Foto des Monats – August 2026



Instabile Ladeeinheiten – wenn Niederzurrungen ihre Wirkung verlieren

Foto des Monats - August 2026

Abbildung 1 [Dirk Drepper]

Die Fotos zu diesem „Foto des Monats“ stammen erneut von unseren unermüdlichen Polizeibeamten, die bei Verkehrskontrollen regelmäßig auf interessante Beispiele aus der Praxis treffen.

Im vorliegenden Fall fiel ein Lkw auf, der zahlreiche gebrauchte Holzpaletten sowie weiteres Holzmaterial geladen hatte. Nach Angaben des Fahrers sollte die Ladung einer Entsorgung zugeführt werden.

Die Kontrolle erfolgte unmittelbar nach einem Wendemanöver. Dabei war zu beobachten, dass sich einer der Palettenstapel deutlich bewegte und sich seitlich gegen die Zurrgurte verlagerte. Dies war Anlass für eine eingehendere Kontrolle.

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Abbildung 2 [Dirk Drepper]

Bereits auf den ersten Blick zeigte sich eine sehr ungleichmäßig aufgebaute Ladung. Mehrere unterschiedlich hohe Palettenstapel waren gemeinsam mit weiterem Holzmaterial verladen worden. Einheitliche und formstabile Ladeeinheiten waren nicht vorhanden.

Zur Sicherung der Ladung wurden fünf Zurrgurte eingesetzt. Diese verliefen über die Palettenstapel und gleichzeitig über den vollständig nach vorn ausgefahrenen Ladekran.

Auf den ersten Blick erscheint diese Sicherung durchaus umfangreich. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der eingesetzten Zurrgurte, sondern ob ihre Vorspannkraft dauerhaft in die Ladung eingeleitet werden kann.

Genau daran scheiterte die gewählte Sicherung.

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Abbildungen 3 und 4 [Dirk Drepper]

Eine Niederzurrung setzt voraus, dass die Ladung eine ausreichend formstabile Einheit bildet. Nur dann bleibt die eingebrachte Vorspannkraft während der gesamten Fahrt erhalten.

Im vorliegenden Fall befanden sich zwischen den einzelnen Paletten zahlreiche Hohlräume. Zusätzlich lag der Kranausleger nicht plan auf der Ladung auf und konnte sich gegenüber den Paletten geringfügig bewegen.

Dadurch baute sich die Vorspannkraft der Niederzurrungen bereits nach kurzer Fahrstrecke ab. Hinzu kam, dass einzelne obere Paletten unter der Belastung bereits gebrochen waren. Auch dadurch ging weitere Vorspannkraft verloren.

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Abbildungen 5,6 und 7 [Dirk Drepper]

Bei der Kontrolle wies schließlich keiner der eingesetzten Zurrgurte noch eine erkennbare Vorspannung auf.

Die beim Wendemanöver beobachtete Bewegung eines Palettenstapels war daher keine Überraschung, sondern die unmittelbare Folge der fehlenden Sicherungswirkung.

Nach vorn bestand zwar ein Formschluss zur Stirnwand, aber seitlich ragten die Paletten deutlich über die Bordwände hinaus. Bei entsprechenden Fahrmanövern bestand deshalb die Gefahr, dass sich einzelne Stapel seitlich verlagern oder sogar von der Ladefläche abrutschen.

Gerade bei scheinbar leichten Ladungen wie gebrauchten Holzpaletten wird häufig unterschätzt, dass nicht das Gewicht allein entscheidend ist. Eine instabile Ladeeinheit führt dazu, dass selbst korrekt angelegte Niederzurrungen ihre Wirkung innerhalb kurzer Zeit verlieren können.

Wie hätte die Ladung gestaut und gesichert werden können?

Der entscheidende Schritt hätte bereits vor Beginn der Verladung erfolgen müssen.

Gleichartige Paletten hätten zu möglichst gleich hohen und formstabilen Stapeln zusammengefasst werden können. Erst solche Stapel bilden geeignete Ladeeinheiten, in die eine Niederzurrung ihre Vorspannkraft dauerhaft einleiten kann.

Je zwei Stapel hätten nebeneinander auf der Ladefläche positioniert und jeweils mit einem Niederzurrgurt gesichert werden können. Voraussetzung hierfür wären geeignete Kantenschoner gewesen, damit die Vorspannkraft gleichmäßig eingeleitet und die Zurrgurte nicht beschädigt werden.

Lose Holzreste und sonstiges Material hätten getrennt gesammelt und in geeigneten Behältern oder vorhandenen Kisten transportiert werden müssen. Auch Material, das zur Entsorgung bestimmt ist, muss beförderungssicher gestaut und gesichert werden.

Praxisbeispiel

Die Bedeutung einer geeigneten Ladeeinheit lässt sich anhand einer überschlägigen Berechnung verdeutlichen.

Werden zwei gleich hohe Palettenstapel mit jeweils 17 Paletten (je Stapel ca. 425 kg) betrachtet und ein Reibbeiwert von μ = 0,45* sowie eine Vorspannkraft von 500 daN je Niederzurrgurt zugrunde gelegt, ergibt sich folgendes Bild:

Sicherungsrichtung Sicherheitsreserve
Zur Seiteca. 318 daN
Nach hintenca. 318 daN
Nach vornca. 68 daN

Selbst ohne Formschluss zur Stirnwand wäre die Ladung rechnerisch ausreichend gesichert gewesen.

In der Praxis empfiehlt es sich dennoch, einen vorhandenen Formschluss konsequent zu nutzen. Er erhöht die Sicherheitsreserven zusätzlich und wirkt unabhängig von Reibung oder Vorspannkraft.

Die Berechnung zeigt deutlich, dass in diesem Fall nicht eine zu geringe Anzahl von Zurrgurten das eigentliche Problem war. Entscheidend war vielmehr, dass aufgrund der instabilen Palettenstapel keine dauerhaft wirksame Vorspannkraft in die Ladung eingeleitet werden konnte. Bereits nach kurzer Fahrstrecke war die Sicherungswirkung der Niederzurrungen weitgehend verloren gegangen.

Fazit

Dieser Fall zeigt anschaulich, dass eine Ladungssicherung immer mit der Bildung geeigneter Ladeeinheiten beginnt. Niederzurrungen können ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn die Vorspannkraft dauerhaft in die Ladung eingeleitet wird. Instabile Stapel, Hohlräume innerhalb der Ladung oder nachgiebige Auflageflächen führen dagegen dazu, dass die Vorspannkraft bereits nach kurzer Fahrstrecke verloren geht.

Nicht die Anzahl der eingesetzten Zurrgurte entscheidet über die Qualität einer Ladungssicherung, sondern deren fachgerechte Anwendung auf einer geeigneten Ladeeinheit. Genau darin lag in diesem Fall die wesentliche Schwachstelle.

Ihre Ladungssicherungskolumnisten.

*: Reibungsbeiwert gemäß DIN EN 12195
*: Reibungsbeiwert gemäß CTU-Code, Anlage 7 Anhang 2 „Reibbeiwerte“

Hinweis:

Man kann den CTU-Code in seiner letzten offiziell herausgegebenen Version unter folgendem Link kostenfrei herunterladen: https://unece.org/transport/intermodal-transport/imoilounece-code-practice-packing-cargo-transport-units-ctu-code
Unter diesem Link gelangt man auf die Seiten der UNECE. Nach der Beantwortung einer kurzen anonymen Erhebung kann man den CTU-Code in folgenden Sprachen herunterladen: Englisch (Original), Arabisch, Chinesisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Deutsch.




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