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Yachttransporte per Lkw

Herren Goericke und Zucker, Sachverständige für Schifffahrt und Sportschifffahrt, Zucker und Partner GmbH, Hamburg

Inhaltsverzeichnis

Ausführung von Yachttransporten per Lkw
Häufigkeit von Yachttransporten per Lkw
Risiko bei Yachttransporten per Lkw
Kosten von Yachttransporten per Lkw


Yachttransporte per Lkw erfolgen typischerweise für Yachten, die aufgrund ihrer Größe nicht mehr von Pkws getrailert werden können und demzufolge über ca. 3 to Gewicht und meist über 8 m Gesamtlänge aufweisen.







Hauptproblem für Yachttransporte per Lkw sind Breiten- und Höhenbegrenzungen. Zur Reduktion der Höhe wird aus diesem Grunde fast ausschließlich mit sogenannten Tiefladern transportiert, die in ihrer Höhe reguliert werden können und in denen die tiefsten Punkte der Yacht oftmals nur wenige Zentimeter über der Fahrbahn lagern.

Die Höhe der Yacht wird bei Bedarf durch Demontage von überstehenden Anbauteilen (Geräteträger, Steuersäule, Reling und anderen demontierbaren und empor ragenden Bauteilen bestmöglich reduziert.

An der Breite läßt sich aber für gewöhnlich kaum etwas verändern, so daß die maximale Breite der Yacht meist auch die Breite des Gesamttransportes ist.

Üblicherweise werden Yachten bis zu ca. 17 m Gesamtlänge und ca. 4,5 m maximaler Breite und einer Höhe von bis zu ca. 4,4 m noch per Lkw über die Straßen transportiert. Diese Yachten wiegen meist weniger als 30 to. Aber auch hierbei bestätigen Ausnahmen die Regel. Es werden vereinzelt auch Yachten mit größeren Breiten und Höhen von weit über 5,0 m über die Straße transportiert.

Im Straßenverkehr liegen dabei folgende Begrenzungen vor:

- max. Normhöhe für Straßentransporte: 4,00 m (alles darüber gilt als Überhöhentransport und ist genehmigungs- sowie vereinzelt begleitpflichtig).
- max. Breite: 2,55 m (alle darüber hinausragenden Breiten sind Überbreiten und genehmigungs- bzw. vereinzelt begleitpflichtig) (außerhalb der EU 2,50 m).
- max. Länge: 18,00 m (alle darüber hinausragenden Längen sind Überlängen und genehmigungs- bzw. vereinzelt begleitpflichtig)


Diese Vorschriften ergeben fast zwangsläufig, daß nahezu 90 % aller Yachttransporte mit Überbreite und Überhöhe gefahren werden, also genehmigungspflichtige Sondertransporte mit entsprechenden gesetzlichen Auflagen und vorgeschriebenen Fahrtrouten und Fahrtzeiten sind. Bedenkt man dabei, daß die meisten Autobahnbrücken eine Höhe von max. 4,50 m aufweisen und übliche Fahrspuren auf Straßen und Autobahnen eine Breite von 3,0 - 3,5 m haben, wird die Problematik von größeren Yachttransporten deutlich.

Je nach Streckenführung und Gesamtdistanz sind auch größere Breiten und Höhen per Lkw transportabel. Hierbei ist es aber durchaus denkbar, daß ein Yachttransporter mehrere hundert Kilometer Umweg fahren muß, obwohl er eigentlich nur ein Distanz von 100 km zwischen zwei Orten zurückzulegen hätte. Brückenhöhe, Fahrbahnbreiten und andere Hindernisse können solche Umwege zwingend machen.

Transporte mit Überbreite oder Überhöhe sind auch kennzeichnungspflichtig und gelten als Sondertransporte. Die Transporte müssen zur behördlichen Genehmigung eingereicht, genehmigt und teilweise durch spezielle Begleitfahrzeuge gesichert werden. Für Teilabschnitte, besonders bei Durchfahrten durch Städte oder stark befahrenes Gebiet, kann Polizeibegleitung vorgeschrieben werden.

