Wertbestimmung bei Uhren und Schmucksachen

Vortrag von Frau Elke Eisler,
Diplom-Mineralogin, Vereidigte Sachverständige für Edelsteine, Diamanten, Juwelen und Goldschmuck, Göppingen



Inhaltsverzeichnis


 Einleitung und Wertbegriffe

 Bewertungen

 Grundlagen für eine Bewertung im Schadenfall

 Eckdaten bei der Schmuckbewertung

 Abschließende Hinweise







Einleitung und Wertbegriffe

Naturgemäß besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Preis, den man beim Kauf zu zahlen bereit ist, und dem Preis, den man beim Verkauf erzielen will. Jeder möchte billig kaufen, aber möglichst teuer verkaufen. Das gilt selbstverständlich auch im Valorenbereich. Dadurch bekommt der Begriff "Wert" eine ganz andere Dimension.

Im Valorenbereich ist es zunächst nicht einfach, den tatsächlichen Wert bzgl. der Echtheit und Qualität eines Objektes zu bestimmen. Oft können nur Fachleute feststellen, ob es sich um echte Edelsteine oder deren Imitationen bzw. Synthesen handelt. Dasselbe gilt für Markenuhren oder deren Fälschungen.



Wertbegriffe


Wiederbeschaffungswerte
"Anschaffungswerte"
Erbteilungswerte
Erbschaftssteuerwerte
Gelegenheitswerte – Sammlerwerte

Allein schon Privat- und Geschäftskunden haben völlig unterschiedliche Wertbegriffe. Der Wiederbeschaffungswert für einen Privatkunden ist ein anderer als für einen Großhändler oder Hersteller.

Anschaffungswerte können durch einen Kaufbeleg beziffert sein. Allerdings muss das Alter des Belegs berücksichtigt werden, der Zeitpunkt und die Art der Anschaffung, u.v.m.

In Erbteilungswerte fließt auf jeden Fall ein Zeitwert ein, jedoch spielt auch die Gebrauchstauglichkeit der Stücke eine Rolle.

Erbschaftssteuerwerte beziehen sich bei Edelmetallen auf die jeweiligen Materialwerte. Bei Edelsteinen und Perlen wird als Basis der jeweilige Großhandelspreis herangezogen, abzüglich eines Abschlags, je nach Erhaltungszustand.

Sammlerwerte können steigen. Sammlerstücke werden mit der Zeit oft teurer, weil sie selten sind und in vielen Fällen gar nicht mehr hergestellt oder vertrieben werden.



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Bewertungen


Es ist von großer Bedeutung, für wen eine Wertbestimmung durchgeführt wird. Das können Privatkunden, Juweliere, Goldschmiede, An- und Verkäufer oder Auktionshäuser sein. Für die Wertbestimmung stellt das einen großen Unterschied dar.

Privatkunde
Juwelier bzw. Goldschmied
An- und Verkäufer (Gebrauchtschmuck)


Privatkunde

Wiederbeschaffungswerte
Erwerb von Neuware über den Einzelhandel (aktuelle Stücke)
Erwerb von vergleichbarer Ware über den Gebrauchtmarkt (ältere Modelle, antike Stücke)

Stücke für Privatkunden werden i. d. R. zum Wiederbeschaffungswert versichert. Das heißt, der Privatkunde kann im Schadenfall die Ware über den Einzelhandel (z. B. Juwelierladen) neu beziehen. Der Kaufpreis wäre dann der Versicherungswert.

Das Problem ist dabei, dass die versicherten Stücke oft nicht mehr erhältlich sind. In einigen Fällen können vergleichbare Stücke zwar über den Gebrauchtmarkt wiederbeschafft werden, dies führt jedoch unweigerlich zu Diskussionen mit dem Versicherungsnehmer, der diese Tatsache nicht akzeptieren will.

Dies bedeutet: Der Versicherungswert von alten Stücken sollte anders festgelegt werden. Eine Begutachtung im Vorfeld wäre äußerst hilfreich.




