| Foto des Monats – Mai 2026 |
Unauffällig, aber folgenreich – Wenn Ladungsbewegung mehr als nur Aufwand verursacht
Für die Reihe „Foto des Monats“ erreichten uns erneut Bilder aus der Schweiz.
Genau ein Jahr später zeigt sich erneut ein Container, der auf den ersten Blick unauffällig wirkt.
Äußerlich sind – wie bereits im Vorjahr – keine Schäden am Container erkennbar.

Abbildung 1 [Double S Solutions AG]
Im Inneren hat sich jedoch erneut Ladung bewegt. Aus Sicherheitsgründen wurde der Container erneut durch den Bahnbetreiber aus dem Zug genommen. Beim Öffnen des Containers zeigte sich folgendes Bild:

Abbildung 2 [Double S Solutions AG]
Hier wird deutlich, was passiert ist:
- Die Ladeeinheiten haben sich deutlich bewegt.
- Die Sicherung der Ladeeinheiten hat nicht gehalten.
- Eine wirksame Ladungssicherung ist nicht erkennbar.

Abbildung 3 und 4 [Double S Solutions AG]
Im Gegensatz zum Vorjahr ist neben den zusätzlichen Kosten – etwa für Eisenbahnmehraufwand, Fahrzeugkontrollen, Umladung und erneute Ladungssicherung – auch ein Warenschaden entstanden. Die Rollen sind verrutscht, teilweise von den Ladeeinheiten abgekippt und liegen ungeordnet im Container.


Abbildung 5 und 6 [Double S Solutions AG]
Wo liegt das Problem?
Durch das Verrutschen der Folienrollen infolge transportüblicher Beschleunigungen wurde die Ware beschädigt. Gleichzeitig hat sich der Schwerpunkt der Ladung innerhalb des Containers verlagert.
Die Folge: eine ungleichmäßige Belastung der Räder des Bahnwagens.
Die Schweizer Bahnbetreiber überwachen diese Radlasten sehr genau. Wird eine kritische Abweichung festgestellt, gilt dies als Sicherheitsrisiko – insbesondere im Hinblick auf Tunnelpassagen. Der betroffene Waggon wird dann in einem Interventionsbahnhof aus dem Zug genommen.
Auch hier war eine Weiterfahrt nicht mehr möglich. Der Container musste ausgeladen und neu verladen werden.
Die Konsequenzen
Im Unterschied zum Vorjahr entstand diesmal nicht nur organisatorischer und logistischer Aufwand, sondern auch ein echter Warenschaden.
Die Folgen im Überblick:
- Aussetzen des Waggons im Interventionsbahnhof
- Entladung und Neuverladung des Containers
- Zusätzlicher Sicherungsaufwand
- Standgelder und Verzögerungen
- Technische Überprüfung des Waggons
- Beschädigung der Kunststofffolienrollen durch Verformung und Druckeinwirkung
Der Schaden geht damit über reine Umladekosten hinaus und betrifft unmittelbar die Ware. Allein der Warenschaden lag bei rund 50.000 EUR.
Wie hätte man den Vorfall verhindern können?
Die Ursache liegt – wie so oft – in der Verladung.
Ein Blick in den CTU-Code zeigt die wesentlichen Punkte:
1. Ladung gegen Bewegung sichern
Ein reines Abstellen der Ladung reicht nicht aus. Erforderlich sind:
- Formschlüssige Sicherung (z. B. durch Blockierungen)
- Rutschhemmende Materialien unter und zwischen Ladeeinheiten
- Gezielter Einsatz von Zurrmitteln
Im vorliegenden Fall konnten sich die Folienrollen frei bewegen – mit den gezeigten Folgen.
Für die Umsetzung stehen verschiedene Regelwerke und Leitfäden zur Verfügung.
Eine praxisnahe Orientierung bietet der kostenfrei verfügbare CTU-Code mit konkreten Hilfestellungen im Annex 7 (künftig Annex 10). Die folgenden Abbildungen zeigen nur wenige Beispiele aus dem CTU-Code:




Abbildung 7 – 10 [CTU-Code Annex 7]
Abbildung 11 – 13 [CTU-Code Annex 7]
2. Schwerpunkt einhalten
Die Ladung muss so verteilt werden, dass der Schwerpunkt mittig liegt.
Der CTU-Code gibt hier klare Grenzen vor:
Maximal ±5 % Abweichung von der Containerbreite.
Bei einem Standardcontainer bedeutet das:
Nur etwa 12 cm Abweichung von der Mittelachse sind zulässig.
Durch den Ladungsverschub hat sich der Schwerpunkt während des Transports verschoben.
Zur Berechnung des Schwerpunkts verweisen wir auf das „Foto des Monats“ aus Mai 2025: https://www.tis-gdv.de/tis/foto/2025-2/2025-05/
Fazit
Der Fall zeigt zwei Dinge sehr deutlich:
- Sobald Bewegung ins Spiel kommt, steigt das Risiko für echte Warenschäden erheblich.
- Die dabei entstehende Schwerpunktverlagerung bleibt ebenfalls nicht folgenlos – auch wenn der Container äußerlich unbeschädigt erscheint.
Im Vergleich zum Vorjahr ist in diesem Fall auch die Ware selbst beschädigt worden.
Die entscheidenden Punkte bleiben:
- Ladung formschlüssig sichern
- Bewegung im Container konsequent verhindern
- Schwerpunkt sauber einhalten
Wer hier sorgfältig arbeitet, vermeidet nicht nur Diskussionen im Interventionsbahnhof – sondern vor allem Warenschäden.
Hinweis:
Man kann den CTU-Code in seiner letzten offiziell herausgegebenen Version unter folgendem Link kostenfrei herunterladen:
Unter diesem Link gelangt man auf die Seiten der UNECE. Nach der Beantwortung einer kurzen anonymen Erhebung kann man den CTU-Code in folgenden Sprachen herunterladen: Englisch (Original), Arabisch, Chinesisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Deutsch.
Ihre Schadenverhüter des GDV.
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