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Anwendungsbereich
Beim Transport von Waren über See kommt es
immer wieder vor, dass Teile der Ladung Nässeschäden aufweisen. Diese Schäden können
ihre Ursache in Befeuchtung durch Schweißwasser (Kondensationswasser), aber auch durch
Eindringen von Seewasser in den Laderaum oder Container haben.
Um diese Ursachen voneinander zu trennen
bzw. die Seewasserbeschädigung auszuschließen, wird der Seewassertest nach der
Silbernitratmethode durchgeführt, mit der Chlorionen nachgewiesen werden können.
Abbildung 1 zeigt einen Testbeutel, der,
nach den Verfärbungen zu urteilen, offenbar durch Wasser beschädigt wurde. Ob es sich um
einen Schweißwasserschaden oder Seewasserschaden handelt, ist optisch nicht zu erkennen.
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| Abbildung 1 |
Der Test beruht darauf, dass eine
Flüssigkeit, in der Chlorionen enthalten sind, bei der Zugabe von Silbernitratlösung
(0,1 mol/L) sofort in eine weißliche Lösung umschlägt. Sind diese Chlorionen nicht
vorhanden, so bleibt die Lösung klar und durchsichtig.
Abbildung 2 zeigt die für den Test
erforderliche Ausrüstung:
ein Fläschchen mit Silbernitrat (AgNO3),
möglichst in einer Tropfflasche, Lösung vor Luft schützen; eine Flasche mit
destilliertem Wasser (H2O) und zwei Bechergläser.
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Abbildung 2 |
Es sind immer mindestens zwei Proben zu
entnehmen, eine Probe vom beschädigten Erzeugnis und eine sogenannte Null-Probe (o.
Blindprobe), auch als Konterprobe bezeichnet, aus einem Bereich, in dem keine
Seewasserbeschädigung stattgefunden haben kann. Hierzu eignen sich bei kleineren Schäden
die Unterseite des Sacks oder andere entfernt liegende Ladungsstücke, die nicht
beschädigt sein können.
Die Null-Probe ist notwendig, um
auszuschließen, dass im Erzeugnis oder in den Säcken, die nicht beschädigt wurden,
bereits Chlorionen enthalten sind. Ist dies der Fall, wird sich auch die Null-Probe mehr
oder weniger verfärben. In diesem Fall wären dann weitergehende Untersuchungen
erforderlich, die in einem Labor durchzuführen sind. Der Besichtiger entnimmt in diesem
Fall mehrere Proben, die einzeln in Plastiktütchen verpackt und gut beschriftet werden.
Man sollte von den Entnahmestellen einen Lageplan anfertigen.
Der einfache Nachweis von Seewasser erfolgt
am besten sofort an Bord durch den Besichtiger, der die Proben gezielt dort entnehmen
kann, wo die Möglichkeit des Eindringens von Seewasser besteht.
Testdurchführung
1. Prüfung einer Verfärbung von
Jutesäcken auf Befeuchtung mit Seewasser. Entnehmen Sie den vermutlich durch Seewasser
beschädigten Sack Faserteile, und geben Sie diese in das Glas A, siehe Abbildung 3.
2. Der gleiche Vorgang erfolgt an einem
unbeschädigten Sack, der an einer Stelle liegt, wo eine Seewasserbeschädigung
unwahrscheinlich ist. Diese Probe kommt in das Glas B, siehe Abbildung 3.
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| Abbildung 3: Links die Probe des beschädigten
Sacks, rechts die Probe eines unbeschädigten Sacks. |
3. Als nächsten Schritt geben Sie in jedes
Glas etwa 100 ml destilliertes Wasser. Sie können das nach Augenmaß hinzugeben, achten
dabei aber darauf, dass möglichst die gleiche Menge in jedes Glas gegeben wird, siehe
Abbildung 4 und 5.
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| Abbildung 4 |
Abbildung 5 |
4. Jetzt rühren Sie beide Proben im Wasser
und spülen vorhandene Chlorionen durch mechanisches Bewegen und Schütteln aus, siehe
Abbildung 6.
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Abbildung 6 |
5. Nun geben Sie mit einer Pipette oder
einfach aus Ihrer Tropfflasche einige Tropfen Silbernitratlösung in die Probe A
(Abbildung 7 und 8), die sich bei positivem Ausgang schon nach dem ersten Tropfen
verfärbt.
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| Abbildung 7: Zugabe von einigen Tropfen
Silbernitratlösung zur Probe A |
Abbildung 8: Die Probe A verfärbt sich schon
nach Zugabe des ersten Tropfens. |
6. Jetzt wird auch der Null-Probe
Silbernitrat zugegeben. Erfolgt keine Reaktion, und das Wasser bleibt klar, so ist die
erste Probe A wahrscheinlich durch Seewasser beschädigt, siehe Abbildung 9. Findet auch
in der zweiten Probe ein Umschlag statt, so ist die Seewasserbeschädigung nicht sicher.
Es werden, wie oben beschrieben, mehrere Proben genommen und ins Labor gegeben, um dort
die Seewasserbeschädigung durch umfangreichere Messungen zu bestätigen oder
auszuschließen.
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Abbildung 9 |
Abbildung 10 zeigt den chemischen Vorgang
der Fällungsreaktion.
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| Abbildung 10 |
Test bei Getreide oder Futtermitteln
Die Abbildungen 11 bis 13 zeigen den
gleichen Test an einer Getreideprobe aus Säcken, in denen infolge Nässe Verschimmlung
eingetreten ist. Die Null-Probe wurde unbeschädigten Säcken entnommen.
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| Abbildung 11 |
Der Umschlag auf Bild 12 und 13 zeigt, dass
hier kein Schweißwasser, sondern Salzwasser als Ursache für die Feuchtebeschädigung wahrscheinlich
ist, die letztlich zur Schimmelbildung führte.
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| Abbildung 12: Farbumschlag bei Probe A nach
Zugabe von Silbernitratlösung |
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Abbildung 13: Kein Farbumschlag bei Probe B, woraus
man schließen kann, dass es sich um eine Seewasserbeschädigung handelt. |
Vor allem bei Futtermitteln muss mit der
Anwesenheit von Chlorionen in der unbeschädigten Ware gerechnet werden. Hier helfen
gegebenenfalls umfangreichere Methoden weiter.
Die Entnahmestellen sind gut zu beschreiben
oder zu fotografieren.
Unbehandelte Proben sollten in
verschlossenen Plastiktütchen sichergestellt werden.
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