 |
|

Informationen
zur Ware
Warenname
| Deutsch |
Tabak (Rohtabak) |
| Englisch |
Leaf Tobacco |
| Französisch |
Tabac en Feuilles
|
| Spanisch |
Tabaco en Rama |
| Wissenschaftlich |
Nicotiana tabacum |
| KN/HS-Nummer * |
2401 10 ff. |
(* Kombinierte Nomenklatur / Harmonisiertes
System der EU)
Warenbeschreibung
Rohtabak sind die getrockneten und fermentierten Blätter
der Tabakpflanze der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die Verbreitung des
Tabaks erstreckt sich von den Tropen, Subtropen bis in die gemäßigten Breiten, wie z.B.
dem Mittelmeerraum.
Die Tabakpflanze ist eine Einjahrespflanze. Sie trägt
20 bis 30 Blätter, die je nach Typ und Umweltbedingungen bis zu 60 cm groß werden.
Wirtschaftliche Bedeutung haben die folgenden zwei
Tabakarten:
 |
Nicotiana tabacum L. (auch Virginischer Tabak genannt) |
 |
Nicotiana rustica L. (auch Bauerntabak genannt) |
Es gelangt hauptsächlich Nicotiana tabacum L. zum
Transport. Hierbei unterscheidet man folgende Sorten:
 |
Orient-Tabake |
 |
asiatische Tabake, wie z.B. Sumatra- und Borneo-Tabak |
 |
amerikanische Tabake, wie z.B. Virginia-Tabak,
Maryland-Tabak, Kentucky-Tabak, Brasil-Tabak, Burley |
Nach dem 2.Weltkrieg hat sich weltweit der Zigarettentyp
American Blend durchgesetzt. Es ist eine Mischung aus Virginia, Burley und Orients.
Die Tabakinhaltstoffe werden hauptsächlich in den
Blättern gebildet und sind nicht gleichmäßig über die ganze Pflanze verteilt, sondern
treten je nach Blattstand in unterschiedlichen Konzentrationen auf.
Der Nikotingehalt in den Tabakblättern schwankt zwischen
0,05% (Virginia-Tabak) über 3...4% ("Burley") bis zu 7,5%
("Machorka", Russland) [9].
Trocknung und Fermentation stellen die entscheidenden
Reifeprozesse des Tabaks dar. Bei der Trocknung wird zwischen natürlicher Trocknung
(Sonnentrocknung bei Orienttabaken, stark witterungsabhängig) und künstlicher Trocknung
(meist bei Virginia-Tabak) unterschieden.
Bei der Fermentation gibt es eine Unterscheidung zwischen
Natur- und Kammerfermentation. Es ist zu empfehlen, bei der Ladungsübernahme durch einen
Gutachter u.a. den Zustand der Fermentation überprüfen zu lassen, da
kammerfermentierte Tabake in der warmen Jahreszeit zur Nachfermentation neigen.
Abbildung 1: Aufbereitungsschema von
Orient-Tabak
Qualität / Lagerdauer
Gegen Ende der Vegetationsperiode tritt die Reifung der
Tabakblätter ein. Während des Reifeprozesses ändert sich neben der Farbe und
Elastizität auch die chemische Zusammensetzung des Blattes.
Die Ernte erfolgt zu dem Zeitpunkt, wenn die Blätter eine
hellgrüne Farbe angenommen haben. Man unterscheidet die:
 |
Blatternte in 2 bis 5 Durchgängen, stufenweise von unten nach
oben (Virginia, Orient, Burley) und die |
 |
Ganzpflanzenernte, wobei die geköpften Pflanzen bei einem
mittleren Reifegrad abgehackt werden (z.T. Burley, Maryland, Machorka, Zigarrentabak). |
Je nach Typ und Verwendung der Tabake werden folgende
Aufbereitungsverfahren unterschieden:
Trocknung
natürlich getrocknet:
 |
Lufttrocknung (air-curing): Burley, Maryland, Zigarrentabak
etc. |
 |
Sonnentrocknung (sun-curing): Orient, z.T. Zigarrentabak |

