Bericht über die Geschäftslage in der Transportversicherung 2008 ⁄ 2009

Karl-Gerhard Metzner, HDI-Gerling Industrie Versicherung AG, Vorsitzender Kommission Transport / Luftfahrt im GDV.

Bericht anlässlich der Transport-Informationsveranstaltung am 17. Juni 2009 in Hamburg, überarbeitet und ergänzt um Themen aus den Berichten der Transportkommissionen.

Inhaltsübersicht

Einzug in die neue Struktur
Das vergangene Jahr
  Luftfahrtversicherung
  Modernisierung der Statistiken
  Piraterie
  IUMI
  Schadenverhütung
  Bedingungsarbeit
  überarbeitete ICC
Geschäftslage
  Das wirtschaftliche Umfeld
  Bruttobeitragseinnahmen 2008
  Zusammengefasste Zeichnungsjahrstatistik 2008
  Zeichnungsjahr gesamt, hochgerechnete Schadenquoten
  Zeichnungsjahrstatistik Warenversicherung 2008
  Zeichnungsjahrstatistik Verkehrshaftungsversicherung 2008
  Zeichnungsjahrstatistik Kaskoversicherung 2008
  Kumulschäden
  Fazit
aktuelle Themen
  Kumulkontrolle
  Spezialistenlehrgang
  Klimawandel
  Transportrechts-Bibliothek
  IUMI 2015 Berlin!
Schlussworte

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Transportversicherer,
liebe Spezialisten Transportversicherung,

ich darf Sie heute als Vorsitzender der neuen Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung begrüßen. Und ich tue dies gleichzeitig im Namen unseres neuen Vorsitzenden der zweiten Transportkommission, der Kommission Schadenverhütung, Herrn Dr. Marcus Kremer von der Mannheimer Versicherung.

Womit sollte der diesjährige Bericht zur Geschäftslage in der Transport- und Luftfahrtversicherung beginnen, wenn nicht mit dem Thema, das Wirtschaft, Medien und uns alle seit geraumer Zeit in der Wahrnehmung zentral beschäftigt: Die Entwicklung, die die Wirtschaft ausgehend von der Bankenkrise derzeit zu nehmen droht.

Das Wirtschaftswachstum: Ins Negative gekippt.
Der Export deutscher Waren: Massiv eingebrochen.
Die Transport- und Umschlagsleistung unserer Kunden: Deutlich zurückgefahren.

Dass diese Wirtschaftsentwicklung massive Auswirkungen auf die Transport- und Luftfahrtversicherung haben wird ist klar! Aber wann sind sie spürbar und wie groß werden diese Auswirkungen sein? Wie lange werden sie andauern? Was können wir tun, um hinterher gewappnet und gestärkt aus der Krise hervorzugehen?

Diese Fragen werden wir an mehreren Stellen des folgenden Berichts berühren, insbesondere bei den Statistiken, die uns Auskunft über das Geschäftsjahr 2008 geben können.

Lassen Sie mich jedoch zuerst einen kurzen Blick auf die Etablierung unserer neuen Strukturen werfen, die nun seit dem 01. Juli 2008 in die Praxis umgesetzt sind.

Einzug in die neue Struktur

Um dies vorweg zu nehmen: Die neue Gremienstruktur hat sich als sehr arbeitsfähig erwiesen. Wir sehen uns nach den ersten Erfahrungen voll in der Lage, die Sacharbeit in den Gremien in der gleichen Qualität und Tiefe wie vor der Neustrukturierung des Verbandes wahrzunehmen.

Hervorzuheben ist zunächst, dass seit dem 01. Juli 2008 die Luftfahrtversicherung Teil der neuen Gruppe Transport- und Luftfahrtversicherung geworden ist. Wir tragen dem in unserer täglichen Arbeit Rechnung, und auch diese Tagung hat eine entsprechende Prägung.



Abbildung 1: Gremienstruktur

Unsere ehrenamtliche Gremienstruktur seit 01. Juli 2008 stellt sich nun wie folgt dar: Grundsätzlich lässt sich die Verbandsarbeit – neben einigen Stabsausschüssen z.B. für Recht, Steuern und ähnlichen Themen – unterteilen in die Arbeit der Hauptausschüsse Lebensversicherung und Schaden- / Unfallversicherung.

Der für uns maßgebliche Ausschuss ist der Hauptausschuss Schaden- und Unfallversicherung. Wichtig ist an dieser Stelle zu betonen, dass der Transport- und Luftfahrtbereich in diesem Gremium einen ständigen Sitz in Form des Vorsitzenden der Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung, also derzeit in meiner Person, hat.

Dies ist ein Privileg, das neben unserer Sparte nur noch die Bereiche Unfallversicherung und Kreditversicherung teilen. Es ist hierdurch gewährleistet, dass wir unseren Themen auf der höchsten Arbeitsebene des Verbandes unterhalb des Präsidiums eine ständige Stimme verleihen können.



Abbildung 2: Gremienstruktur

Unterhalb des Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung sind seit Mitte letzten Jahres drei Fachausschüsse angesiedelt: Der Fachausschuss Kraftfahrtversicherung, der Fachausschuss Privatkunden und der Fachausschuss Gewerbe- / Industriekunden. Letzter ist auf dieser Ebene das für die Transport- und Luftfahrtversicherung zuständige Gremium. Auch hier ist unsere ständige Vertretung – sogar mit zwei von insgesamt 20 Sitzen und damit 10 % Gremienkapazität – gewährleistet. Dies sind die Vorsitzenden der Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung und der Kommission Transport Schadenverhütung.

In beiden Kommissionen haben wir eine Vielzahl erfahrener Transport- und Luftfahrtversicherer versammeln können, die die umsichtige und hoch qualifizierte Lokalisierung und Behandlung unserer Fachthemen wie in der Vergangenheit gewährleisten.



Abbildung 3: Arbeitsgruppen der Transport-Kommissionen

Die Spartenarbeit in der bewährten Form findet jetzt wie die meisten von Ihnen wissen auf Arbeitsgruppenebene statt. Für die Kommissionen Transport- und Luftfahrtversicherung (KTL) sind dies fünf Arbeitsgruppen:

die Arbeitsgruppe Kaskoversicherung,
die Arbeitsgruppe Luftfahrtversicherung,
die Arbeitsgruppe Sonderzweige,
die Arbeitsgruppe Verkehrshaftungsversicherung und
die Arbeitsgruppe Warenversicherung

und für die Kommission Transport Schadenverhütung (KTSV)

die Arbeitsgruppe TIS, die sich in bewährter Form um Pflege und Fortentwicklung des Transport-Informations-Systems TIS kümmert.

