| Foto des Monats – Februar 2026 |
Zufällig, im Stau. Wenn Ladungssicherung so offensichtlich schlecht ist, dass man kaum nachrechnen muss.
Wenn man nichtsahnend auf einer deutschen Autobahn im Stau steht, kann es passieren, dass einem etwas ins Auge fällt, das besser nicht übersehen wird.

Abbildung 1 [Marc Sommerfeld]
Dieses Foto in der Reihe „Foto des Monats“ zeigt, dass jeder mitmachen kann. Wir laden alle Leserinnen und Leser ein, eigene Fotos einzusenden. Ihre Beobachtungen helfen, die Aufmerksamkeit für das Thema zu schärfen und die Qualität der Ladungssicherung zu verbessern.
Was auf dem Foto nicht zu erkennen ist, ist die Fortsetzung der Ladung im hinteren Bereich der Ladefläche. Deshalb folgt hier eine Beschreibung dessen, was der Fotograf vor Ort beobachten konnte:
- Auf der Ladefläche waren Spundwandpaneele in drei nebeneinanderstehenden Stapeln verladen.
- Die Paneele waren längs nicht bündig übereinander gestapelt. Sie reichten bis zum hinteren Ende des Aufliegers, sodass die Schwerpunktlage des Fahrzeugs insgesamt als unkritisch erschien.
- Die Ladung war mit insgesamt drei niederzurrenden Ketten gesichert, ergänzt durch eine einzelne Kette vorn zur Sicherung gegen das Verrutschen nach vorn. Diese vordere Kette war jedoch nur über einen Teil der Ladung geführt.

Abbildung 2 [Marc Sommerfeld]
Auffällig ist die große Lücke zwischen Ladung und Stirnwand. Solche Lücken sind häufig ein Hinweis auf unzureichende Sicherung, auch wenn sie theoretisch durch andere Maßnahmen kompensiert werden könnten. In diesem Fall war eine Kette zur Sicherung gegen Vorwärtsbewegung zu sehen, deren Wirksamkeit jedoch fraglich erscheint.
Die Breite der Ladung entsprach nicht der Breite der Ladefläche. Drei separate Stapel standen nebeneinander. Um diese korrekt zu sichern, hätte jeder Stapel eine eigene Sicherung benötigt. Bei der hier eingesetzten Methode wirken die Ketten nur auf die Platten, die sie direkt erfassen. Die dazwischenliegenden Bleche werden lediglich durch Klemmkraft und Reibung gehalten. Das ist kritisch, weil die mittleren Platten dadurch weniger stark gesichert sind und beim Bremsen nach vorn aus dem Stapel rutschen können. Dieser Effekt wird als Teleskopieren bezeichnet.
Ob dieser Zustand bereits beim Verladen bestand oder sich durch Bremsvorgänge im Laufe der Fahrt entwickelt hat, lässt sich anhand der Fotos nicht sicher beurteilen.

Abbildung 3 [Marc Sommerfeld]
Der Blick richtet sich häufig auf die Lücke zur Stirnwand. Dabei werden leicht die drei oberen Blechlagen in der Mitte der Ladefläche übersehen.