Abbildung 2 |

Abbildung 3 |
künstlich getrocknet:
 |
Heißluft- und Röhrentrocknung (flue-curing): Virginia |
 |
Feuertrocknung (fire-curing): Kentucky, Latakia (Orient) |
Redrying
Virginia- und einige Burley- und Maryland-Tabake werden
nach der Trocknung zur Sterilisation, Egalisierung und Konditionierung dem
Redryingverfahren unterworfen. Dazu wird der Tabak bei hoher Temperatur (100°C) bis auf
8...10% Wassergehalt abgetrocknet und nach Abkühlung auf 10...12% Wassergehalt
aufgefeuchtet.
Fermentation
Bei der Fermentation werden durch Enzyme und
Mikroorganismen Aromastoffe gebildet und negative Substanzen abgebaut.
Aging
Das Aging wird durch Fermente bewirkt, die durch den
Redryingprozess blockiert wurden und sich langsam reaktivieren. Die chemischen
Veränderungen hinsichtlich der Hauptinhaltsstoffe sind gering, dagegen wird der Gehalt an
Aromastoffen deutlich erhöht.
Aufbereitungsverfahren nach Art der Tabake:
| Tabaktyp |
Ernteart |
Trocknungsart |
Vorbehandlung |
Fermentation |
| Orient-Tabake |
Blatt, stufenweise |
sun-curing |
- |
Ballenfermentation oder
Kammerfermentation |
| Burley-Tabake |
Blatt, stufenweise und
Ganzpflanze |
air-curing |
- |
Kombinierte Natur- und
Kammerfermentation |
| Blatt, stufenweise und
Ganzpflanze |
air-curing |
Redrying |
Aging |
| Maryland-Tabake |
Blatt, stufenweise und
Ganzpflanze |
air-curing |
Redrying |
Aging |
| Zigarrentabake |
Blatt, stufenweise und
Ganzpflanze |
air-curing |
|
Stapelfermentation |
| Virginia-Tabake |
Blatt, stufenweise |
flue-curing |
Redrying |
Aging |
| Kentucky-Tabake |
Ganzpflanze |
fire-curing |
Redrying |
starke Fermentation |
| Ganzpflanze |
fire-curing |
Redrying |
Aging |
Bei der Tabakernte werden je nach Pflanzhöhe verschiedene
Blattqualitäten unterschieden, die zu verschiedenen Zeitpunkten geerntet werden (deutsche
Bezeichnungen - von unten nach oben - Grumpen, Sandblatt, Hauptgut, Obergut).

Abbildung 4 |

Abbildung 5 |

Abbildung 6 |

Abbildung 7 |
Die Farbe des Rohtabaks schwankt von goldgelb bis
dunkelbraun, bildet aber kein Gütemerkmal.
Edle Zigarettentabake bestehen aus zarten, dünnen
Blättern mit feinen Blattrippen (Orient-Tabake). Bei Sorten einfacherer Qualität sind
die Blätter meist dicker und enthalten kräftige, dicke Rippen.
Orient-Tabake sind besonders anfällig gegenüber zu hohen
Temperaturen (> 25°C), da die Gefahr der Nachfermentation besteht. Besonders in den
wärmeren Sommermonaten steigt das Risiko.
Kennzeichen guter und wertgeminderter Tabakballen:
| Merkmale |
Gute Qualität |
Wertgeminderte Ware |
| Umhüllung (Emballage) |
sauber und straff |
beschmutzt, zerrissen,
schlaff |
| Deformation |
- |
Deformierung: Warnzeichen
für erhöhte Eigenfeuchte der Ware |
| Flecken |
- |
braune Wasserflecken,
Schmutz, Staub, Fette |
| Schimmel |
- |
Schimmelbelag in der
Färbung weiß, grau, grün oder schwarz |
| Wassergehalt |
12...14% |
Wassergehalt < 12%:
Bruch der Blattmasse beim Pressen.
Wassergehalt > 14%: Verbiegen der
Blattmasse beim Pressen. |
| Temperatur |
< 25°C |
Messung ist abhängig von
örtlichen Temperaturen. Stark erhöhte Temperaturen sind ein Warnzeichen für
Nachfermentation. |
Verwendungszweck
Rohtabak wird zur Weiterverarbeitung
verwendet. Als Endprodukte entstehen: Zigarren, Zigaretten, Pfeifentabak, Schnupftabak,
Kautabak.
Abbildungen
(Durch Anklicken der einzelnen Abbildungen
werden diese vergrößert dargestellt.)