Durch den Wegfall des Fachausschusses Transport hat sich die Notwendigkeit ergeben, das Zusammenspiel innerhalb der Sparte in den beiden gleichrangigen Gremien Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung sowie Transport Schadenverhütung zu koordinieren. Dies erfolgt durch eine wechselseitige Entsendung der stellvertretenden Vorsitzenden der einen Kommission als ständiges Mitglied in die jeweilige andere Kommission.

Wir hatten bereits im ersten Jahr ihres Bestehens einen Wechsel an der Spitze der Kommission Transport Schadenverhütung vorzunehmen: Seinen Sitz als Vorsitzender der Kommission Transport Schadenverhütung hat Herr Knödler von der Württembergischen und Badischen Versicherung "WüBa" mit Aufgabe seines dortigen Vorstandsmandates an den GDV zurückgegeben. Herr Knödler war lange Jahre in verschiedenen Positionen engagiert in den Gremien des GDV tätig, zuletzt als Mitinitiator des neuen Projektes „KIS“ zur besseren unternehmensübergreifenden Kumulkontrolle. Neben seiner engagierten, wertvollen Facharbeit haben wir Ihn dabei alle auch als sehr angenehmen Menschen kennen- und schätzen gelernt. Ich möchte Herrn Knödler an dieser Stelle ganz herzlich danken für seine für den GDV geleistete Arbeit und ihm für seine weiteren beruflichen Stationen nach Abschluss der Beratertätigkeit für die WüBa die besten Wünsche mit auf den Weg geben.

Für die Nachfolge von Herrn Knödler haben wir Herrn Dr. Marcus Kremer, Vorstandsmitglied der Mannheimer VAG, gewinnen können.

Bitte lassen Sie mich nun im Folgenden an einigen Schwerpunktthemen die Arbeit des letzten Jahres skizzieren:

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Das vergangene Jahr

Luftfahrtversicherung

Seit dem 01. Juli des vergangenen Jahres ist der Luftfahrtversicherungsbereich offiziell in die Gruppe Transportversicherung des GDV integriert. Die Arbeitsgruppe Luftfahrtversicherung unter der Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung trägt dem Rechnung. Den ersten Bericht dieser Arbeitsgruppe werden wir morgen im Rahmen unserer Informationsveranstaltung hören. Den behandelten Sachthemen der AG wie z.B. die Begleitung der Verhandlungen zum neuen Römer Haftungsabkommen will ich an dieser Stelle nicht vorgreifen.

In zweierlei Hinsicht möchte ich die Integrationsarbeiten an dieser Stelle ansprechen. Dem Spezialistenlehrgang Transportversicherung soll ab Beginn des fünften Lehrgangs im April 2010 ein Baustein Luftfahrtversicherung hinzugefügt werden. Die Spezialistenausbildung versteht sich als eine Ausbildung, die in die Tiefe der einzelnen Sparten hinein detailliert ausbilden soll. Sie soll die Absolventen befähigen, in allen Sparten der Transportversicherung arbeiten zu können. Insofern ist es nur konsequent, den Lehrgang um einen Baustein Luftfahrtversicherung zu erweitern. Wir versprechen uns hiervon sowohl ein erweitertes Interesse und Know-how bei den "Transportlern", die bisher mit der Luftfahrtversicherung nicht oder sehr wenig in Berührung gekommen sind, als auch eine Weiterbildungsmöglichkeit für junge Luftfahrt-Spezialisten über die dortigen Spartengrenzen hinaus.

Zweiter zu erwähnender Punkt ist die sukzessive Übernahme von Luftfahrt-Themen in unser Transport-Informations-System TIS. Hier sind die Anfänge mit der Integration der neuen Luftfahrtbedingungen in den Bedingungsbereich des TIS vollzogen. Dies werden Sie dem Bericht unserer Arbeitsgruppe TIS morgen im Rahmen der Informationsveranstaltung entnehmen können.

Modernisierung der Statistiken

Die Kommission Transport- und Luftfahrtversicherung hatte in ihrer ersten Sitzung im September letzten Jahres beschlossen, eine Arbeitsgruppe überprüfen zu lassen, ob und inwiefern Veränderungen an der derzeitigen Form unserer statistischen Erhebungen und Darstellungen notwendig sind.

Als Kernergebnis lässt sich nach Abschluss dieses Prozesses festhalten ein klares Bekenntnis dazu, die Statistiken auch nach dem erfolgten Zusammenschluss mit dem Sachversicherungsbereich zeichnungsjahrbezogen zu erheben.

Es wurde ferner beschlossen, die sog. Claussen Statistik, die bisher nicht bei allen Mitgliedsunternehmen erhoben wurde und die bisher Gegenstand der Ausführungen nur in den regionalen Informationsveranstaltungen im Herbst war, ab 2010 in die Abfrage der Jahresstatistiken für alle Unternehmen zu integrieren. Die Claussen Statistik ermöglicht einen geschäftsjahresbezogenen Blick auf gebuchte Bruttobeiträge, Schadenaufwendungen und Kosten und wird insofern eine wertvolle Ergänzung zu den bestehenden zeichnungsjahrbezogenen Betrachtungen darstellen. Die Meldeanleitungen werden selbstverständlich entsprechend ergänzt.

Ferner wurde der Weg geebnet, um ab dem nächsten Jahr auch eigene Statistiken für den Bereich der Luftfahrtversicherung zu erheben. Auch insofern darf ich Sie auf die morgigen näheren Ausführungen im Bericht der Arbeitsgruppe Luftfahrtversicherung verweisen.

Erwähnen möchte ich noch, dass der Austritt der Allianz Global Corporate & Speciality zum Jahreswechsel 2007 / 2008 jetzt auch in den Statistiken seinen Niederschlag finden wird.

Piraterie

Die Versicherung gegen die Gefahren der Piraterie – des "Seeraubes" – ist einer der ältesten Bestandteile der Seeversicherung, sowohl in der Warenversicherung als auch in der Seekaskoversicherung. Immer wieder haben wirtschaftlich oder politisch schwierige Situationen insofern Schadenschwerpunkte erzeugt. Wir erinnern uns zuletzt an die Situation in der Straße von Malakka vor einigen Jahren. Jetzt haben wir es mit einem neuen Schadenschwerpunkt am Golf von Aden zu tun.

Wirtschaftlicher Schaden kann hierbei auf zwei Arten entstehen. Totalverlust von Schiff und/oder Ladung, oder – dies ist die "moderne" Form, mit der wir es vor Somalia ganz überwiegend zu tun haben – Lösegelderpressung zur Wiedererlangung von Schiff und/oder Ladung. Die Risiken von Totalverlust aufgrund von Piraterie können sowohl über Seekasko- als auch Warendeckungen auf Basis der unverbindlich empfohlenen Verbandsbedingungen grundsätzlich – ich betone „grundsätzlich“, weil natürlich jede Deckungsentscheidung stark einzelfallabhängig ist – versichert sein. Die Deckungsfrage kann aber auch bei Lösegeldforderungen nur im konkreten Einzelfall anhand des spezifischen Sachverhalts beantwortet werden.