Leider haben wir es in der Vergangenheit wiederholt erlebt, daß ausgearbeitete und genehmigte Streckenführungen, vereinzelt sogar durch vorausfahrende Polizeifahrzeuge "zugewiesen", eben doch nicht die mindestens erforderliche Durchfahrtshöhe an einzelnen Brücken aufwiesen. Schwere Unfälle bzw. erhebliche Verzögerungen und Zusatzkosten können die Folge sein.

Yachttransporte per Lkw folgen meist bestimmten "Hauptrouten" in die Zentren des Wassersports. Die Wahl dieser Routen hat nicht zuletzt auch etwas mit behördlichen Auflagen zu tun. So sind Transporte mit Überbreite und Überhöhe in Italien besonders aufwendig und werden deshalb soweit wie möglich vermieden.



Ausführung von Yachttransporten per Lkw:

Die Yachten werden fast ausnahmslos mit Travelliften, Mobilkränen oder feststehenden Kränen auf die Lkw-Trailer geladen. Auf den Lkw-Trailern ruht der Kiel der Yacht auf einer oder mehreren Quertraversen. Für gewöhnlich wird die Yacht auf diesen Quertraversen mit Holz unterfüttert, so daß für ausreichenden Schutz und zugleich für eine erhöhte Rutschfestigkeit gesorgt ist.



Seitlich wird die Yacht durch verstellbare Stützen gehalten, die eine möglichst große Auflagefläche (mit Gummibelag o.ä.) mit Schutz gegen punktuelle Belastung und Scheuern aufweisen sollten. Diese Stützen können an ihrer Auflagefläche im Winkel sowie in ihrer Gesamthöhe justiert und fixiert werden. Hierbei ist darauf zu achten, daß das Hauptgewicht der Yacht auf den stabilsten Auflagepunkten der Yacht ruht. Für gewöhnlich ist dies der Kiel. In Ausnahmefällen, z. B. bei Rennsegelyachten, ist dies jedoch nicht der Fall. Im Extremfall müssen spezielle Aufnahmevorrichtungen für den Transport konstruiert werden, um eine gleichmäßige Druckverteilung auf den Rumpf der Yacht zu erzielen.





Bei einigen Segelyachten ergibt sich die Problematik, daß die Unterkante des Ballastkiels nicht in der Horizontalen, sondern in einem schrägen Winkel verläuft. Wird die Yacht nun in der Horizontalen auf dem Kiel abgesetzt, ruht sie nur auf einem Bereich des Kiels und erfährt ein Übergewicht nach vorn oder achtern, das ungünstigstenfalls nur durch die seitlichen Stützen aufgefangen wird. Hierbei kann es leicht zu einer Eindrückung und Beschädigung des Rumpflaminates durch die Stützen kommen, selbst wenn diese eine ausreichend große Auflagefläche aufweisen. In einem solchen Fall ist dafür Sorge zu tragen, daß der Kiel durch entsprechende Unterfütterung auf seiner Gesamtlänge gleichmäßig Belastung erfährt, was zu einer Entlastung der achteren Trailerstützen führt.

Überhohe und demontierbare Bauteile müssen zur bestmöglichen Reduktion der Transporthöhe demontiert und an geeignetem Platz mitgeführt werden. Typischerweise ist dies der Geräteträgerbügel einer Motoryacht, selbstverständlich aber der Mast einer Segelyacht.

Diese Teile werden meistens an Bord der Yacht, in Einzelfällen aber auch auf dem Trailer gelagert. Fachgerechte Demontage und Wiedermontage ist dabei ebenso wichtig, wie eine transportgerechte Verpackung und Sicherung der losen Bauteile, der Schutz gegen Verrutschen, Scheuern, ggf. aber auch gegen Verunreinigung und Nässe (Verkabelung von Geräteträgerbügeln und Masten sowie Hydraulik- und ähnliches) benötigen.