Abbildung 8 |

Abbildung 9 |

Abbildung 10 |

Abbildung 11 |

Abbildung 12 |

Abbildung 13 |

Abbildung 14 |

Abbildung 15 |
Herkunftsländer
Die hier aufgeführte Tabelle stellt nur eine
Auswahl der wichtigsten Herkunftsländer dar und ist nicht als vollständig zu bezeichnen.
| Europa |
Türkei, Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien,
Portugal, Bulgarien, Deutschland, Russland, Belgien, Kroatien, Bosnien, Mazedonien,
Albanien, Polen, Slowakei, Ungarn, Ukraine, Moldawien, Georgien, Aserbaidschan,
Usbekistan, Kirgisien |
| Afrika |
Nigeria, Kenia, Uganda, Tansania, Malawi,
Sambia, Mozambique, Madagaskar, Zimbabwe, Südafrika, Kamerun, Ghana |
| Asien |
China, Indonesien, Japan, Südkorea, Indien, Sri Lanka,
Bangladesh, Thailand, Philippinen, Pakistan, Burma, Iran |
| Amerika |
USA, Kanada, Brasilien, Mexiko, Dominikanische Republik,
Guatemala, Kolumbien, Paraguay, Argentinien |
| Australien |
Queensland, Victoria, Neu-Südwales |
Zurück zum Anfang

Verpackung
Virginia, Burley, Maryland, Kentucky u.ä. werden fast
ausschließlich in Schachteln verpackt. Die Schachteln haben weltweit Standardmaße. Die
Gewichte liegen zwischen 180...200 kg netto. Da das Blatt bereits im Anbaugebiet entrippt
wird, erfolgt die Verpackung getrennt nach Blattgut und Rippen.

Abbildung 16 |
Orient-Tabak und dark air-curing werden überwiegend in
Juteballen verpackt, wobei länderspezifisch unterschiedliche Gewichte üblich sind:
Bulgarien ca. 22 kg netto, Griechenland ca. 28 kg netto, Türkei ca. 55 kg netto, Malawi
ca. 80 kg netto, Indonesien ca. 100 kg netto. Orient-Tabake sind meist
Tonga-manipuliert, d.h., dass die Tabakblätter ungerichtet in Ballen gepresst werden.
Ballen aus der Türkei, aus Griechenland und Albanien sind
Sira-Pastal-manipuliert, d.h.
die Tabakblätter werden in einer Richtung angeordnet.

Abbildung 17 |
Die Abmessungen sind annähernd standardisiert. Einzelne
Länder, (z.B. China, Indien) verpacken auch Virginia-Tabake der unteren Qualitäten in
Ballen.
Die Emballage der Ballen besteht generell aus Jutegewebe.
Es werden jedoch auch Leinen, Palmblätter, Bananenblätter (Kuba), Schilfmatten oder Bast
verwendet.

Abbildung 18 |

Abbildung 19 |
Fässer sind im Zuge der Beförderung mit Containern nicht
mehr üblich.
Zurück zum Anfang