Die Schadensituation: Gezielte Nachfragen des Verbandes bei Mitgliedern der betroffenen Transportgremien ergaben, dass der deutsche Markt von diesen Schäden bisher sehr wohl betroffen ist, allerdings bisher keine den Markt insgesamt prägenden Schadenzahlungen aufgrund von Piraterie zu leisten hatte. Uns ist allerdings auch bewusst, dass das Schadenpotential erheblich ist und der „Blick in den Rückspiegel“ hier nicht alleiniges Beurteilungskriterium sein kann.

Politisch ist einiges in die Wege geleitet, um die Gefahr durch Piraterie vor der Küste Somalias einzudämmen. Die EU hat mit Beschluss des Rates vom 08. Dezember 2008 (Operation "EUNAVFOR Atalanta") ein robustes Mandat zur Sicherung der Handelsschifffahrt vor der Küste Somalias beschlossen. Die UN hat mit Resolution vom 02. Dezember 2008 befristet für ein Jahr die Möglichkeit geschaffen, in somalischen Hoheitsgewässern gegen Piraterie vorzugehen.

Ein durchschlagender Erfolg der Maßnahmen blieb bisher aus.

Die Entwicklung des Themas aus Versicherersicht wird selbstverständlich zeitnah und kritisch verfolgt.

IUMI

In Bezug auf die IUMI gibt es Erfreuliches zu berichten. Nach Ausscheiden der Allianz Global Corporate Specialities Ende 2007 aus dem Verband mussten auch deren Mitarbeiter die von ihnen in den IUMI Gremien wahrgenommenen Mandate zurückgeben. Verbunden mit dem Ruhestand von Dr. Schildknecht führte dies dazu, dass der deutsche Verband nur noch in dem Cargo-Committee vertreten war. Mit Wirkung des IUMI-Spring-Meetings im März 2009 in Miami konnten wir gemeinsam mit der IUMI drei Nachbesetzungen vornehmen:

Herr Dieter Berg von der Münchener Rück vertritt nun den deutschen Markt im Facts & Figures Committee.
Herr Ralph Häusser von der AXA Corporate Solutions Niederlassung Deutschland ist in das Legal & Liability Committee gewählt worden, und
Herr Uwe-Peter Schieder vom Verband ist neues Mitglied des Loss Prevention Committee.

Wir gratulieren den Herren zu Ihrer Wahl und wünschen Ihnen für ihre Arbeit in den Gremien viel Erfolg.

Schadenverhütung

Der Verband legt wie Sie alle wissen traditionell viel Wert auf eine starke Schadenverhütungsarbeit. Entsprechend sind auch hier weitere Entwicklungen seit der letztjährigen Veranstaltung zu vermelden.

Die erste Schadenverhütungstagung 2009 hat im März des Jahres in Frankfurt am Main mit erneut über 100 Teilnehmern stattgefunden. Das diesjährige Thema lautet „Sicherheit im Güterverkehr“. Restplätze für den zweiten Durchgang vom 27. 30. September 2009 sind noch vorhanden. 17 Referenten und eine Exkursion in den Umschlagsbetrieb der Fraport AG am Frankfurter Flughafen gaben den Teilnehmern ein hervorragendes Bild über Stand und Anforderungen an die Sicherheit während des Gütertransportes.

Unser Parkplatzpapier konnte mittlerweile zum Abschluss gebracht werden. Wir haben Ihnen eine gute Anzahl Papiere mitgebracht, und legen diese morgen im Rahmen der Informationsveranstaltung für Sie aus. Parkplatzpapier – das klingt zunächst recht harmlos. Wenn man sich allerdings verdeutlicht, dass

erstens, der Trend zur "Auslagerung" stationärer Risiken auf die Lkw’s anhält, wenn nicht sogar noch zunimmt,
zweitens, die durchschnittlichen Ladungswerte je LKW stark zunehmen,
drittens, wie jeder von uns auf den Autobahnen beobachten kann, Lkw-Parkplätze heute mehr als je zuvor Mangelware sind und
viertens, die vorhandenen Stellplatzmöglichkeiten auf und an den Autobahnen gar nicht bzw. höchstens unzureichend gesichert sind,

entsteht eine brisante Mischung, die ein erhebliches Gefahrenpotential im Hinblick auf Ladungsdiebstähle entwickelt. Und dass dieses Risiko nicht im Hypothetischen verblieben ist, werden Sie sicher alle aus Ihrer Schadenerfahrung in Ihren Unternehmen bestätigen können. Deshalb haben wir einen erheblichen Handlungsbedarf gesehen, der sich im GDV-Parkplatzpapier niedergeschlagen hat. Die europäische Initiative SETPOS zum selben Thema, die der GDV ebenfalls inhaltlich begleitet hat, kam nur zu einem kleinsten gemeinsamen Nenner. Das heißt nach unseren Maßstäben: Keine ausreichende Sicherheit.

Die Definition des notwendigen Sicherheitsstandards war die eine Seite, die zweite wird es nun sein, Schritte zur praktischen Umsetzung dieses Standards zu initiieren bzw. zu unterstützen. Erste Sicherheitsparkplätze – nehmen Sie das Beispiel Uhrsleben an der A2 bei Magdeburg – existieren. Wir sind mit den Parkplatzbetreibern im Dialog und werden dieses Thema weiter begleiten und vorantreiben.

Das TIS hat seinen Platz in der Transportversicherung weltweit gefunden. Dies bedarf an dieser Stelle keiner Worte. Wünschenswert war jedoch ein Vehikel, das das TIS auch dann in den Blickpunkt stellen kann, wenn gerade kein Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss gegeben ist. Die AG TIS stellte sich hierbei z.B. ein Akquise- oder Sanierungsgespräch mit einem Kunden in dessen Umschlagsbetrieb oder Warenlager vor. Um in dieser Situation die Inhalte und Vorzüge des TIS schnell erläutern zu können, hat die AG TIS während des letzten Jahres eine kleine Broschüre entworfen, die "TIS – Ein Überblick" heißt.

Bedingungsarbeit

Die Anpassung der unverbindlichen Verbandsempfehlungen an die Änderungen, die sich durch das neue VVG ergeben haben, war bereits im Vorjahr abgeschlossen worden. Schwerpunkte in der Bedingungsarbeit lagen im letzten Berichtsjahr in zwei Bereichen:

Im Bereich der Luftfahrtversicherungen wurde die Erstellung von unverbindlichen Verbands-Musterbedingungen abgeschlossen. Bereits im Vorjahr war dies für die Sparten Luftfahrtkasko-Versicherungsbedingungen, Luftfahrt-Haftpflicht-Versiche-rungsbedingungen und Luftfahrtunfall-Versicherungsbedingungen geschehen. Mit der Erstellung von unverbindlichen Muster – Produkthaftpflichtbedingungen wurde diese Arbeit nun abgeschlossen. Die Arbeit basierte auf den bestehenden Werken des damaligen Luftpools und hat diese behutsam ergänzt und modernisiert. Alle Bedingungswerke sind im TIS frei zugänglich.

