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Leinsaat, Flachssaat [English version]

Inhaltsverzeichnis

Allgemein:
Informationen zur Ware
Verpackung
Transport
  Containerfähigkeit
  Ladungssicherung


Risikofaktoren und Schadenverhütung:
Temperatur Geruch
Feuchte Verunreinigung
Lüftung Mechanische Einflüsse
Biotische Aktivität Toxizität /  Gesundheitsgefährdung
Gase Schwund / Abhandenkommen
Selbsterhitzung / -entzündung Schädlingsbefall / Krankheiten




Informationen zur Ware

Warenname

Deutsch Leinsaat, Flachssaat
Englisch Linseed, Flax seed
Französisch Graine de Lin
Spanisch Linaza
Wissenschaftlich Linum usitatissimum
KN/HS-Nummer * 1204 00 ff.


(* Kombinierte Nomenklatur / Harmonisiertes System der EU)



Warenbeschreibung

Leinsaat, Flachssaat sind die Samen von Öl- und Faserlein (Linum usitatissimum) und gehören zur Familie der Leingewächse (Linaceae). Sie sind länglich-oval, flachgedrückt, braun-gelblich und haben eine glänzende Oberfläche. Ihre Heimat ist Westasien und das Mittelmeergebiet.

Die Abmessungen der Saat betragen ca.:

Abmessungen Faserlein Öllein
Länge [mm] 3,0 ... 4,9 4,8 ... 6,4
Breite [mm] 1,8 ... 2,6 2,5 ... 3,4
Dicke [mm] 0,5 ... 1,0 0,9 ... 1,6


Die kugeligen Fruchtkapseln (Flachsknoten) enthalten in 5 Fächern je 2 glatte, bräunliche Samen.

Ölgehalt:

30...47,8% [1]
37...40% [11]


Qualität / Lagerdauer

Qualitative Wertminderungen entstehen besonders bei zu feuchter und zu warmer Ware. Zu erkennen sind sie an einer inneren Verfärbung der Saat und an einem muffigen Geruch.

Bei einem Wassergehalt von 9...10,5% ist Leinsaat länger als 12 Monate haltbar.

Der günstigste Zeitraum für die Verschiffung liegt kurz nach der Ernte.


Verwendungszweck

Leinsaat wird zur Ölgewinnung (Leinöl dient als Ausgangsstoff für die Lack- und Farbenindustrie), als Saatgut sowie als Vogel- und Viehfutter verwendet.


Abbildungen

(Durch Anklicken der Abbildungen werden diese vergrößert dargestellt.)

Foto Leinsaat

Abbildung 1
Foto Leinsaat

Abbildung 2
Zeichnung Lein

Abbildung 3



Herkunftsländer

Die hier aufgeführte Tabelle stellt nur eine Auswahl der wichtigsten Herkunftsländer dar und ist nicht als vollständig zu bezeichnen.

Europa Schwarzmeerregion, Baltische Staaten
Afrika  
Asien Schwarzmeerregion, Baltische Staaten
Amerika USA, La Plata-Region
Australien  


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Verpackung

Leinsaat hat die Eigenschaft, leicht zu verlaufen bzw. zu schießen (am leichtesten von allen Ölsaaten). Daher wird sie hauptsächlich als Massenstückgut u.a. in Flachsäcken aus Jutegewebe (65 kg) verpackt. Der Transport als Schüttgut ist aufgrund der genannten Eigenschaft sehr selten.

Markierung von Verpackungen
Mark07.gif (2224 Byte)

Vor Nässe schützen
Mark02.gif (2816 Byte)

Keine Handhaken
verwenden
Mark04.gif (3269 Byte)

Vor Hitze
(Sonneneinstrahlung)
schützen


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Transport

Symbole

Symbol Stückgut

Stückgut


Schüttgut (selten)



Verkehrsmittel

Schiff, Lkw, Bahn


Containerfähigkeit

Ventilierter Container (Kaffeecontainer), wenn die Untergrenzen des Wassergehaltes von Ware, Verpackung und Containerboden sowie des Ölgehalts der Ware eingehalten werden.


Umschlag

Bei feuchtem Wetter (Regen, Schnee) muss die Ladung vor Feuchtigkeit geschützt werden, da dies zu Schimmel, Verderb und Selbsterwärmung infolge erhöhter Atmungsaktivität führen kann. 

Hand- und Stauhaken dürfen beim Umschlag gesackter Ware nicht verwendet werden, da sie punktförmig belasten und somit Beschädigungen an den Säcken verursachen. Teller- bzw. Sackhaken bilden aufgrund ihrer Form Flächenlasten und sind daher besser für den Umschlag von Säcken geeignet.


Staumaß

1,70 m³/t (Jutesäcke, 65 kg) [1]
1,59...1,70 m³/t (Säcke) [11]



Stauplatzanforderungen

Kühl, trocken, gute Lüftung. Um ein Ranzigwerden durch den Kontakt mit Metallteilen des Schiffes zu vermeiden, sollte die Ware mit Stauholz, Matten oder Jutekleidern abgekleidet werden.