Im Extremfall kann zur Reduktion der Transporthöhe sogar die Demontage des Ballastkiels erforderlich sein, was eine aufwendige Arbeit ist, die für gewöhnlich den Einsatz einer kompetenten Fachwerft erfordert.

Schließlich ist eine korrekte Verzurrung erforderlich, die für festen Verbund mit dem Lkw-Anhänger sorgt. Nach unten, insbesondere aber auch in die Diagonale geführte Verzurrungen, die einen Verschub der Yacht nach vorn oder zur Seite verhindern sollen, sind unerläßlich. Die Verzurrung einer großen Yacht auf einem Lkw-Anhänger entspricht grundsätzlich der eines Bootes auf einem Pkw-Trailer, nur daß die Dimensionierung größer sein muß. Zugleich muß aber auch eingeräumt werden, daß die Verzurrung einer großen Yacht auf einem Lkw-Trailer anderen Ansprüchen als auf einem kleinem Bootstrailer gerecht werden muß, zumal ein Lkw-Transport zwangsläufig durch seine Größe und das Gewicht der Yacht "ruhigeren" Bewegungen unterliegt. Z. B. windbedingte Einwirkungen führen bei Pkw-Transporten zu Erschwernissen, werden beim Lkw-Transport aber kaum wahrgenommen. Auch treten durch zumeist luftgefederte Fahrzeuge bei Lkw-Transporten weitaus geringere Schwingungen und Schlingerbewegungen auf.

Neue Yachten werden von ihren Herstellern oftmals mit Schrumpffolie überspannt, um die Yachten vor Verschmutzung und Beraubung während des Transportes zu schützen. Einerseits ist dies ein wünschenswerter Schutz, andererseits nehmen solche Folien aber auch die Sicht auf bruchgefährdete Bauteile, wie Motorraumlüfter, die über die Bordwand überstehen, Fensterscheiben und ähnliches. Gefährdete Bereiche, die von einer Folie überdeckt werden, sollten deshalb unbedingt gekennzeichnet sein.

Problematisch beim Transport von Segelyachten ist die sich fast immer ergebende Überlänge durch den Mast (Gesamtlängen von mehr als 18,50 m des Lkw samt Überhänge) in Verbindung mit der Überbreite (mehr als 2,55 m) und der Überhöhe (mehr als 4,0 m). In Deutschland gilt nämlich der Grundsatz, daß Ladungen mit Übermaßen, die teilbar sind, zur Reduktion des Risikos getrennt transportiert werden müssen. Dies bedeutet also, daß ein Transport einer Segelyacht, der allein schon durch Überbreite und Überhöhe genehmigungspflichtig ist, nicht noch zusätzlich durch einen überlangen Mast belastet werden dürfte. Mast und Segelyacht müßten also mit zwei getrennten Fahrzeugen transportiert werden. Dies ist eine in der Praxis so gut wie nie erfüllte Vorschrift, die vielfach bei Kontrollen toleriert bzw. "übersehen" wird. Kaum ein Transportunternehmer hält sich an diese Vorschrift, riskiert im Einzelfall aber Strafen und das zwangsweise Abladen des Mastes, der dann separat transportiert werden muß.

Gegen die Hauptprobleme, Überbreite und Überhöhe, sind jedoch alle anderen Schwierigkeiten beim Yachttransport per Lkw nahezu zu vernachlässigen.


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Häufigkeit von Yachttransporten per Lkw:

Yachttransporte per Lkw werden vornehmlich zum alljährlichen Transport von und zum Winterlager, das durchaus mehrere Kilometer vom Wasser entfernt liegen kann, durchgeführt. Stückzahlmäßig ergeben sich hier die häufigsten Lkw-Transporte.

Ein ebenfalls erheblicher Transportfaktor ergibt sich durch Fahrten von Yachten zu Bootsausstellungen wie Düsseldorf, Hamburg, Friedrichshafen, Paris und Amsterdam (etc.). Allein zu diesem Zwecke werden jährlich mehrere tausend Yachten, überwiegend als Sondertransporte, durch ganz Europa gefahren.