Transport
Symbole

Stückgut |
Verkehrsmittel
Schiff, Lkw, Bahn. Das Schiff ist das Hauptverkehrsmittel
für den Tabaktransport; aber auch Landtransporte per Lkw und Bahn sind üblich.
Containerfähigkeit
Grundsätzlich wird heute in 40'- bzw. 20'-Standard-Containern transportiert.
Nur aus klimakritischen Regionen (z.B. Indonesien, Dominikanische Republik) werden ventilierte Container bei Einhaltung der
Untergrenzen des Wassergehalts von Ware, Verpackung und Wegerung eingesetzt. Die zur
Beladung bestimmten Container müssen wasserdicht sein und dürfen keinerlei
Verunreinigungen aufweisen. Container, deren Boden Fremdgeruch abgeben, durch Substanzen
belastet oder zu feucht sind, sollten abgelehnt werden. Es wird "Unter
Deckstauung" verlangt, um Einflüsse durch Regen- oder Seewasser bzw. Überhitzung am
Tag und Abkühlung in der Nacht auszuschließen. Tabakcontainer sollen nicht in der Nähe
von Wärmequellen gestaut werden.
Die Abmessungen der
Schachteln sind auf die Containermaße abgestimmt und ermöglichen ein nahezu totales
Ausfüllen der Container. Beides führt dazu, dass der Standardcontainer ohne Probleme als
FCL-Ladung eingesetzt werden kann.
Umschlag
Die Beladung der Container mit Schachteln wird häufig
über Schleusen (vergleichbar mit Kühlschleusen), die gegen Regen und Schneefall
schützen, vorgenommen. Beim Handling der Schachteln im Freien muss die Ware vor Regen und
Schnee u.ä. geschützt werden, da Schäden sonst unvermeidbar sind.
Beim Transport von Blatttabak dürfen die
Ballen beim Beladen nicht an das Lukensüll, an die Bordwände, Containerwände o.ä.
anstoßen, da zu trockener Tabak schon bei den geringsten mechanischen Beanspruchungen
Blattbruch erleiden kann und dadurch sein Wert sinkt. Eine Verwendung von Handhaken oder
Netzbrooken muss vermieden werden, statt dessen ist auf Paletten zu verladen. Es dürfen
keine Punktbelastungen an den Ecken und Kanten der Ballen auftreten.
Staumaß
 |
3,00 m3/t (Asiatischer Rohtabak aus Indien, Ballen mit
Jutegewebe umhüllt, 102 kg) [1] |
 |
5,70 m3/t
(Orienttabak aus Griechenland, Ballen mit Jutegewebe umhüllt, 29,2 kg) [1] |
 |
2,8...3,4 m3/t (Amerikanischer Tabak, Schachteln aus
Wellpappe, 200 kg) [14] |
 |
5,1...5,4 m3/t (Amerikanischer Tabak, Ballen aus Havanna,
50 kg) [14] |
 |
5,1...5,7 m3/t (Amerikanischer Tabak, Ballen aus
Brasilien, 150 kg) [14] |
 |
4,0...4,8 m3/t (Asiatischer Tabak, Ballen aus China, 75
kg) [14] |
 |
2,3...3,4 m3/t (Asiatischer Tabak, Ballen aus Sumatra,
70...80kg) [14] |
 |
2,8 m3/t (Asiatischer Tabak, Ballen aus Java, 80 kg) [14] |
 |
4,6...5,1 m3/t (Orient-Tabak, Ballen, 60 kg) [14] |
 |
3,1...3,6 m3/t (Orient-Tabak, kleine Ballen) [14] |
Stauplatzanforderungen
Kühl, trocken, gute Lüftung. An Bord konventioneller
Seeschiffe sind Stauplätze in den unteren Zwischendecks am günstigsten, da
diese nicht an Wärmequellen angrenzen. Auf keinen Fall sollten Tabakballen unterhalb des
metallenen Wetterdecks gestaut werden, da sonst die Gefahr von Schweißwasserbildung zu
groß wird. Die Ballen sollten auf einer vollkommen ebenen und glatten Unterlage stehen.
Werden die Ballen über Kisten gestaut, kann es zu Deformationen kommen, wenn sich diese
infolge Seegangs verschieben. Dieser negative Effekt kann jedoch durch entsprechendes
Garnier ausgeschlossen werden.
Separation
Fasertauwerk, dünne Netze aus Fasern, Matten,
Jutekleider. Der Separation der einzelnen Partien muss hohe Bedeutung beigemessen werden,
um eine Vermischung von Tabakpartien verschiedener Fabriken und Sorten zu vermeiden.
Ladungssicherung
Da der Blatttabak schon bei geringsten mechanischen
Belastungen Schäden durch Bruch erleidet, muss besonders bei Ballen auf eine ausreichende
Ladungssicherung geachtet werden. Am günstigsten ist es, die Laderäume bzw. Container
voll auszuladen, damit die Ballen sich während des Transportes nicht im
Laderaum/Container bewegen und aneinander stoßen können.
Die Deformierung durch Stauhölzer ist eine besondere Gefahr bei
Zigarrendeckblättern: durch Zerreißen der Blätter können sie nicht mehr als
Deckblätter verwendet werden.
Zurück zum Anfang

