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Zweck
des Einsatzes von Polstermitteln
Häufig werden Waren transportiert, die gegenüber
mechanischen Beanspruchungen besonders empfindlich sind und aus diesem Grund vor
Beschädigungen durch die Einwirkung von Stößen, Erschütterungen oder Vibrationen
während des Transportes geschützt werden müssen. Deshalb werden sie innerhalb der
eingesetzten Versandverpackung zusätzlich durch Polstermittel geschützt.
Besonders empfindlich und vor mechanischen Einwirkungen zu
schützen, sind zum Beispiel leicht zerbrechliche Waren, wie Glas, Keramik, Porzellan oder
empfindliche Elektronikerzeugnisse, wie zum Beispiel Computer und Unterhaltungselektronik.
Neben dem Schutz der Packgüter können Packstücke mit
Hilfe von Polstermitteln auch normgerecht gestaltet werden. Die Polstermittel dienen als
Adapter zwischen nicht normgerechten Packgütern und der Verpackung (Modulität von
Versandstücken).
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Wirkungsweise
von Polstermitteln
Polstermittel absorbieren einen Teil der bei Stoß- und
Fallbeanspruchungen entstehenden Bewegungsenergie und vergrößern den Bremsweg des
Packgutes. Bei richtiger Auswahl und Dimensionierung des Polstermittels wird so
sichergestellt, dass das Packgut keine Beschädigungen erleidet.
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Anforderungen
an die Polstermittel
Polstermittel müssen insbesondere die folgenden vier
Hauptanforderungen erfüllen:
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Die Rückstellkraft ist eine der wichtigsten Eigenschaften
eines Polstermittels. Durch sie wird gewährleistet, dass das Packgut auch bei
mehrmaliger, gleichartiger Belastung dauerhaft geschützt wird. Ist die Rückstellkraft zu
klein, verringert sich bei ständiger Belastung der Bremsweg, so dass entstehende
Bewegungsenergie nicht mehr ausreichend absorbiert werden kann und das Packgut unter
Umständen beschädigt wird. |
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Polstermittel müssen klimatischen Einflüssen, wie z. B.
Feuchteeinflüsse durch hohe rel. Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung und extreme
Temperaturunterschiede, gegenüber unempfindlich sein und dürfen dadurch keine negativen
Beeinträchtigungen ihrer Wirkungsweise erleiden. |
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Besonders bei korrosionsgefährdeten Packgütern ist es
wichtig, dass die Polstermittel nicht hygroskopisch sind und damit nicht
korrosionsfördernd wirken. Sie sollten des Weiteren keine aggressiven Bestandteile
(pH-Wert neutral) enthalten, die zur Korrosion beitragen könnten. Polstermittel und Packgut
dürfen keine Wechselwirkungen eingehen und sich eventuell
gegenseitig negativ beeinflussen. |
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Die Anwendung des Polstermittels sollte wirkungsvoll,
einfach, umweltgerecht und kostengünstig sein. |
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Auswahlkriterien
für Polstermittel
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Empfindlichkeitsstufe des Packgutes
Um das Polstermittel ausreichend dimensionieren zu können,
muss bekannt sein, welche Belastungen es übersteht, ohne Schaden zu nehmen. Da besonders
technische Geräte heutzutage aus diversen Bauteilen mit den verschiedensten
Empfindlichkeitsstufen bestehen, ist eine allgemeingültige Einteilung der Waren recht
schwierig. Genaue Auskünfte über die Empfindlichkeit der Ware kann in jedem Fall der
Hersteller geben.
Ermittelt wird die Empfindlichkeitsstufe einer Ware mit
Hilfe des zulässigen g-Wertes. 1g ist das Maß der Erdbeschleunigung (9,81 m/s2), also
die Kraft, die normalerweise auf einen Gegenstand auf der Erde einwirkt.
Wirkt nun eine Beschleunigung von 2 g (zum Beispiel beim
schnellen Durchfahren einer Kurve), so verdoppelt sich das Gewicht des betreffenden
Gegenstandes. Genau dies geschieht mit einem Transportgut, welches auf der Ladefläche
eines LKW oder in einem Seecontainer verstaut ist.
Neben der Beschleunigung muss jedoch immer auch noch die
Stoßdauer beachtet werden. Je länger der Stoß andauert, desto größer ist die Gefahr
einer Beschädigung.
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Transportbeanspruchung
Der zweite wichtige Punkt bei der Auswahl eines
Polstermittels sind die während des Transportes auftretenden Beanspruchungen. Diese
können sehr unterschiedlich sein, und ihre genaue Ermittlung ist sehr schwierig. Die
größten Beanspruchungen treten auf, wenn die Packgüter geworfen oder fallengelassen
werden. Daher wird die mögliche Fallhöhe eines Packgutes in Abhängigkeit von seinem
Gewicht als Maß für die Beanspruchung genommen.