Abbildung 4 [Marc Sommerfeld]
Diese drei Blechlagen waren nur mit zwei (!) niederzurrenden Ketten gesichert. Diese befinden sich außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts.
Jetzt stellt sich die Frage, ob diese Sicherung ausreichen kann.
Nach Berechnung der wirkenden Kräfte wäre zur Sicherung dieser oberen Lagen eine Mindestanzahl von fünf niederzurrenden Ketten erforderlich gewesen. Tatsächlich wurden nur zwei verwendet. Betrachtet man die gesamte Ladung des Fahrzeugs wären sogar 45 Ketten notwendig gewesen, um die Bremskräfte im Ernstfall aufzunehmen
Wie ergibt sich diese Zahl? Für die oberen drei Lagen, die keine direkte Sicherung nach vorne aufweisen wäre folgende Überlegung anzustellen:
Angenommen wird, dass die oberen Spundwandplatten zehn Millimeter dick, fünfzig Zentimeter breit und acht Meter lang sind. Bei einem Stauwert von 7,85 t/m³ ergibt sich ein Gewicht von ca. 314 kg pro Platte. Drei Platten übereinander und drei Stapel nebeneinander ergeben ein anzunehmendes Gewicht von ca. 2826 kg.
Für die Berechnung der Sicherung werden folgende Annahmen getroffen:
- Reibungsbeiwert für Stahl auf Stahl wird dem Sicherheitsgedanken folgend mit µ = 0,1 bewertet
- Der Sicherungsbeiwert (früher k-Faktor) wird mit 1,6* angesetzt (entsprechend DIN EN 12195-1)
- Die Vorspannkraft pro Kette beträgt 2500 daN
- Der Winkel der Kette zur Ladefläche beträgt 90 Grad
- Die erforderliche Beschleunigung bei einer Vollbremsung beträgt 0,8 g
Eine Ladungssicherung ist immer dann ausreichend, wenn die sichernden Kräfte größer sind als die auftretenden Kräfte. Das folgende Beispiel zeigt die anzunehmende Kräftebilanz beim Bremsen.
Auftretende Kräfte < sichernde Kräfte
Auftretende Kräfte < Reibung + Sicherung
0,8 x m x g < m x g x µ + n x k x TF x µ x sin(α)
In diesem Beispiel:
0,8 x 2826 kg x 9,81 m/s² < 2826 kg x 9,81 m/s² x 0,1 + n x 1,6 x 2500 daN x 0,1 x sin(90°)
*Dem geschulten Anwender ist die Norm sicherlich gut bekannt, ebenso, wie die Tatsache, dass dort kein „k-Faktor“ mehr enthalten ist. Man kann aber den maximalen „k-Faktor“ aus dem Ansatz ermitteln, wenn man den Zahlenwert „2“ aus dem Nenner mit dem Sicherheitsfaktor fs = 1,25 verrechnet. Wir haben hier aus Gründen der Vereinfachung gearbeitet, wodurch die Rechenschritte vereinfacht werden und mehr der Logik, als der Formel folgen.
2 / 1,25 = 1,6
Jetzt lösen wir diesen Ansatz nach der Anzahl der niederzurrenden Ketten „n“ auf:
2217,85 daN < 277,23 daN + n x 400 daN
1940,62 daN / 400 daN < n
4,85 < n
Ausgehend von dieser Rechnung wären mindestens 5 niederzurrende Ketten allein für die oberen drei Lagen der etwas weiter rechts liegenden Platten notwendig gewesen.
Setzt man auf die gleiche Weise mit einer maximal angenommenen Zuladung von ca. 26 t an ergibt sich:
0,8 x 26 t x 9,81 m/s² < 26 t x 9,81 m/s² x 0,1 + n x 1,6 x 2500 daN x 0,1 x sin(90°)
Jetzt lösen wir diesen Ansatz nach der Anzahl der niederzurrenden Ketten „n“ auf:
20404,8 daN < 2550,6 daN + n x 400 daN
17854,2 daN / 400 daN < n
44,6 < n
Im Fall einer Vollbremsung bei maximaler Zuladung wären also rechnerisch mindestens 45 niederzurrende Ketten erforderlich gewesen. In der Realität waren es nur drei.
Wie hätte man die Ladungssicherung verbessern können?
- Man kann zwischen der Stirnwand und der Ladung eine Verblockung aus Kanthölzern einbauen.
- Die einzelnen Platten sollten nach vorn bündig an eine entsprechende Frontabstützung anstoßen.
- Reibungserhöhendes Material sollte in jeder Zwischenlage eingesetzt werden.
Was lernen wir daraus:
- Wir fahren demnächst mit Beifahrer, damit wir eine bessere fotografische Dokumentation erstellen können.
- Wir ermutigen die gesamte Transportwelt ihre Ladungssicherungen zu berechnen. Eine Berechnung ist nicht kompliziert, verringert Schäden und rettet Leben.
Einen wunderschönen Wintermonat Februar wünschen Ihre Ladungssicherungskolumnisten.