Risikofaktoren und Schadenverhütung
RF
Temperatur
Tabak erfordert eine bestimmte Temperatur-,
Feuchte- und ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).
| Bezeichnung |
Temperaturbereich |
Quelle |
| Günstiger Reisetemperaturbereich |
20°C |
[1] |
| 16...18°C |
[4] |
| maximal 15°C |
[57] |
| 4...15°C |
[14] |
Bei Erwärmung durch die Nähe von Wärmequellen oder durch
Sonneneinstrahlung trocknet Tabak aus, und die in ihm enthaltenen Aromastoffe
verflüchtigen sich. Der Tabak bekommt dann einen heuartigen, bitteren und scharfen
Geschmack. Er kann hart und brüchig werden, so dass er schon bei geringen mechanischen
Beanspruchungen Blattbruch aufweist und schließlich pulverisiert.
Für den Transport von Orient-Tabaken ist es günstiger,
diesen in den kühleren Jahreszeiten durchzuführen, da Orient-Tabak besonders empfindlich
gegenüber zu hohen Temperaturen (>25°C) ist und die Gefahr der Nachfermentation sowie
von Ballenverpressungen und damit Tabakbruch besteht.
Zurück zum Anfang

RF
Feuchte
Tabak erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und
ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).
| Bezeichnung |
Feuchte/Wassergehalt |
Quelle |
| Relative Luftfeuchte |
65...70% |
[1] |
| 50...60% |
[4] |
| 60...70% |
[57] |
| Wassergehalt |
12...14% (Orient-Tabak) |
[1] |
| 10...13% (Virginia-Tabak) |
[4] |
| 10...12% (Virginia-, Burley-Tabak |
[57] |
| 12...14% (Orient-Tabak) |
[57] |
| 11...15% |
[14] |
| Oberste
Gleichgewichtsfeuchte |
68% (Orient-Tabak) |
[1] |
| 60...65% (Orient-Tabak) |
[4] |
| 50...65% (Virginia-Tabak) |
[4] |
| 60...70% |
[14] |
Die Hauptprobleme beim Transport von Tabak basieren auf
seiner Hygroskopizität: Die Konditionierung der Tabake
hinsichtlich ihres Wassergehalts (10...12% Virginia, Burley,12...14% Orient) ist in engen
Toleranzen abgesichert. Bei zu hoher relativer Luftfeuchte nimmt der Tabak so viel
Wasserdampf auf, dass er zum Nährboden für Schimmelpilze wird. Schimmel, Muffigwerden,
Stockfleckigkeit und modriger Geruch verringern die Qualität des Tabaks. Die
Orient-Tabake sind gegenüber den Feuchteeinflüssen von allen Tabaken am empfindlichsten.
Ihre Sorptionsisotherme zeigt, dass bei Wassergehalten von 12...14% rel. Luftfeuchten von
60...65% im Gleichgewicht stehen. Wenn der Wassergehalt über den empfohlenen Werten (14%)
liegt oder nicht ausreichend gelüftet wird (Totluftfelder), können schon Muff und
Verstocken durch den Schimmelpilz Oespora tabaci innerhalb von drei Tagen entstehen. Je
nach Art des Schimmels sind weiße, graue, grüne oder schwarze Flecke in den Tabakballen
sichtbar.