Im Seekasko-Bereich freuen wir uns berichten zu können, dass die Arbeit an den neuen Seekaskoklauseln – den DTV ADS 2009 – nun so gut wie abgeschlossen werden konnte. Hier galt es, ein bewährtes Bedingungswerk aus dem Jahr 1919, die ADS, ergänzt um Kaskoklauseln aus dem Jahr 1978 sowie eine Reihe von Druckstücken, zu ersetzen. Ziel war es nicht, die Seekaskoversicherung neu zu erfinden. Dies war im Hinblick auf den gewährten Deckungsschutz nicht nötig. Ziel war vielmehr,

die über die Jahre zersplitterten Bedingungen in einem einheitlichen Bedingungswerk zusammenzuführen und dadurch für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen,
die Bedingungen behutsam zu modernisieren und dabei an den neuesten Stand von Rechtsprechung, Technik, und Markt anzupassen sowie
hierneben mit den bewährten Inhalten und Strukturen mit verbesserter Transparenz und Standardisierung

die deutschen Bedingungen im internationalen Vergleich noch wettbewerbsfähiger zu machen.

Wir werden diese neuen Bedingungen morgen auf unserer Informationsveranstaltung vorstellen können. Bereits jetzt können wir Ihnen ankündigen, dass wir nach Abschluss der Arbeiten auf drei ganztägigen Vorstellungsveranstaltungen in Hamburg, Bremen und Emden das Bedingungswerk für alle Marktteilnehmer präsentieren und erläutern wollen.

überarbeitete ICC

Die englischen Warenversicherungsbedingungen, die Institute Cargo Clauses, sind zum Jahreswechsel 2008 / 2009 überarbeitet worden. Der Deckungsschutz ist, was zum Beispiel den Beginn (des Deckungsschutzes) betrifft, den deutschen DTV Güter 2000 / 2008 ähnlicher geworden, sprich, er ist ausgeweitet worden. Ob dies zufällig geschah, sei dahingestellt. Der Verband wird die Gelegenheit nutzen, seine Synopse zwischen Institute Cargo Clauses und DTV Güter 2000 / 2008 zu aktualisieren und so die hohe Qualität der deutschen unverbindlichen Musterbedingungen im Vergleich zu ausländischen Lösungen erneut zu dokumentieren. Die Synopse wird nach Abschluss in einer deutschen und einer englischen Version im TIS zur Verfügung stehen.

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Geschäftslage



Abbildung 4: Das wirtschaftliche Umfeld – Bruttoinlandsprodukt

Das wirtschaftliche Umfeld

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal 2009 einen historischen Einbruch erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von Januar bis März 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,8 %. Dies ist das größte Minus seit Einführung der Quartalsvergleiche 1970. Damit sank die Wirtschaftsleistung bereits im vierten Quartal in Folge. Im vierten Quartal 2008 betrug das Minus 2,2 %, in den beiden Quartalen davor jeweils 0,5 %.



Abbildung 5: Das wirtschaftliche Umfeld – Außenhandel

Der Außenhandel legte zwar in 2008 noch zu: Deutschland führte im Jahr 2008 Waren im Wert von 994,9 Mrd. Euro aus, das entspricht einem Gesamtjahresplus von 3,1 %. Auch hier ist jedoch eine Trendumkehr zu verzeichnen. Zum Vergleich: In 2007 nahm der Export um 8,1 % zu, 2006 sogar um 13,6 %. Die Gesamtzahlen 2008 spiegeln zudem nicht den sich im vierten Quartal 2008 abzeichnenden Trend wieder.



Abbildung 6: Das wirtschaftliche Umfeld – Entwicklung im Transportgewerbe

Das Transportgewerbe ist in seiner Entwicklung wesensnotwendig an die Entwicklung der Wirtschaft gebunden und entwickelt sich entsprechend: Im Seeverkehr sind die Frachten dramatisch eingebrochen. Tonnage wird allerorten vorübergehend aufgelegt. Viele Aufträge für Neubauten werden, sofern dies noch möglich ist, storniert. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik Entsorgung (BGL) rechnet in der Transportlogistik bis zum Sommer mit dem Wegfall von 60.000 bis 70.000 Arbeitsplätzen. 44 % der vom BGL befragten Unternehmen wollen Ihren Fuhrpark reduzieren, 52 % bewerten ihr Betriebsergebnis angesichts sinkender Umsätze und zurückgehender Fahrzeugauslastung als "schlecht".

Doch wie geht es weiter? Noch immer macht die Aussage die Runde, "man fahre auf Sicht". Ökonomen senden allerdings erste vorsichtige Signale aus, dass nach Abbau der Lagerkapazitäten in den Unternehmen eventuell schon zum Jahresende 2009 wieder mit einem "blutleeren Plus" des Bruttoinlandsprodukts gerechnet werden könne. Der Internationale Währungsfond IWF geht derzeit davon aus, dass die deutsche Wirtschaft Anfang 2010 wieder zulegen wird. Manche Ökonomen rechnen noch früher damit. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr, halten die Probleme der Finanzbranche an, kann es bei Kreditklemme und nachfolgenden weiteren Firmeninsolvenzen bleiben.

Und eines möchte ich an dieser Stelle – ohne die Dramatik der Situation verkennen zu wollen – ergänzen: Es gibt über kurz oder lang auch ein Leben nach der Krise. Im Hinblick auf das Ende der Krise ist nicht das „ob“ sie endet die entscheidende Frage, sondern das "wann".

Und ich denke, wir haben nicht nur das Gefühl, sondern können auch gut belegen, dass die deutsche Wirtschaft für diese Zeit nach der Krise gut gerüstet sein wird: Es sprechen gewichtige Argumente für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Produktivität in Deutschland steigt überdurchschnittlich. Während die Arbeitskosten in Deutschland zwischen 2000 und 2007 nur um 13 % anstiegen, stiegen Sie in Ungarn beispielsweise um 95 %, in Tschechien und Polen um etwa 2 Drittel. Noch deutlicher wird dies bei den Lohnstückkosten: In Deutschland fiel dieser Wert in den vergangen fünf Jahren um 11 %, in Frankreich nahmen Sie in diesem Zeitpunkt um 3 % zu, in Großbritannien stagnieren sie. Dazu kommt eine hochqualitative Produktpalette „Made in Germany“, die ihren Preis wert ist, ein hoher Weltmarktanteil und eine leistungsfähige exportbegleitende Industrie, zu der wir deutsche Transportversicherer uns zählen dürfen.