Juwelier, Goldschmied

Wiederbeschaffungswerte
Aktuelle Einkaufspreise für bezogene Ware
Aktuelle Einkaufspreise für Materialien und Arbeitsleistungen
– Fremdleistungen (Goldschmiedearbeiten, Fasserarbeiten etc.)
– Eigenleistungen (eigene Werkstatt)
Anschaffungswerte
Einkaufspreise für bezogene Ware (lt. vorgelegter Rechnungen)
Einkaufspreise der Materialien (Edelmetalle, Steine etc.) und gegebenenfalls der Arbeitsleistungen (lt. vorgelegter Rechnungen)
– Fremdleistungen (Goldschmiedearbeiten, Fasserarbeiten) – Eigenleistungen (eigene Werkstatt)

Auch hier gilt, dass der Wiederbeschaffungswert der aktuelle Wert ist. Dabei ist die Preisentwicklung der Edelmetalle oder Steine zu berücksichtigen. Hier können wie im Falle Gold beträchtliche Preissteigerungen vorkommen. Bei Goldschmieden spielt darüber hinaus die Arbeitsleistung eine große Rolle. Oft wird diese aber in den Verträgen nicht ausreichend berücksichtigt oder gar nicht definiert.




An- und Verkäufer

Anschaffungswerte
Einkaufspreis (lt. Ankaufbeleg)
Verkaufswerte
Eventuell zu erzielende Verkaufserlöse – Abschlag

Das Problem ist, dass die An- und Verkäufer oft überhaupt keine Belege haben. Dies ist besonders oft der Fall, wenn Privatleute ihren Schmuck veräußern wollen, ihn aber schon lange nicht mehr getragen haben. Kaufbelege oder Zertifikate sind dann häufig verlegt oder nicht mehr vorhanden. Sind sie vorhanden, müssen sie auch aussagekräftig sein.

Zudem ist es für einen Nichtfachmann oft schwierig zu erkennen, ob es sich um echten Schmuck bzw. um Markenuhren handelt. U. U. kann dies (insbesondere bei Markenuhren) nur der Hersteller oder ein ausgewiesener Fachmann beurteilen. Dazu kommt noch, dass häufig Rabatte/Abschläge beim An- und Verkauf gegeben werden, die bei der Preisbewertung berücksichtigt werden müssen. All dies macht die Bewertung des Verkaufswertes schwierig.




Auktionshaus

Veräußerungswerte
Limitpreise für Fremdware (gegebenenfalls abzüglich der Einlieferer-Provision)
Verkaufswerte
Einkaufspreise für bezogene Ware

Für den Einlieferer werden in der Regel Limitpreise festgesetzt. Diese können sehr niedrig sein, da die Auktionshäuser nur verdienen, wenn sie die eingelieferten Stücke auch verkaufen. Manche Auktionshäuser nehmen die Ware nur zu unseriösen Preisen an und nutzen mitunter die Notsituation der Privateinlieferer aus.

Ist das Auktionshaus versichert, ist bei der Preisbewertung die Einlieferer-Provision zu berücksichtigen. Diese muss gegebenenfalls abgezogen werden, da sie im Falle eines Verkaufs einbehalten wird und somit einen Teilgewinn des Auktionshauses darstellt. Die Einlieferer-Provision liegt oft zwischen 15 und 25 % (Abweichungen sind jederzeit möglich) und ist in vielen Fällen gleich hoch wie die Käuferprovision, das sogenannte Aufgeld.

Auktionshäuser kaufen oft auch ganze Lager auf, teilweise direkt vom Hersteller oder Händler. In diesen Fällen sind die Einkaufspreise heranzuziehen, ggf. mit einem Abschlag. Denn der Hersteller bzw. Händler bringt nur deshalb seine Ware ins Auktionshaus, weil er den eigentlichen Wert auf dem Markt nicht mehr erzielen kann.