Abbildung
20 |

Abbildung
21 |
Feuchte, Wärme über 25°C sowie Stapeldruck fördern bei
längerer Lagerung die Nachfermentation.
Zu feuchter Tabak, gefördert durch Stapeldruck, neigt zur
Deformation in den untersten Lagen. Die Ballen verpressen und werden vollkommen wertlos.
Deformationen können auch durch unsachgemäßes Abstellen an Land (Bodenvertiefungen)
entstehen.
Bei zu trockener Lagerung, aber auch beim Überschreiten
des optimalen Wassergehaltes des Tabaks sind mit der Wasserdampfabgabe des Tabaks
Aromaverluste verbunden. Der Tabak verliert an Genusswert und bekommt einen heuartigen,
bitteren und scharfen Geschmack. Er kann ferner hart und brüchig werden, so dass
er
bereits bei geringen mechanischen Beanspruchungen Blattbruch aufweist und schließlich
pulverisiert.
Vor der Ladungsübernahme sollte man ein Zertifikat über
den Wassergehalt vom Versender verlangen. Erfolgt die Übernahme des Tabaks zu einem
späteren Zeitpunkt (z.B. bei Zwischenlagerungen), kann sich der Wassergehalt durch die
äußeren Einflüsse verändert haben, und eine Nachprüfung ist erforderlich.
Durch Salzwasser oder Hafenwasser beschädigter Tabak wird
vom Empfänger als vollkommen wertlos deklariert. Von Frischwasser beschädigter Tabak
wird nur bei Schimmel und Muff beanstandet. Bei Verdacht auf Feuchtigkeitsschäden
wird mit der Silbernitratmethode geprüft, ob
ein Schaden durch Chloridlösungen (Seewasser) oder Frischwasser (Kondensation
oder Regen) entstanden ist.
Jeder Tropfen Wasser, der die Emballage eines Tabakballens
durchdringt, färbt die Hülle braun, die Ballen gelten als beschädigt.
Damit die Tabakballen nicht mit Schweißwasser und
Metallteilen des Schiffes in Berührung kommen können, muss für ausreichendes Garnier
gesorgt werden. Vor Schweißwasser kann z.B. durch Abdecken mit Papier, Rappeltuch o.ä.
geschützt werden.
Beim Transport von Tabakballen in Containern müssen diese
absolut wasserdicht sein. Container, die zu feucht sind, sollten abgelehnt werden. Es wird
"Unter Deckstauung" verlangt, um Einflüsse durch Regen- oder Seewasser bzw.
Überhitzung am Tag und Abkühlung in der Nacht und daraus resultierende
Schweißwasserbildung auszuschließen. Tabakcontainer sollen nicht in der Nähe von
Wärmequellen gestaut werden.
Zurück zum Anfang

RF
Lüftung
Tabak erfordert eine bestimmte Temperatur-, Feuchte- und
ggf. Lüftungs-Kondition (LK VI) (Lagerklima-Kondition).
Nach Angaben des Zigarettenherstellers Reemtsma
verschwindet das konventionelle Stückgut immer mehr aus dem Transport und ist durch
den Containertransport ersetzt worden.
Grundsätzlich wird mittels 40'- bzw. 20'-Containern
transportiert. Nur aus klimakritischen Regionen, wie z.B. Indonesien, Dominikanische
Republik, wird in ventilierten Containern transportiert.
Bei der konventionellen Stückgutverladung braucht
normalerweise ebenfalls nicht gelüftet zu werden, wenn der Wassergehalt des Tabaks den
vorgegebenen Werten entspricht und keine Gefahr der Schweißwasserbildung besteht.
Ist dies nicht der Fall, wird in [1] ein 6facher
Luftwechsel/h (Durchlüftung) bzw. nur Abluft empfohlen. Durch zu kräftige Ventilation
kann der Tabak austrocknen, und es können sogenannte Schutt- oder Grusschäden entstehen.
Aus diesem Grund wird oft nur für kräftige Abluft gesorgt.
Zurück zum Anfang

RF
Biotische Aktivität
Tabak besitzt eine biotische
Aktivität 3. Ordnung.
Er gehört zu den Waren mit unterbrochenen
Respirationsprozessen, bei denen jedoch weiterhin biochemische, mikrobielle u.a.
Zersetzungsprozesse ablaufen, die besonders als Folge einer eventuellen Nachfermentation
mit O2-Verbrauch sowie CO2-Entwicklung verbunden sind.
Zurück zum Anfang