Auch die Versicherungswirtschaft hat Ihre Hausaufgaben gemacht. Der Konsolidierungsprozess ist ungebrochen. In den einzelnen Unternehmen, Stichwort "Industrialisierung", wurde und wird an Effizienz und Kostenquote – seien es nun Erwerbs- oder interne Kosten – gearbeitet.

Eine wieder erstarkte deutsche Wirtschaft wird Ihre Auswirkungen auch auf das Transportgewerbe und infolge dessen auch in den Umsätzen der Transportversicherer zeigen können. Wichtig wird in der jetzigen Phase sein, die Qualität des Underwritings und begleitender Schadenverhütungsmaßnahmen ob des Drucks der Krise nicht zu vernachlässigen.

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Zu unseren konkreten Zahlen für das Zeichnungsjahr 2008, die wie Sie sehen werden die wirtschaftliche Entwicklung bisher noch nicht widerspiegeln können, nun wie folgt:

Bruttobeitragseinnahmen 2008



Abbildung 7: Bruttobeitragseinnahmen (BBE) der Transportversicherung 2008 in Mio. €

Die Bruttobeitragseinnahmen 2008 betrugen 1,729 Mrd. Euro. Die Zahlen der Allianz Global Corporate & Speciality sind hierin wie erwähnt erstmals nicht enthalten. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Vorjahresumsätze nicht erreicht werden. Diese Veränderung prägt die Beitragseinnahmen fast aller Sparten und macht es dieses Jahr schwierig, die Entwicklung des zeichnungsjahrbezogenen Prämienniveaus im Vergleich zum Vorjahr zu beurteilen. Aus diesem Grund werde ich in diesem Jahr auf eine Kommentierung der Entwicklung der Bruttobeitragseinnahmen in den einzelnen Sparten verzichten.



Abbildung 8: Prozentuale Verteilung der BBE Transport auf die einzelnen Sparten

Wie in den Vorjahren machen die Bruttobeitragseinnahmen der fünfzehn umsatzstärksten Unternehmen aus unserer sogenannten Rennliste einen Gutteil der Gesamtbeiträge, genau gesagt gut 78 %, aus. 22 % teilen sich die folgenden 57 meldenden Mitgliedsunternehmen.

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Zusammengefasste Zeichnungsjahrstatistik 2008

Die Gremien haben sich einmütig für die Fortführung der bewährten Zeichnungsjahrstatistiken ausgesprochen, so dass wir Ihnen auch in diesem Jahr die bewährten Zeichnungsjahrstatistiken präsentieren können. Was wir aus diesen Zahlen erkennen können, ist, dass die eben geschilderte negative Entwicklung des wirtschaftlichen Umfeldes die Transportversicherer noch nicht in vollem Umfang erreicht zu haben scheint. Die zeichnungsjahrbezogenen Prämieneinnahmen 2008 (Sparten Ware, Verkehrshaftung und Kasko ohne Baurisiko) zeigen, dass das Prämienniveau relativ stabil ist. 2004 startete mit 765 Mio. Euro, 2005 mit 754 Mio. Euro, 2006 mit 769 Mio. Euro. Für 2007 liegen die Zahlen bei 747 Mio. Euro und die Startzahl für 2008 liegt nun bei 755 Mio. Euro, was sogar noch eine Steigerung um ca. 8 Mio. Euro darstellt.

Der Grund für diese Stabilität liegt auf der Hand. Der wirklich ernsthafte Einbruch der „realen“, wie es jetzt oft heißt, Wirtschaftsleistung begann im vierten Quartal 2008. Er konnte die Gesamtumsätze der Unternehmen für 2008 noch nicht in dem Maße beeinflussen. Wir basieren mit unseren Prämienberechnungen überwiegend auf bereits verbuchten Umsätzen unserer Kunden, im Regelfall denen des Vorjahres. Damit spüren wir in den Zahlen für 2008 den Knick noch nicht. Es ist damit zu rechnen, dass wir die heutige Wirtschaftssituation mit einem erheblichen Nachlauf erst in 2010 in unseren Statistiken in seinem vollen Umfang erkennen werden.

In der Entwicklung der zeichnungsjahrbezogenen Bruttobeiträge können wir also ein noch relativ stabiles Prämienniveau erkennen.

Für den Schadenaufwand gesamt nach dieser Darstellung sieht die Entwicklung anders aus: Hier ergibt sich eine deutlich steigende Reihe im Eingangsschadenaufwand. Hier ist ein sehr klarer Trend erkennbar, der sich auch in den Schadenquoten niederschlägt und sich in der Abwicklung zu bestätigen scheint.



Abbildung 9: Quoten der Transportversicherung für die Zeichnungsjahre
2004 bis 2008

Zur Eingangsschadenquote Ware, Verkehrshaftung und Kasko ohne Baurisiko berichteten wir Ihnen bereits im letzten Jahr von einer nicht exorbitanten, aber stetigen Verschlechterung. Dieser Trend setzt sich fort: Nach einer Eingangsschadenquote von 73,53 % in 2004, 76,17 % in 2005, 75,47 % in 2006 und 77,91 % in 2007 haben wir für 2008 eine Eingangsschadenquote von 86,41 % zu verzeichnen. Wie Sie sehen, setzt sich die kontinuierliche Verschlechterung fort, diesmal sogar mit einem dramatischen Sprung von fast 10 %. Wie Sie den morgigen Berichten aus den einzelnen Sparten werden entnehmen können, ist hierfür kein spartenspezifischer Einfluss verantwortlich. Die deutliche Verschlechterung der Eingangsschadenquoten ist abgesehen von der Verkehrshaftungsversicherung, die sich nur leicht verschlechtert, in allen Sparten erkennbar.

Zusätzlich scheint sich auch in der Abwicklung der Zeichnungsjahre (ULR = ultimate loss ratio)eine Änderung zu zeigen. Betrachtet man dies in der Hochrechnung nach dem Chain-Ladder-Verfahren, erkennt man, dass während wir noch in 2004 und 2005 deutliche Verbesserungen der Zeichnungsjahrschadenquote in der Abwicklung erkennen konnten, dies für 2006 nur noch in kleinerem Umfang der Fall und für 2007 fast überhaupt nicht mehr erkennbar ist. Die Reservierungspolitik der Gesellschaften scheint sich also wieder geändert zu haben, was die Aussichten für die Abwicklung der aktuellen Zeichnungsjahre zusätzlich verdüstert.

