Kisten verpackt, die mit wasserbeständigem Papier ausgelegt oder mit Weißblech ausgeschlagen sind.

Markierung von Verpackungen
Mark07.gif (2224 Byte)

Vor Nässe schützen
Mark02.gif (2816 Byte)

Keine Handhaken verwenden


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Transport

Symbole

Symbol Stückgut

Stückgut



Verkehrsmittel

Schiff, Lkw, Bahn, Flugzeug


Containerfähigkeit

Standard-Container bei Einhaltung der Untergrenzen des Wassergehalts von Ware, Verpackung und Wegerung.


Umschlag

Bei feuchtem Wetter (Regen, Schnee) muss die Ladung vor Feuchtigkeit geschützt werden, da Seide stark hygroskopisch ist und gerne Feuchtigkeit aufnimmt.

Beim Umschlag dürfen keine Handhaken verwendet werden, da es sehr leicht zu Beschädigungen kommen kann.


Staumaß

2,83...3,39 m3/t (Ballen, in Jutegewebe/Plastikfolie a 100 kg) [1]
4 m3/t (Ballen, in Jutegewebe/Plastikfolie a 50 kg) [1]
3,11...3,68 m3/t Seide in Kisten [1]
2,79...3,07 m3/t Rohseide in Ballen [11]
3,34...5,57 m3/t Seidenabfälle in Ballen [11]
1,53...1,81 m3/t Seidenabfälle, hydraulisch gepresst [11]


Stauplatzanforderungen

Die Laderäume/Container müssen trocken und sauber sein. Der Stauplatz ist entfernt von Wärmequellen zu wählen. Insbesondere Laderäume müssen frei von öligen Stellen sein. Die Rohrleitungen des Schiffes müssen dicht sein. Die Ballen dürfen nicht an scharfkantigen oder rauen Stellen gestaut werden.


Separation

Fasertauwerk/dünne Netze aus Fasern (bevorzugt)


Ladungssicherung

Die Ladung ist so zu stauen, dass die Ballen während des Transportes nicht verrutschen und beschädigt werden.


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Risikofaktoren und Schadenverhütung

RF Temperatur

Seide erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).

Günstiger Reisetemperaturbereich: 0...30°C [1]

Optimale Reisetemperatur: 20°C [1]


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RF Feuchte

Seide erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).

Bezeichnung Feuchte/Wassergehalt Quelle
Relative Luftfeuchte 65...70% [1]
Wassergehalt 9...11% [1]
Oberste Gleichgewichtsfeuchte 75% [1]


Seide ist stark hygroskopisch (Hygroskopizität) und stark quellfähig. Sie kann 30...40% an Volumen zunehmen. Die Plastikumhüllung schützt vor Feuchtigkeit, wenn die wasserdampfdicht ist.

Abbildung 3

Abbildung 3


Feuchtigkeit (See-, Regen-, Kondenswasser) kann bei nicht wasserdampfdichter Plastikumhüllung zu Stockflecken, Schimmel und Muffigwerden führen.

Für Chussums gilt besonders, dass sie weit entfernt von feuchten Waren zu stauen sind.


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RF Lüftung

Seide erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).

Empfohlene Lüftungs-Kondition: Luftwechsel 6fach/h (Durchlüftung), wenn der Taupunkt der Außenluft unter dem Taupunkt der Raumluft liegt.


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RF Biotische Aktivität

Seide besitzt keine biotische Aktivität.


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RF Selbsterhitzung / -entzündung

Naturseide ist anhand der Verbrennungsprobe leicht erkenntlich: Seide entzündet sich schwer und langsam (schmort nur). Die Reste bilden schlackenförmige Kügelchen und sondern Geruch nach verbranntem Horneiweiß ab. Ab 170°C schmilzt sie zusammen und zersetzt sich (Braunfärbung).


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RF Geruch

Aktivverhalten Seide entwickelt keinen Geruch.
Passivverhalten Seide nicht mit Häuten/Fellen in einem Laderaum/Container stauen.



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RF Verunreinigung

Aktivverhalten Seide ist eine sehr saubere Ladung.
Passivverhalten Verunreinigungen durch Staub, Farben, Erden, Schmutz, Rost oder durch Leckagen der Beiladung (Säuren, Sirup, Leim, Fette/Öle, Schmiermittel etc.) führen zum Verlust des Gebrauchswertes.



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RF Mechanische Einflüsse

Bei Seidenballen ist strengstens darauf zu achten, dass keine Handhaken beim Stauen benutzt werden. Sie unterliegen sehr leicht mechanischen Beschädigungen, wie Durchlöchern, Zerreißen oder Durchscheuern. Daher dürfen die Ballen nicht gegen scharfkantige oder raue Stellen des Laderaums/Containers gestaut werden.


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RF Toxizität / Gesundheitsgefährdung

Kein Risiko!


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RF Schwund / Abhandenkommen

Seide ist äußerst diebstahlgefährdet, da sehr wertvoll und aus kleinen Bündeln bestehend. Am günstigsten in abgeschlossenen Räumen transportieren. Besonders beim Laden/Entladen ist darauf zu achten, dass der Container auf Vollzähligkeit und Unversehrtheit der Ballen, Kisten oder Faltschachteln geprüft wird.


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RF Schädlingsbefall / Krankheiten

Die Laderäume/Container müssen schädlingsfrei sein, besonders vor Ratten sichern, die durch Fraß große Schäden verursachen können. An den Seiten der Ballen liegen die Buchten der Seidenbündel. Wenn die Ratten die Bündel an dieser Stelle durchnagen, wird der Faden des Bündels in viele kurze Enden aufgeteilt, und die Seide ist zum Weben unbrauchbar!

Ebenfalls ist Schutz vor Insekten zu gewährleisten, die zur Zeit ihrer Metamorphose von den feuchten Nahrungsplätzen zu den trockenen Brut- und Verpuppungsplätzen, wie auch den Seidenballen, überwechseln und Schäden anrichten können. Daher Seidenballen nicht mit Nahrungs-, Genuss- und Futtermitteln sowie Häuten/Fellen zusammenstauen.

Kein frisches Stauholz verwenden, da dieses von Holzwespen befallen sein könnte, die wiederum in Textilballen übergehen. Die schlüpfenden Insekten beißen sich durch die Textilien jeglicher Art hindurch.

Seide ist nicht mottenecht, jedoch beständiger als Wolle.


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