RF
Gase
Durch weiter ablaufende Fermentationsprozesse kann es zu
einer CO2-Konzentration und einem damit verbundenen O2-Mangel im
Laderaum kommen. Betreten des Laderaums erst nach Ventilation und Gasmessung mit einem
Gasspürgerät!
Zurück zum Anfang

RF
Selbsterhitzung / -entzündung
Tabak neigt bei entsprechenden Bedingungen zur
Nachfermentation und Selbsterhitzung. Ein langsamer Temperaturanstieg von 0,5 K/d ist
bedeutungslos; der Tabak ist ausfermentiert. Wenn aber der Temperaturanstieg 2 K/d
beträgt, so ist das ein Warnzeichen für nicht ausfermentierten Tabak. Aus diesem Grund
sollten bei konventioneller Verladung tägliche Temperaturmessungen durchgeführt werden.
Wird z. B. ein rascher, sprunghafter Temperaturanstieg auf 50°C festgestellt,
ist dies ein Warnzeichen für nicht ausfermentierten Tabak, der einer Nachfermentation
unterliegt.
Zurück zum Anfang

RF
Geruch
| Aktivverhalten |
Tabak besitzt einen leicht angenehmen Geruch
und kann durch diesen typischen Geruch andere Waren geruchsinfizieren. |
| Passivverhalten |
Tabak nimmt sehr leicht Fremdgerüche an und
darf daher unter anderem nicht mit folgenden Waren zusammengestaut werden: Drogen,
Gewürze, Kosmetika, Lederwaren, Petroleum, Kopra, Ingwer, Kampfer, Häute, Federballen,
Pulpe, Bitumen, Harze, Zitrusfrüchte, ätherische Öle, Kautschuk sowie andere
geruchsabgebende Waren. |
Zurück zum Anfang

RF
Verunreinigung
| Aktivverhalten |
Tabak ist nicht verunreinigend. |
| Passivverhalten |
Tabak ist äußerst empfindlich gegenüber
Verunreinigungen durch Staub, Schmutz, Fette und Öle.
Verunreinigungen der Ballen durch Flüssigkeiten sind zu vermeiden. Die
Arbeiter im Ladehafen dürfen kein Trinkwasser auf den Tabakballen abstellen, und es
muss darauf geachtet werden, dass sie beim Betelkauen nicht auf die Ballen spucken, da der
durch den Betel gefärbte Speichel rote Flecken hinterlässt, die nicht mehr zu entfernen
sind. Tabakballen gelten als beschädigt, wenn auch nur ein geringfügiger roter
Betelfleck festzustellen ist. |
Zurück zum Anfang

RF Mechanische Einflüsse
Tabakballen sind äußerst empfindlich gegenüber
mechanischen Beanspruchungen. Bei der Ladungsübernahme auf konventionellen
Stückgutschiffen sollten die Ballen mit Paletten übernommen werden. Die Verwendung von
Stauhaken und Netzbrooken ist zu unterbinden. Stoß, Verkanten, unebene Unterlagen und
Stapeldruck führen zu Deformationen und Verpressungen. Gebrochene und zerkleinerte
Tabakblätter verlieren an Handelswert.

Abbildung 22 |
Maximale Stapelhöhen:
| Sorte |
Stapelhöhe |
| Orient-Tabak |
2,50 m (Griechenland, Schwarzes Meer)
3,60 m (Smyrna-Tabak) |
| Sumatra/Borneo-Tabak (nur Deckblätter) |
7 Ballen übereinander |
| Brasil-Tabak (keine Deckblätter) |
7...9 Ballen übereinander |
Zurück zum Anfang

RF
Toxizität / Gesundheitsgefährdung
Durch weiter ablaufende Fermentationsprozesse kann es zu
einer CO2-Konzentration und einem damit verbundenen O2-Mangel im
Laderaum kommen. Betreten des Laderaums erst nach Ventilation und Gasmessung mit einem
Gasspürgerät!
Zurück zum Anfang

RF Schwund
Infolge zu trockener Lagerung kann es durch
Wasserdampfabgabe zum Unterschreiten des zulässigen Wassergehalts kommen. Der Tabak
verliert seine Elastizität, es kommt zu Grusschäden und Verdunstungsverlusten.
Zurück zum Anfang