Wir alle wissen um die Besonderheiten des Chain-Ladder-Verfahrens, welches die Abwicklung der Schadenquoten für die Zukunft anhand der Abwicklungsverfahren der letzten Jahre vorausberechnet, die Zukunft sozusagen mit dem Blick in den Rückspiegel vorhersagt. Dies könnte bedeuten, dass die Aussage vor dem eben geschilderten Hintergrund der in den letzten Jahren zunehmend schlechteren Abwicklung der Zeichnungsjahre zusätzlich belastet wird.

Marie von Ebner-Eschenbach dichtete einst:

    "Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen wie Sturmwind geflogen.
    Voll Jubel ertönt´s vom Mast und vom Kiele: wir nahen dem Ziele!
    Der Fährmann spricht traurig und leise: Wir segeln im Kreise!"


Abbildung 10: Der Fährmann spricht traurig und leise: Wir segeln im Kreise!

Da reden wir doch lieber von Zyklen, die schön anzusehen sind, wenn es mit den Schadenquoten runter geht. Und von Zyklusmanagement, wenn die Schadenquoten sich verschlechtern.

Also, meine Damen und Herren, widmen Sie sich dem Zyklusmanagement.

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Zeichnungsjahr gesamt, hochgerechnete Schadenquoten



Abbildung 11: Abwicklung der Zeichnungsjahre 1999 – 2004 und voraussichtliche
Abwicklung der Zeichnungsjahre 2005 – 2008 der Transportversicherung

Diese Grafik der aktuarisch hochgerechneten Schadenquoten nach dem Chain-Ladder-Verfahren für die Waren-, Verkehrshaftungs- und Kaskoversicherung ohne Baurisiko verdeutlicht diesen Trend und sollte uns in zweierlei Hinsicht zu denken geben:

Zum einen ist auch hier eine kontinuierliche Verschlechterung seit 2003 von zunächst 58 % über 60, 63, 64, 66 und 68 % auf nun 72 % zu erkennen.

Zum anderen zeigt der Vergleich der letzten Jahre, das die vormals recht stabile Prognose der Abwicklung wie eben dargestellt nun scheinbar weniger Bestand hat: Die Zeichnungsjahre wickeln zunehmend schlechter ab, als zunächst hochgerechnet. 2006 beispielsweise war mit einer Schadenquote von 58 % im ersten Jahr hochgerechnet worden, inzwischen hat sich diese Prognose auf 66 % verschlechtert. 2007 wird im zweiten Jahr mit 68 % Schadenquote 4 % schlechter als im Vorjahr prognostiziert. Wenn sich 2008 wie 2006 entwickelt, dann wären wir für 2008 bei einer ULR von 80 % in der Berechnung per 2009.

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Zeichnungsjahrstatistik Warenversicherung 2008



Abbildung 12: Quoten der Sparte Ware für die Zeichnungsjahre 2004 bis 2008

Die Zahlen der Zeichnungsjahrstatistik Warenversicherung deuten auf eine zunehmende Verschlechterung der Schadenquoten hin. So hat sich beispielsweise die Eingangsschadenquote in 2008 um fast 10 Prozentpunkte gegenüber 2007 erhöht. Ein Trend zur Verschlechterung der Schadenquoten lässt sich auch anhand der Chain-Ladder-Hochrechnung der finalen Zeichnungsjahrschadenquoten ablesen, insbesondere wenn man die jeweiligen Hochrechnungen der Vorjahre mitbetrachtet: Während sich die Hochrechnungen für die Zeichnungsjahre 2004 und 2005 in den letzten beiden Jahren lediglich um 2 Prozentpunkte erhöht haben, hat sich die Hochrechnung für das Zeichnungsjahr 2006 um 8 Prozentpunkte verschlechtert, diejenige für 2007 innerhalb eines Jahres um 6 Prozentpunkte. Für das Zeichnungsjahr 2008 weist die Hochrechnung aktuell eine finale Schadenquote von 66 % aus. Dies ist eine gute Schadenquote. Wenn sich über die Jahre aber eine ähnliche Entwicklung wie für 2006 und 2007 ergeben sollte, läge sie bereits über 70 %. Träte dies ein, dürfte der gesamte deutsche Transportversicherungsmarkt versicherungstechnisch defizitär werden.



Abbildung 13: Vergleich der prognostizierten Abwicklung für die Sparte Ware
der Jahre 2007 bis 2009

Die Zahlen spiegeln den Preiszyklus wider: seit einigen Jahren verzeichnen die Transportversicherer Ratenreduzierungen. Aus diesem Grund stiegen die Prämienvolumina in den vergangenen Jahren auch nicht in dem Maße wie es die Umsatzzuwächse der Verlader und des Außenhandelns hätten erwarten lassen dürfen. Seit dem Herbst 2008 sind die deutschen Warentransportversicherer nun aber zusätzlich mit dem Problem konfrontiert, dass die Versicherungsnehmer aufgrund der Wirtschaftskrise zum Teil dramatische Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben. Da der überwiegende Teil der Warentransportpolicen immer noch umsatzabhängige Prämien aufweist, wird dies auch deutliche Spuren in dem Prämienvolumen der deutschen Warentransportversicherer hinterlassen. Für das Zeichnungsjahr 2008 wird dieser Effekt noch vergleichsweise gering ausfallen, da das schwache vierte Quartal durch rekordverdächtige Quartale zu Beginn des Jahres kompensiert werden kann. Für das Zeichnungsjahr 2009 wird der Einbruch aber massiv ausfallen. Bei einem erwarteten Rückgang des Bruttosozialprodukts von 6 % und einem erwarteten Rückgang des Welthandels von 15 % ist ein Rückgang des Prämienvolumens der deutschen Warenversicherer zwischen 10 und 20 % leider durchaus realistisch. Dies dürfte den ohnehin vorhandenen Trend zu Schadenquoten über 70 % deutlich verstärken – auch wenn einzuräumen ist, dass durch die geringere Wirtschaftsleistung die absoluten Schadenaufwände zurückgehen könnten; das Gegenteil lässt sich allerdings genauso plausibel begründen.

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Zeichnungsjahrstatistik Verkehrshaftungsversicherung 2008



Abbildung 14: Quoten der Sparte Verkehrshaftung für die Zeichnungsjahre
2004 bis 2008

Aus der Zeichnungsjahrstatistik der Jahre 2004 2008 ist erkennbar, dass sich der Beitrag für die Verkehrshaftungsversicherung bei ca. 236 Mio. Euro gleichmäßig entwickelt. Die wirtschaftliche Krise ist in den Zahlen noch nicht angekommen. Es ist damit zu rechnen, dass sich diese wegen dem sinkenden Umsatz der Speditionen und Frachtführer, die immer mehr Fahrzeuge des Fuhrparks stilllegen und verstärkt Insolvenzen auftreten, voll auf die Einnahmen der Verkehrshaftungsversicherer im Jahr 2009 auswirken wird. Weil es kaum Festprämien, sondern häufig nur Umsatz- oder Stückprämien (pro Fahrzeug) gibt, werden die sinkenden Fracht- und Speditionsumsätze unmittelbar Auswirkungen auf die Einnahmeseite der Versicherer haben.