Separation

Fasertauwerk, dünne Fasernetze


Ladungssicherung

Beim Seetransport von Schüttgut ist der "Code of Safe Practice for Solid Bulk Cargoes" der IMO (International Maritime Organization) zu beachten.

Leinsaat ist von allen Ölsaaten die am leichtesten übergehende Ladung. Daher müssen beim Transport als Schüttladung entsprechende Sicherungsmaßnahmen getroffen werden (z.B. Einbau von zusätzlichen Schotten, Trennwänden).

Gesackte Ware ist im Transportmittel so zu stauen und zu sichern, dass sie während des Transports nicht verrutschen und ihre Lage verändern kann. Die Packstücke dürfen nicht durch andere Gegenstände oder Ladungsteile beschädigt werden, um Mengenverluste und Qualitätsminderungen zu vermeiden.


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Risikofaktoren und Schadenverhütung

RF Temperatur

Leinsaat erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungs-Kondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Günstiger Reisetemperaturbereich: 5...25°C [1]

Temperaturen > 30°C sollten nicht längere Zeit andauern, da dann die Atmung der Ware gefördert wird und es zur Selbsterhitzung kommen kann. Die Ware sollte nicht in der Nähe von Wärmequellen gestaut werden.


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RF Feuchte

Leinsaat erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungs-Kondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Bezeichnung Feuchte/Wassergehalt Quelle
Relative Luftfeuchte 70% [1]
Wassergehalt 9...10,5% [1]
Oberste Gleichgewichtsfeuchte 65% [1]


Leinsaat ist vor jeglicher Feuchtigkeit (See-, Regen-, Kondenswasser) zu schützen, da Feuchte die hydrolytisch-enzymatische Fettspaltung fördert, die dann infolge erhöhter Atmung zur Selbsterhitzung führt. 

Die Sorptionsisotherme für Leinsaat zeigt, dass sie bei einem Wassergehalt von 9...10,5% mit 79...75% rel. Luftfeuchte im Gleichgewicht steht, d.h. die Schimmelgrenze bereits erreicht.

Sorptionsisotherme

Abbildung 4



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RF Lüftung

Leinsaat erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und Lüftungs-Kondition (LK VII) (Lagerklima-Kondition).

Empfohlene Lüftungs-Kondition: Luftwechsel mindestens 10fach/h (Durchlüftung)

Es wird empfohlen, Gräben zu stauen, um ggf. durch geeignete Lüftungsmaßnahmen Wasserdampf und Wärmemengen abführen zu können.


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RF Biotische Aktivität

Leinsaat besitzt eine biotische Aktivität 2. Ordnung.

Sie gehört zu den lebenden Organen, bei denen die Respirationsprozesse überwiegen, weil durch Trennung von der Mutterpflanze die Zufuhr neuer Nährstoffe fehlt.

Durch den Fettabbau über den Vorgang der hydrolytisch-enzymatischen Fettspaltung besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich die Ware selbst erhitzt und es letztendlich zu einem Ladungsbrand kommen kann.


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RF Gase

Auch nach der Ernte laufen in der Leinsaat noch Stoffwechselprozesse ab. Die Leinsamen nehmen Sauerstoff auf und scheiden Kohlendioxid (CO2) wieder aus.

Durch die Atmung sind im Laderaum/Container lebensgefährliche CO2-Konzentrationen (MAK-Wert: 0,49 Vol.-%) bzw. O2-Mangel möglich. Daher vor Betreten des Laderaumes diesen lüften und eine Gasmessung durchführen.


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RF Selbsterhitzung / -entzündung

Ölgehalt:

30...47,8% [1]
37...40% [11]


Der hohe Ölgehalt von Leinsaat fördert die Neigung zur Selbsterhitzung.

Wegen ihrer Neigung zur Selbsterhitzung/Selbstentzündung kann sich Leinsaat wie ein Stoff der Klasse 4.2 des IMDG-Code verhalten. Siehe auch IMO Code of Safe Practice for Solid Bulk Cargoes.

Der Fettabbau von Leinsaat führt zur Gefahr der Selbsterhitzung und in letzter Konsequenz zum Ladungsbrand.

Der Fettabbau kann wie folgt ablaufen:

über die hydrolytisch-enzymatische Fettspaltung oder
über die oxidative Fettspaltung


Hydrolytisch-enzymatische Fettspaltung:

Wird der kritische Wassergehalt von Leinsaat überschritten, fördert dies die hydrolytisch-enzymatische Fettspaltung. Durch den erhöhten Wassergehalt werden die fettspaltenden Enzyme aktiviert. Die zusätzliche Einwirkung von Licht und Wärme kann diesen Vorgang beschleunigen. Die freien Fettsäuren haben teilweise einen unangenehmen Geruch und Geschmack. Bei längerer Lagerung oder unsachgemäßer Ladungspflege führen diese zum Ranzigwerden der Ware.

Die gebildeten freien Fettsäuren werden von Leinsaat zu Kohlendioxid und Wasser veratmet, womit eine starke Wärmeentwicklung verbunden ist.