RF Schädlingsbefall / Krankheiten
Tabakschädlinge sind unter anderem Heumotten, Dieb-, Mehl-
und Speckkäfer sowie der Tabakkäfer. Der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne), auch
"cigarette beetles" genannt, wird besonders in den Tropen und Subtropen
eingeschleppt. Er ist 2...4 mm lang, braunrot bis braungelb mit grauer Behaarung und
gedrungener Gestalt. Die Larven entwickeln sich bei Temperaturen > 21°C und sterben
schon bei 10°C ab. Die Kokons werden an den Innenseiten der Packstücke (Schachteln,
Ballen) angeheftet. Die Entwicklung vom Ei zum Imago (Vollkerf) dauert 2 Monate. Der
Schaden entsteht vor allem durch Fraßschäden, kenntlich an den kreisrunden, im
Durchmesser 1 mm großen Löchern, die von den Larven verursacht werden.
Tabak wird vor der Verschiffung im Lager oder im Container
gegen Tabakschädlinge behandelt. Zusätzlich werden zur Schädlingserkennung Fallen in
die Container gelegt, die bei Entladung kontrolliert werden. Nicht desinfizierter Tabak
darf nicht mit im Erzeugerland desinfiziertem, schädlingsfreiem Tabak zusammengestaut
werden.

Abbildung 23 |
Zurück zum Anfang

Zusätzliche
Hinweise
Das Seeschiff sollte seine Tabakladebereitschaft
besichtigen und zertifizieren lassen. Ebenso sollte vom Ablader ein Zertifikat über den
Fermentationszustand des Tabaks beigebracht werden.
Bei den Schäden wird zwischen Altschäden und
Transportschäden unterschieden:
Altschäden lassen sich durch genaue äußerliche Beschau
feststellen. Ramponage, Verfärbungen, Wasserränder, wellige Pappe sind typische
Schäden, die vor der Verladung entstanden sind.
Transportschäden haben überwiegend die Ursache in
Undichtigkeiten des Containers, Lkw oder Waggons. Auch unsachgemäßes Abstellen am
Terminal (Bodenvertiefung) kann Schäden hervorrufen. Bei Feuchtigkeitsschäden wird stets
geprüft (Silbernitratmethode), ob der
Schaden durch See- oder Regenwasser entstanden ist.
In [4] sind folgende Schadensarten bei Orient-Tabaken
(Tabakballen) und ihre Ursachen aufgeführt:
| Art des Schadens |
Ursachen |
| Schweißwasser, Schimmel, Fäulnis |
meist ein zu hoher Wassergehalt |
| Feuchtenester, Schimmel, Muff |
schlechte Durchlüftung des
Laderaums/Containers |
| Durchnässung und braune Verfärbung der
Umhüllung (Emballage) |
Süßwasser |
| Durchnässung, braune Verfärbung, zusätzlich
weiße Ränderbildung an der getrockneten Emballage |
Salzwasser (aber auch durch eigene Salze des
Tabaks möglich) |
| Braune Flecken auf der Emballage |
Tropfendes Schweißwasser, Ausgießen von
Trinkwasser im Ladehafen |
| Deformation und Verpressung |
Überschrittene Stapelhöhe, zu hoher
Wassergehalt |
| Zerrissene Verpackung, Ramponage |
Arbeiten mit Haken, schlechte Stauung |
| Verpressung der unteren Tabaklagen |
Unsachgemäße Garnierlegung |
| Schlaffe Verballung und Bruchschäden des
Blattmaterials |
Austrocknung, auch durch Verrutschen der
Ladung |
| Verpressung bis zur Massebildung |
Überschrittene Stapelhöhe |
| Grusschäden bei Tabaken, die dicht unter
einem metallenen Wetterdeck gestaut waren |
Strahlungswetter |
| Rostflecke |
Mangelnde Abmattung gegen herabtropfendes
Schweißwasser von verrosteten Laderaumdecken |
| Staubschäden |
Mangelnde Sauberkeit der Räume, staubende
Beiladung |
| Bruchschäden |
Arbeiten mit Netzbrooken oder Taustroppen |
Zurück zum Anfang
|
|
 |