In den Vorschriften der Deutschen Bahn und der Post sind
die zulässigen Fallhöhen von Packstücken wie folgt geregelt:
| Vorschrift |
Gewicht des Packstückes |
zulässige Fallhöhe |
| Deutsche Bahn |
50 kg |
52 cm |
| |
75 kg |
46 cm |
| |
100 kg |
40 cm |
| |
150 kg |
27 cm |
| |
200 kg |
15 cm |
| Post |
keine Gewichtsbeschränkung |
60...80 cm |
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Statische Flächenlast
Während des Transportes und Umschlages treten sowohl
dynamische als auch statische Kräfte am Polstermittel auf. Während der Lagerung
beschränken sich diese auf die statischen Beanspruchungen. Man spricht hierbei von der
statischen Flächenlast, die auf ein Polstermittel einwirkt. Sie wird aus dem Gewicht des
Packgutes und der seiner Auflagefläche ermittelt:
Die statische Flächenlast ist für die Auswahl des
geeigneten Polstermittels wichtig, da dieses nicht schon im Ruhezustand durch das Gewicht
des Packgutes sein Rückstellvermögen verlieren darf.
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Rückstellkraft
Die Rückstellkraft ist, wie schon zuvor beschrieben, ein
entscheidendes Maß dafür, wie belastungsfähig das Polstermittel bei mehrmaliger
Beanspruchung ist. Ist die Rückstellkraft zu klein, verringert sich bei ständiger
Belastung der Bremsweg, so dass entstehende Bewegungsenergie nicht mehr ausreichend
absorbiert werden kann und das Packgut unter Umständen beschädigt wird.
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Raumgewicht
Das Raumgewicht wird in kg/m3 angegeben und ist ein Maß
für die Härte eines Polstermittels. Je größer das Raumgewicht ist, desto härter ist
das Polstermittel.
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Resonanzverhalten
Die Beanspruchungen, die durch den Transport einer Ware auf
einem Fahrzeug entstehen, setzen sich aus vielen verschiedenen und gleichzeitig wirkenden
Schwingungen und Stößen zusammen.
Erreichen diese Schwingungen die Eigenfrequenz des
Packgutes, kann dadurch die sogenannte Resonanz entstehen. Die Beschleunigung der Ware in
der Vertikalrichtung wird hierbei verstärkt, die Schutzwirkung des eingesetzten
Polstermittels wird aufgehoben, und es tritt eine zusätzliche Gefährdung der
gepolsterten Ware ein.
Besonders für den Transport empfindlicher Waren, wie
Messgeräte oder elektronische Bauteile, müssen aus diesem Grund Frequenzwerte der
eingesetzten Transportmittel sowie die Eigenfrequenzen von Polstermittel und Transportgut
bekannt und aufeinander abgestimmt sein. So kann beim Transport von Elektronikbauteilen
durch den Einsatz eines luftgefederten Lkw das Erreichen der sogenannten Anregungsfrequenz
vermieden werden. Diese Anregungsfrequenz wäre unter ungünstigen Umständen beim
Transport der Ware auf einem blattgefederten Fahrzeug erreicht worden und hätte dann zu
einer Resonanzüberhöhung des Packgutes und bei Erreichen des Resonanzbereiches des
Polstermittels zu einer Beschädigung des Packgutes geführt.
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Belastungsbereich des Polstermittels
Jedes Polstermaterial besitzt einen Belastungsbereich, in
dem es seine optimale Wirksamkeit besitzt. Zur Auswahl des geeigneten Polstermittels
dienen sogenannte Polsterkurven, aus denen die maximale Stoßverzögerung in Abhängigkeit
von der statischen Flächenlast zu entnehmen ist. Mit Hilfe dieser Polsterkurven ist die
Ermittlung von Polsterdicken mit einer genügend großen Stoßdämpfung möglich.
Polsterkurven werden jeweils für eine bestimmte Fallhöhe erstellt. Als Ergebnis entnimmt
man ihnen, dass zum Beispiel eine Polsterdicke von 5 cm eines Schaumkunststoffes benötigt
wird, um die auftretenden Stoßkräfte auf das zulässige Maß von maximal 30 g verringern
zu können. Die benötigte Fläche zur Unterpolsterung des Packgutes kann anschließend
durch eine einfache Berechnung ermittelt werden. |
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Darstellung
verschiedener Polstermittelarten
Luftkissenpolster
Luftkissenpolster bestehen aus einer elastischen Folie, die
mit Luft gefüllt wird. Im Ruhezustand wirkt nur die statische Belastung durch das
Packgutgewicht auf das Polster. Kommt es zusätzlich zu dynamischen Belastungen, werden
diese durch das Eindrücken des Kissens gedämpft.
Die Menge der eingefüllten Luft kann je nach den
jeweiligen Eigenschaften und Anforderungen des Packgutes variiert werden.
Luftkissenpolster werden in verschiedenen Größen und Bauarten vertrieben. Die Spanne
reicht von Kugeln, normalen Kissen bis hin zu Eck- und Kantenpolstern sowie Polstern in
Schlauchform.
Luftkissenpolster werden hauptsächlich in Containern und
Eisenbahnwaggons eingesetzt und selten in Lkw.