Was die Schäden betrifft, so ist nicht damit zu rechnen, dass diese in dem Maße zurückgehen werden, wie die Einnahmen sinken werden. Es ist vielmehr für das Jahr 2009 zu befürchten, dass zukünftig jeder Transportschaden genauestens untersucht und verstärkt gemeldet werden wird. Damit wird der Schadenaufwand bei gleichzeitigem sinken der Beiträge ansteigen. Bereits in der vorliegenden Statistik sieht man die Steigerung der Eingangsschadenquoten mit 72 % in 04, 77 % in 05, 85 % in 06 und 81 % in 07 bis auf 83 % in 08. Das sind stetige Steigerungen, bei denen kein Trend erkennbar wäre, der diese Steigerung stoppen könnte. Bewertet man die Abwicklung richtig, so wird wahrscheinlich das Jahr 2008 nicht unter die 70 % abzuwickeln sein, wie ein Vergleich zu den Abwicklungen der Vorjahre ergibt.

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Zeichnungsjahrstatistik Kaskoversicherung 2008



Abbildung 15: Quoten der Sparte Kasko für die Zeichnungsjahre 2004 bis 2008

Die Schadenquote in der Kaskoversicherung (alle Sparten) beträgt für das Zeichnungsjahr 2008 (per 31. Dezember 2008) 89,19 %. Damit liegt sie zunächst um 14,6 % höher als die Eingangsschadenquote 2007. Die Seekaskoversicherung verzeichnet eine Steigerung der Schadenquote um 42,04 % im Vergleich zum Vorjahr (per 31. Dezember 2007). Das vorerst eher mäßige Ergebnis für das Zeichnungsjahr 2008 ist zurückzuführen auf eine erhöhte Großschadenfrequenz im Seekaskobereich. Keine Berücksichtigung in der Statistik findet die Verschiebung in der Mitgliederstruktur des GDV vom Geschäftsjahr 2007 zu 2008.

Die aktuelle Schadenquote in der Flusskaskoversicherung liegt mit 92,93 % für das Zeichnungsjahr 2008 um 3,5% unter der Quote des Vorjahres (per 31. Dezember 2007). In der Wassersportkaskoversicherung liegt die aktuelle Schadenquote mit 69,72 % für das Zeichnungsjahr 2008 um 11,68% höher als die Eingangsschadenquote 2007. In beiden Sparten fiel die Großschadenquote geringer aus als in den Vorjahren. Die durchschnittliche Schadenquote der letzten sechs Jahre beträgt in der Kaskoversicherung 80,2 %.

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Kumulschäden

Der Hagelschaden aus dem Sommer 2008 in Emden hat nicht nur, aber maßgeblich auch unsere Mitgliedsunternehmen belastet. Wir gehen davon aus, dass dies im Warenbereich zu einer Belastung unserer Mitgliedsunternehmen von ca. 40 Mio. Euro führen wird.

Für das Zeichnungsjahr 2009 kann bereits angekündigt werden, dass der Einsturz des Stadtarchivs Köln Anfang März des Jahres die Transportversicherung belasten könnte: Der Inhalt des Archivs war in einer Größenordnung von 60 Mio. Euro über eine Ausstellungsversicherung abgedeckt.

Auch das Sturmtief "Klaus" hat für 2009 eine Schneise in so manches Ergebnis geschlagen. Größenordnung ebenfalls im zweistelligen Millionenbereich.

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Fazit

Die Schlüsse aus den präsentierten Zahlen müssen Sie wie in jedem Jahr selber ziehen. Die Trends der Entwicklung lassen sich, so meine ich, klar erkennen.

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aktuelle Themen

Die neu eingerichteten Kommission und Arbeitsgruppen haben im Herbst letzten Jahres ihre Arbeit aufgenommen und in Ihren ersten Sitzungen bestehende Themen wieder aufgenommen und neue Themen für Ihre Arbeit lokalisiert. Über Einzelheiten werden Sie morgen Herr Dr. Kremer für die Kommission Transport Schadenverhütung und die sechs AG-Vorsitzenden für die Sparten-Arbeitsgruppen unterrichten. Hierzu erscheinen mir bereits an dieser Stelle folgende Themen erwähnenswert:

Kumulkontrolle

Wir haben uns an dieser Stelle bereits wiederholt und sehr ausführlich mit dem Thema der Kumulkontrolle befasst. Erinnert sei beispielsweise an unser Dresdener Symposium zu diesem Thema oder den letztjährigen Vortrag in Münster, in dem eine standardisierte Tabelle zur Weitergabe von Kumulinformationen im Beteiligtenverhältnis vorgestellt wurde.

Es wird nun in Fortführung des Themas auf Verbandsebene ein EDV-Werkzeug (Kumul-Informations-Service – "KIS") entwickelt werden, das die Mitglieder in die Lage versetzt, eine wirkungsvolle Kumulkontrolle durchzuführen. Das KIS soll eine VU-übergreifende Erfassung der Kumulinformationen in Beteiligungsverhältnissen ermöglichen. Aufgabe des KIS soll sein:

  1. Bereitstellung einer Eingabemaske auf VU-Ebene, über die die einzelnen VU’s Adress- und Risikodaten in das KIS einpflegen. Die Daten werden sodann in ein kartographisches Geoinformationssystem (GIS) überführt;

  2. Weitergabe der auf VU-Ebene eingepflegten Daten zwischen den an dem Risiko beteiligten VU’s in kartell- und datenschutzrechtlich zulässiger Form;

  3. Auswertungsmöglichkeit der Daten mit einem Risiko-Ort-Managementsystem (ROM) über eine Online-Verbindung zum Verband, welches vielfältige Verschneidungs- und Auswertungsmöglichkeiten eröffnen wird.

Im Januar 2009 fand hierzu eine konstituierende Sitzung einer zur Erstellung des KIS gebildeten Ad-hoc-AG Kumul statt.

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Spezialistenlehrgang

Über den Spezialistenlehrgang muss ich an dieser Stelle nicht mehr reden. Dieses Ausbildungsangebot, welches im April dieses Jahr mit dem inzwischen vierten Lehrgang gestartet ist, hat alle Erwartungen erfüllt und kann als voller Erfolg bezeichnet werden. Für den fünften Lehrgang, der im April 2010 starten wird, liegen bereits Voranmeldungen vor.