Die Selbsterhitzung von Leinsaat verläuft äußerst stürmisch, weil die Veratmung der Fettsäuren mit wesentlich höheren Wärmeentwicklungen verbunden ist, als dies bei der Atmungsgleichung für Kohlenhydrate der Fall ist. Auch hier verläuft der Verderbprozess ähnlich wie beim Getreide in einer Art Kettenreaktion, weil durch die veratmeten Fettsäuren Wärme und Wasser gebildet werden, die wiederum zur Steigerung des Prozesses beitragen.

Für die Selbsterhitzung von Leinsaat genügt schon ein kleiner Feuchteherd, so dass bereits innerhalb weniger Stunden an feuchten Stellen eine Erhitzung eintreten kann, für die bei verschiffungstrockener Ware Wochen und Monate erforderlich wären.

Frische Leinsaat mit einem hohen Wassergehalt neigt rasch zur Selbsterhitzung und kann sich auch entzünden. Die Selbsterhitzung von Leinsaat führt nicht nur zur Gebrauchswertminderung dieser Ware (ranziger Geruch und Geschmack), sie beeinflusst auch die Ölausbeute in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Zusätzlich werden auch die Farbe und Bleichbarkeit der Öle negativ beeinflusst. Das dabei gewonnene Öl bewirkt eine schwierigere Raffination der Rohöle im späteren Verarbeitungsgang, weil ein höherer Gehalt an freien Fettsäuren die Entfärbung wesentlich erschwert.

Die hydrolytisch-enzymatische Fettspaltung sowie die Atmung können durch niedrige Temperaturen eingeschränkt werden; dies ist während des Transportes jedoch nur in begrenztem Maße beeinflussbar. Man muss daher versuchen, die Lagerfestigkeit durch Einhaltung der Grenzwerte des Wassergehalts der Ware zu gewährleisten.


Oxidative Fettspaltung:

Luftsauerstoff ist ein häufiger Reaktionspartner von Lebensmittelbestandteilen bei Verderbsreaktionen. Unter gleichzeitiger Mithilfe von Licht, Wärme und bestimmten Fettbegleitstoffen, eventuell auch Schwermetallspuren, erfolgt eine Anlagerung von Luftsauerstoff an ungesättigte Fettsäuren. Leinsaat ist daher unbedingt dunkel zu lagern und vor Sauerstoff und Metallteilen zu schützen, da sonst Braunfärbung sowie ranziger Geruch und Geschmack als Folgeerscheinung auftreten.


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RF Geruch

Aktivverhalten Leinsamen besitzen einen leicht unangenehmen Geruch, der von sehr spezifischem Charakter ist.
Passivverhalten Leinsamen sollte fern von stark riechenden Waren gestaut werden, wie z.B. Terpentin, Zwiebeln, Früchten.



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RF Verunreinigung

Aktivverhalten Bedingt durch den hohen Ölgehalt der Ware, entstehen häufig dunkle Fettflecken auf den Säcken, die daher nicht mit verunreinigungsempfindlichen Waren, wie z.B. Ballengut, Teekisten, Marmor u.a.m., in Berührung kommen dürfen.

Auch dürfen Leinsamen in Säcken nicht mit Fasern oder Faserstoffen zusammengestaut werden, da ölgetränkte Fasern Selbsterhitzungsvorgänge beschleunigen.

Besonders Leinsamen mit der Herkunft Naher Osten enthält oft einen hohen Anteil feinen Sandes.

Leinsamen sind sehr locker und dringen durch die Jutesäcke hindurch, was viel Verunreinigung und Fegsel ergibt.
Passivverhalten Leinsamen sind empfindlich gegenüber Schmutz, Fetten und Ölen. Die Laderäume bzw. Container müssen vor der Beladung entsprechend sauber und hygienisch einwandfrei sein.



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RF Mechanische Einflüsse

Punktförmige Belastungen durch z. B. Stau- und Handhaken können zu Beschädigungen an Säcken (Sackriss) und somit zu Mengenverlusten führen. Daher sind Teller- bzw. Sackhaken einzusetzen, die aufgrund ihrer Form die Last verteilen und das Beschädigungsrisiko vermindern.


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RF Toxizität / Gesundheitsgefährdung

Durch die Atmung sind im Laderaum/Container lebensgefährliche CO2-Konzentrationen (MAK-Wert: 0,49 Vol.-%) bzw. O2-Mangel möglich. Daher vor Betreten des Laderaumes diesen lüften und eine Gasmessung durchführen.


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RF Schwund / Abhandenkommen

Durch aufgerissene Säcke kann es zu geringfügigen Mengenverlusten kommen.


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RF Schädlingsbefall / Krankheiten

Typische Schädlinge an Ölsaaten/ -früchten sind z.B. Erdnussplattkäfer, Erdnusssamenkäfer, Getreideplattkäfer, Reismehlkäfer, Mehlmotte, Dörrobstmotte und Milben, die zu Wertminderungen und Masseverlusten führen können.


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