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Grundlagen für eine Bewertung im Schadenfall (Juwelier, Goldschmied, An- und Verkäufer)


Warenbestandserfassung
Schadenliste
Warenbestand vor Schaden
Restbestand
Überprüfung der Warenbestandserfassung über die Buchhaltung
Einkauf- und Verkaufsbelege bis zum Stichtag
Lagerkartei (Zu- und Abgänge bis zum Stichtag)
Letzte Inventuren (2- 3 Jahre)
Bewertung des Warenbestandes
Edelmetallpreise, Edelsteinpreise etc.

das folgende Diagramm verdeutlicht die großen Preisschwankungen bei Gold in den letzten vier Jahren. Innerhalb von drei Jahren ist der Wert stark gestiegen, bis er wieder deutlich abfiel:



Goldverkaufspreis (unverarbeitet) vom 04.01.2010 bis 06.01.2014 – Fixingpreise €/g


Betrachtet man den noch längeren Zeitraum der letzten 13 Jahre, ist die Wertsteigerung noch größer. 2002 lag der Preis noch unter 10 Euro/Gramm, er stieg dann bis 2012 auf fast 47 Euro/Gramm, bevor er bis 2014 wieder auf ca. 30 Euro/Gramm fiel:



Goldverkaufspreis (unverarbeitet) vom 02.01.2001 bis 06.01.2014 – Fixingpreise €/g



Diamantpreise

Anbieter aus Antwerpen – Preis pro Karat in Euro:


  2004 2014 (März)
0,50 ct Feines Weiß – Lupenrein 2.500 3.390
0,50 ct Weiß – SI (kleine Einschlüsse)

1.300

1.800

1 ct Feines Weiß – Lupenrein 5.360 7.280
1 ct Weiß – SI (kleine Einschlüsse) 3.280 4.170

Auch hier sind deutliche Preissteigerungen innerhalb der letzten 10 Jahre zu verzeichnen, wenn auch nicht so hoch wie bei Gold.




Grundlagen für eine Bewertung im Schadenfall (Privatpersonen)


Umfang und Höhe der versicherten Gegenstände
Schadenliste
Einkaufsrechnungen, Garantiekarten, Zertifikate
Beschreibungen, Bilder
Kostenvoranschläge

Die angegebenen versicherten Stücke müssen in gewissem Sinne zueinander passen. Wenn angeblich ein hochwertiges Einzelstück verschwunden ist, die vorhandenen Stücke aber alle geringwertig sind, ist das zumindest auffällig. In so einem Fall sollte möglichst ein Kaufbeleg oder ein Zertifikat verlangt werden. Sind keine Beleg mehr vorhanden, so können Bilder und Beschreibungen zwar weiterhelfen, zur Wertermittlung sind sie allerdings nur bedingt geeignet. Markenartikel bzw. echter Schmuck und Uhren lassen sich auf Bildern praktisch nicht von Fälschungen unterscheiden.

Gibt es Unterlagen etc. zu den entwendeten Stücken, so kann über einen Kostenvoranschlag der ungefähre Wiederbeschaffungspreis festgestellt werden. Allerdings sollte dieser von einem möglichst renommierten Juwelier, Goldschmied oder Fachmann erstellt worden sein.


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Eckdaten bei der Schmuckbewertung


Art des Schmuckstückes

– Ring, Armband, Collier usw.
Gewicht
Legierung

– Gold: Feingold, 916, 900, 750, 585, 333 (gelb, weiß, rosé)
– Silber: 925, 835, 800
– Platin
Steinbesatz (Diamanten, Farbedelsteine, unechte Steine)

– Größe, Gewicht, Anzahl
Perlen

– Art, Größe, Anzahl, Farbe


Es kann sinnvoll sein, Skizzen von Schmuckstücken anfertigen zu lassen oder vergleichbare Stücke vorzulegen, um die Beschreibungen aussagekräftiger zu gestalten.