Ich denke, dass langfristig neben der Vermittlung eines detaillierten Branchen-Know-hows ein wesentlicher Erfolg dieses Lehrgangs auch darin liegen wird, den Zusammenhalt der Sparte, den wir auch heute und morgen hier in Hamburg wieder dokumentieren, weiter zu verstärken. Und wir wissen alle, Transportversicherung ist nicht zuletzt immer auch ein Nasengeschäft.

Den Dozenten danken wir für Ihre engagierte Tätigkeit innerhalb des letzten Jahres.

Mein Appell geht an dieser Stelle an Sie, dieses Ausbildungsangebot in Ihren Unternehmen auch weiterhin zu bewerben und Ihre jungen Nachwuchs-"Marines" zu den Kursen anzumelden. Qualität ist durch nichts zu ersetzen!

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Klimawandel

Die Minimierung des Klimawandels, die Beurteilung der Folgen des trotzdem voranschreitenden Klimawandels und die Antizipation der hieraus bereits jetzt zu treffenden Maßnahmen nimmt in unserer Gesellschaft bereits jetzt eine überragende Bedeutung ein. Die Versicherungsbranche bildet hier keine Ausnahme, sondern steht mit Ihren Deckungskonzepten im Gegenteil im Zentrum des Geschehens. Der Verband hat deshalb die Erforschung der Folgen des Klimawandels und Reaktion hierauf zu einer seiner derzeitigen Kernthemen gemacht. Die Transportversicherung bildet hier keine Ausnahme. Im Gegenteil sind auch hier eine Reihe von Berührungspunkten offensichtlich:

Der Welthandel nimmt stetig zu, das Transportvolumen steigt hierzu noch einmal überproportional: Jeder Transport ist mit Emissionen (insb. Kohlendioxid, Schwefel- und Stickoxide) verbunden.
allein die Weltseehandelsflotte trägt IMO-Studien zufolge 2,7 % zu den weltweiten CO2-Emissionen bei, bis 2050 ist mit einer Verdreifachung der transportbedingten CO2-Emmissionen zu rechnen.
Initiativen zur Verringerung der Schwefelemissionen der Transportmittel, z.B. durch Einrichtung von Schwefelemissionskontrollgebieten (SECA) und Vorgaben für den Schwefelanteil im Treibstoff führen zu technischen Herausforderungen und erhöhtem Schadenpotential.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um im Rahmen der Steuerungsgruppe Klimawandel im GDV unsere transportspezifischen Überlegungen einzubringen. Eine Ad-hoc-AG wird sich dieses Themas annehmen.

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Transportrechts-Bibliothek

Eine Reihe von Neuerscheinungen zu aktuellen transportrelevanten Themen ist entweder bereits erfolgt oder steht bevor:

Die Broschüre "TIS – ein Überblick" werden wir Ihnen morgen im Laufe der Informationsveranstaltung präsentieren. Die Broschüre wird einen Überblick über die Inhalte des TIS in die Speditions- oder Lagerhalle, in der kein Internetanschluss zur Verfügung steht, hinaustragen.
Das "Parkplatzpapier" des GDV wurde bereits während der Transport – Schadenverhütungstagung des GDV im März vorgestellt und wird ebenfalls morgen Gegenstand der Darstellung sein.
Das Handbuch des Verbandes "Transportversicherung von A bis Z" liegt derzeit in der zweiten Auflage vor. Eine Vielzahl von weiteren Begriffen wurde gesammelt und wartet auf die Integration in die nächste Auflage. So kann und soll dies Nachschlagewerk nach und nach wachsen und vervollständigt werden – für Begriffsanregungen sind wir im Übrigen jederzeit dankbar. Derzeit bereitet eine Arbeitsgruppe mit überwiegend jungen Mitarbeitern aus den Mitgliedsunternehmen unter Begleitung von Herrn van Gassen, dem wir an dieser Stelle für sein fortwährendes Engagement herzlich danken wollen, die nächste Auflage vor.
In der Tradition früherer Erläuterungshandbücher zu den zentralen Bedingungswerken des Verbandes wird zu unseren Verkehrshaftungsbedingungen "DTV-VHV 2003/2008" in Kürze ein Buch erscheinen, in dem von an der Entstehung der Bedingungen Beteiligten eine Erläuterung von Kontext und Intention der Bedingungen gegeben werden wird.
Die Verbandsarbeitsgruppe "Diebstahlprävention", in der unterem auch ein Vertreter des BKA vertreten ist, hat die Arbeiten an Ihrem "Handbuch Gütertransportsicherheit" weitestgehend abgeschlossen. Hier soll noch in diesem Jahr ein Buch erscheinen, welches prozessbezogen durch die Stationen der Logistikkette Anforderungen an die Ladungssicherheit definiert.
Schließlich haben die Arbeiten an der Neuauflage unseres Ladungssicherungshandbuches von 1998 begonnen. Hier geht es im Kontext der überarbeiteten Euronorm 12195-1 um eine komplette Neufassung des Buches, welche die detaillierten physikalischen Grundlagen der Ladungssicherung herleiten soll und aus ihnen heraus dann unabhängig von der EN 12195 Anforderungen an eine ausreichende Ladungssicherung definieren wird. Hier wird es uns um nicht mehr und nicht weniger als die Definition eines eigenständigen, physikalisch fundierten "GDV-Standard" für eine ausreichende Ladungssicherung gehen.

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IUMI 2015 Berlin!

Abschließend möchte ich Ihnen bereits jetzt etwas in Ihren Terminkalender diktieren: Nach 1999 werden wir im September 2015 wieder Gelegenheit haben, die jährliche IUMI Tagung mit ca. 800 Teilnehmern bei uns in Berlin zu begrüßen. Erste Vorbereitungen hierzu laufen bereits jetzt. Auf Ihre Teilnahme bauen wir selbstverständlich.

In diesem Jahr wird die IUMI vom 13. bis 16. September in Brügge stattfinden. Herr Stabinger wird morgen im Rahmen der Informationsveranstaltung freundlicherweise die Gelegenheit nutzen, uns kurz auf die Tagung einzustimmen.

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Schlussworte

Wir haben ein abwechslungsreiches Verbandsjahr hinter uns gebracht. Ich möchte allen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen für ihren Einsatz, aber auch allen in diesem Saal versammelten Vertreter von Mitgliedsunternehmen, Assekuradeuren und Gästen für ihre Unterstützung, ihr Interesse und ihre Solidarität noch einmal ganz herzlich danken.

Das neue Jahr wird im Zeichen der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen erneut spannende Herausforderungen bereithalten, denen wir mit Augenmaß und Weitblick begegnen sollten.

Mark Twain sagte einmal: „Als wir das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“

Also: Verfallen wir nicht in Hektik, verdoppeln wir nicht unsere Anstrengungen, sondern besinnen uns auf das Ziel, weswegen wir die Transport- und Luftfahrtversicherung in unseren Unternehmen vertreten.

Ich wünsche uns allen eine Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld.

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