Letztlich hat aber auch der Transport von Yachten von der Herstellung zum Einsatzort bzw. zwischen zwei Einsatzorten, z. B. durch Eigentumswechsel, ein Aufkommen, das viele tausend Bewegungen pro Jahr allein für deutsche Yachten ergibt. Hauptrouten liegen dabei zwischen den nachfolgenden Zielen am Mittelmeer und in Nordeuropa:

Mittelmeer:  
Spanien: Rosas (nahe der Grenze zu Frankreich) als Ausgangshafen für Weiterfahrten ins südliche Spanien bzw. auf die Balearen auf eigenem Kiel und Ampuria Brava
Südfrankreich: La Grande-Motte (zwischen Marseille und Nizza)
Italien: Genua
Slowenien / Kroatien: Izola und Portoroz, als Ausgangsbasis für Weiterfahrten auf eigenem Kiel nach Italien oder Süd-Kroatien)
Nordeuropa: Ballungszentren liegen in Nordeuropa nicht in so ausgeprägter Form vor, wie am Mittelmeer, so daß Zielorte variieren. Häufige Ladeorte sind Werftbetriebe, die Yachten produzieren. (Skandinavien, Holland, Deutschland, u.a.)



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Risiko bei Yachttransporten per Lkw:

Verkehrsmittelunfälle bei Yachttransporten per Lkw sind - obgleich es sich überwiegend um Sondertransporte mit Überbreite und Überhöhe handelt - selten. Häufigste Schadenfälle bestehen aus geringfügigen Schramm- und Bruchschäden durch Rangierfehler oder Fehler beim Verladen.

Wenngleich das Risiko eines Totalschadens durch Unfall oder Umsturz des Lkw-Anhängers nicht auszuschließen ist, ist uns nur ein solcher Vorfall aus den letzten Jahren bekannt.

Fast jeder Spediteur ist jedoch mit einer Überhöhe schon einmal unter einer Brücke "hängen geblieben". Günstigstenfalls wird hierbei ein Windabweiser von der Flybridge zersplittert. Ungünstigstenfalls kann es aber auch zu einer erheblichen Beschädigung durch Bruch im Aufbaubereich bis hin zur Destabilisierung umfangreicher Baugruppen durch Stauchung der ganzen Yacht kommen. Schäden, die den halben Yachtwert erreichen oder übersteigen, sind durch solche Vorfälle durchaus möglich.

Häufiger sind demgegenüber wiederum Schäden durch Scheuern unzureichend verzurrter und ungeschützter Zubehörteile während des Transportes. Während an üblichen Zubehörteilen dabei meist nur geringe Schäden entstehen können, ist das Schadenrisiko an Masten deutlich größer (Vergleiche: 2.3 Masten von Segelyachten; Legen und Verladen).

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, daß der Transport von Yachten per Lkw mit erheblichen Haftungsbeschränkungen der Spediteure (meist KVO und CMR) verbunden ist, deren Limits nur selten ausreichen, um einen Totalschaden an einer Yacht zu decken.


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Kosten von Yachttransporten per Lkw:

Übliche Kosten für den Transport von Yachten zwischen 10 und 15 m Gesamtlänge betragen von Deutschland zum Mittelmeer:

ca. DM 5.000,- bis ca. DM 25.000,-

Die Kosten sind dabei in erheblichem Maße von Höhe und Breite, nicht zuletzt aber auch davon abhängig, ob der Transportunternehmer wegen eines einzelnen Transportes eine Strecke unbeladen zurück fährt oder ob er einen zusätzlichen Transport für die "Leerfahrt" akquirieren kann. Kostenersparnisse zwischen 20 % und 50 % sind auf diese Weise je Strecke möglich.

Preiskämpfe führen dabei - wie der Konkurrenzdruck allgemein im Speditionsgewerbe - nicht selten zu einer Vernachlässigung der erforderlichen Vorsicht beim Transport (Fahrtzeitenüberschreitung, überhöhte Gewichte und Abmessungen, unsorgfältige Verzurrung und Verpackung loser Teile, u.a.).


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