Vorteile des Luftkissenpolsters:
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leichte Handhabbarkeit |
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nicht hygroskopisch |
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sehr variabel einsetzbar |
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wenig anfällig gegenüber extremen klimatischen
Verhältnissen (Wärme, Kälte) |
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hohe Rückstellkraft und optimale Dämpfungseigenschaften |
Nachteil des Luftkissenpolsters:
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anfällig gegen spitze und scharfe Gegenstände, wie Nägel
o.ä. |
Luftpolsterfolien
Die Wirkungsweise der Luftpolsterfolien entspricht
grundsätzlich der der Luftkissenpolster. Sie bestehen aus zwei aufeinander geschweißten
Kunststofffolien, von denen eine völlig glatt und die andere mit kleinen, runden
Vertiefungen versehen ist, in denen sich nach dem Zusammenschweißen die erforderliche
Luft befindet. Luftpolsterfolien werden hauptsächlich innerhalb von Packmitteln
eingesetzt. Die Vor- und Nachteile entsprechen im wesentlichen denen der
Luftkissenpolster.
Faserpolster
Faserpolster gelten als hochwertiges Polstermaterial für
Packgüter mit hohen Anforderungen. Sie werden aus Tierhaaren oder Kokosfasern
hergestellt. Nach der Reinigung und Verarbeitung zu Vliesen werden die Fasern mit einem
Gummiüberzug versehen und durch die Vulkanisierung fest miteinander zu Platten verbunden.
Faserpolster sind relativ unempfindlich gegenüber Feuchte-
und Temperatureinflüssen. Sie besitzen auch bei dauerhaften Belastungen eine sehr gute
Rückstellkraft.
Polstermittel aus Schaumkunststoffen
Polstermittel aus Schaumkunststoffen werden hauptsächlich
aus den Materialien Polystyrol (PS), Polyurethan (PU) und Polyäthylen (PE) hergestellt.
Die Schaumkunststoffe werden in weiche, halbharte und harte Ausführungen unterschieden.
Wichtig für ihre Polstereigenschaften ist neben dem Raumgewicht auch ihre Zellstruktur.
Im folgenden wird kurz auf die speziellen Eigenschaften der verschiedenen
Ausgangsmaterialien eingegangen.
Polystyrol (PS):
PS ist ein eher weicher, elastischer Schaumkunststoff mit
geschlossenen Zellen, in denen sich die für die Federeigenschaft benötigte Luft
befindet. Die Rückstellkraft ist jedoch begrenzt.
PS ist selbst nicht hygroskopisch und behält daher auch
unter Feuchteeinflüssen seine volle Funktionsfähigkeit bei. Es muss jedoch beachtet
werden, dass Polstermittel aus PS aufgrund ihres Aufbaues (eingeschlossene Kapillaren)
trotzdem zu einer gewissen Wasserdampfaufnahme bzw. -abgabe neigen. Daher müssen bei
korrosionsgefährdeten Packgütern entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.
Polstermittel aus PS werden als größere Formteile, wie
Polsterrahmen, Kantenpolster oder Eckpolster, sowie als kleine Schüttpolster, die
sogenannten Chips, hergestellt. Bei Verwendung von großen Formteilen muss die
Polsterfläche oft verringert werden, da die statischen Flächenlasten der Packgüter
nicht hoch genug sind, um eine effektive Polsterung zu gewährleisten.
Polyurethan (PU):
PU werden als weiche, halbharte und harte Kunststoffe mit
offener Zellstruktur hergestellt. Für den Bereich des Verpackungswesens werden
hauptsächlich weiche und halbharte Polyurethane eingesetzt.
Mit zunehmender Härte der PU-Schaumstoffe nimmt ihre
Dämpfung zu und die Rückstellkraft und ihre Elastizität ab.
Besonders bei mehrmaliger gleichartiger Belastung kann dies
bei zu hartem Schaumstoff zu Problemen führen, da die Rückstellkraft immer mehr abnimmt.
Polyurethanschaumstoffe werden als größere Formteile
hergestellt. Hauptsächlich geschieht dies durch Direkteinschäumung um das zu verpackende
Gut herum. Ist dies nicht möglich, können die Formteile auch vorgeschäumt werden.
Ein Nachteil der PU-Schäume liegt in der relativ
schwierigen Herstellung. Daher eignen sie sich nicht so sehr für Massenproduktionen,
sondern eher für die Verpackung und Polsterung von ständig wechselnden Packgütern.
Polyethylen (PE):
Polyethylenschaumstoffe bestehen wie die Polystyrole aus
geschlossenen Zellen. Sie besitzen hervorragende Polstereigenschaften, die mit denen der
Faserpolster zu vergleichen sind. Selbst bei größten Belastungen behalten sie ihr
Polstervermögen bei.
PE-Schaumstoffe haben jedoch zwei entscheidende Nachteile.
Zum einen sind sie sehr teuer, wodurch ihr Einsatz häufig von vornherein ausgeschlossen
wird, zum anderen sind sie nicht witterungsbeständig.
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© Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), Berlin 1999- |
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