Was ist aus Sicht der Versicherer unter einer Projektverladung zu verstehen?


Beispiel Industrieanlagen:

Diese werden meistens von einem Anbieter im Paket verkauft, der z. T. wiederum von zahlreichen Zulieferern Komponenten bezieht.

Ein solches Projekt umfasst die gesamte Planung, Organisation, Lieferung und Montage der verschiedenen Bausteine einer Industrieanlage.

Im Prinzip ist jede einzelne Lieferung im Rahmen eines Projektes als Projektverladung zu verstehen. Meistens werden jedoch nur die besonders großen, schweren, empfindlichen und/oder teuren (Schlüssel-)Komponenten eines Projektes als Projektverladung bezeichnet.

Im engeren Sinne handelt es sich also um sämtliche Transporte und Lagerungen (z. B. auf der Baustelle) aller Komponenten eines Anlagenprojektes, im weiteren Sinne alle Transporte und Lagerungen von:

besonders großen Gütern
besonders teuren Gütern
besonders empfindlichen Gütern
schwer wiederzubeschaffenden Gütern (z. B. Einzelanfertigungen, deren Neuanfertigung viel Zeit und Kosten verursacht)
außergewöhnlichem Charakter, die hohe Risk Management Anforderungen stellen.


Ein Beispiel aus dem eigenen Unternehmen:

Versichert wurde der Transport von Reaktoren für eine Erdgas-Verflüssigungsanlage in Katar. Jeder ist über 20 m lang, hat 9 m Durchmesser und 1.200 t Masse (Abbildungen 1 und 2). 12 Stück werden geliefert, jede hat einen Versicherungswert von ca. 10 Mio. Euro, insg. beträgt der Wert weit über 100 Mio. Euro.




Abbildung 1




Abbildung 2


Bei diesem Projekt traten folgende Probleme und Besonderheiten auf:

Der versicherte Transport dieser Anlagenteile führte von Deggendorf in Süddeutschland zum Seehafen Rotterdam. Der Transport erfolgte per Leichter (Barge) auf dem Wasserweg: Über Donau, Rhein-Main-Donau-Kanal, Main und Rhein bis Dordrecht. Dort mussten die Teile bis zur Verschiffung Richtung Katar zwischengelagert werden, da immer mehrere Teile von unterschiedlichen Zulieferern gemeinsam verschifft wurden.

Für derartig dimensionierten Anlagenteile (Abbildung 3) müssen ausreichend große und tragfähige Bargen verwendet und ggfs. verstärkt werden. Bei Hochwasser sind die Brücken oft zu niedrig, dann muss mittels Ballast der Tiefgang erhöht werden. Bei Niedrigwasser gibt es aufgrund der geringeren Wassertiefe oft Probleme mit dem Tiefgang.




Abbildung 3


Die folgenden Bilder zeigen die Umlagerung in Dordrecht. Diese war eine echte Herausforderung. Drei Schwimmkräne waren für das Heben der 1.200 t schweren Anlagenteile erforderlich. Sobald genügend Reaktoren für den Seetransport in Dordrecht angekommen waren, erfolgte der Weitertransport per Barge nach Rotterdam und dort die Verladung auf das Schwergutschiff. Schon die Schäkelgröße ist beeindruckend (Abbildung 5). Mit der Umladung auf das Schwergutschiff endete unsere Deckung.




Abbildung 4




Abbildung 5




Abbildung 6




Abbildung 7


Aufgrund der Größe und des Wertes des Transportguts, der logistischen Herausforderung, der Technik und der Transportwege war dieses Projekt alles andere als einen Standardtransport.

Es handelte sich um eine Einzeldeckung und nicht um eine laufende Police. Einige Hunderttausend Euro haben hier einen Gegenwert von über 100 Mio. Euro versichert. Der schadenfreie Transport war daher schon aus finanziellen Gründen ein "Muss".



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