Eckdaten Diamanten




Die sog. "vier C" sind wichtige Kriterien zur wertmäßigen Einordnung eines Diamanten:

Carat (Gewicht)
Das Gewicht eines Diamanten wird in Carat (Karat) festgehalten.
1 Carat (ct) = 0,2 g.
Zurückzuführen ist es auf das durchschnittliche Gewicht eines getrockneten Samenkorns des Johannisbrotbaumes. Früher wurden diese als Gewichtssteine verwendet.
Colour (Farbe)
Diamanten kommen in der Natur in nahezu allen Farbtönen vor.
Farblose bis leicht gelbliche Diamanten (teilweise leicht bräunliche) stellen die sogenannte "Gelbreihe" dar. Diese ist unterteilt in einzelne Farbabstufungen, bzw. Farbgrade, wobei Hochfeines Weiß + (D) den höchsten Farbgrad und Getönt (Z) den niedrigsten Farbgrad darstellt.
Daneben gibt es auch intensiv gefärbte Diamanten bspw. in Pink-, Orange-, Blau-, oder Gelbtönen. Sie werden auch als "fancy colours" bezeichnet.
Clarity (Reinheit)
Die Reinheit (clarity) reicht von Lupenrein bis Piqué 3. Lupenrein sind Diamanten, bei denen ein Fachmann mit Hilfe einer 10fachen Vergrößerung (Handlupe) keine Einschlüsse feststellen kann. Für den Schmuckbereich sind Diamanten bis zum Reinheitsgrad Pique1 gerade noch geeignet.
Cut (Schliff)
Der Schliff (cut) beinhaltet die Bewertung der Proportionen, der Symmetrie und der Politur, darf aber nicht mit der äußeren Form verwechselt werden. Der Schliff ist verantwortlich für die Brillanz und das Feuer eines Diamanten.
Die Bewertung wird unterteilt in die Grade excellent, sehr gut, gut, mittel und gering. Bis zu 40 % Wertunterschied können zwischen excellent und gering liegen.


Eckdaten Perlen

Bei Perlen gibt es eine sehr große Vielfalt und unzählige unterschiedliche Qualitäten. Art, Größe und Anzahl geben einen ersten Hinweis.

Größe
Farbe
Form
Lüster (der Glanz einer Perle)
Oberflächenbeschaffenheit


Eckdaten – Uhrenbewertung

Art der Uhr

– Armbanduhr (Herren, Damen)
– Taschenuhr – Tischuhr
Fabrikat – Modell

– Referenznummer, Serien- bzw. Gehäusenummer, Bandnummer
Legierung bzw. Material (Gehäuse, Armband etc.)

– Gold, Silber, Platin, Edelstahl, Metall, Leder, Kunststoff, Divers
Steinbesatz (Lünette, Zifferblatt)

– Art, Anzahl und Größe
Werk

– Mechanisch (Handaufzug, Automatik)
– Quarz
Detailbeschreibungen, Besonderheiten

Bei der bekannten Uhrenmarke Rolex wurde bis 2012 die Referenz- und Gehäusenummer seitlich in die Hörner eingraviert. Um diese lesen zu können, musste das Band entfernt werden. Ab 2012 werden diese Nummern in den Höhenring im Bereich der 6 des Ziffernblattes eingraviert. Dies hilft dem Begutachtenden bei der zeitlichen Einordnung einer Rolex-Uhr. Man sollte auch wissen, dass die Garantiekarten inzwischen im Scheckkartenformat ausgestellt werden, zudem immer in französischer Sprache.


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Abschließende Hinweise


Wann ist ein Privatgutachten ratsam?


Anzahl und Wert der Schmuckstücke bzw. Uhren sind nicht erfasst
Belege oder Zertifikate fehlen
Alte Stücke – Preise und Zertifikate sind überholt
Bilder sind nicht vorhanden
Unterschiedliche Herkunft der Stücke


Wann ist die Bewertung eines Lagers (Juwelier, Goldschmied, etc.) durch einen Fachmann ratsam?


Detaillierte Warenbestandslisten liegen nicht vor
Inventuren werden nicht durchgeführt
Einkaufsrechnungen können nicht zugeordnet werden
Größere Warenbestände stammen aus früheren Geschäftsbeziehungen
Sinkende Umsatzzahlen



Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an:

Elke Eisler, Spitalstr. 12, 73033 Göppingen

Telefon: 07161 43232
Telefax: 07161 49283
E-Mail: elke.eisler@gmx.de

© Elke Eisler



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