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Garnier [English version]



Als Garnier werden Materialien bezeichnet, die in Laderäumen, aber auch in Containern, verwendet werden, um Waren und ihre Verpackung gegen Feuchtigkeit, Verunreinigungen und mechanische Beschädigungen zu schützen.

Als Garnier können Kunststofffolien, Jutekleider, Persenninge, Holz (Stauholz), Reismatten, Vliese, Liner Bags oder auch Inletts etc. verwendet werden. Garnier wird je nach seinem Einsatzgebiet in Boden-, Seiten-, Zwischen- oder Toppgarnier unterschieden.

Die wichtigste Funktion hat das Bodengarnier auf Stückgutschiffen. Es schützt Feuchteempfindliches, wie z. B. Sackgut (z.B. Kaffee, Kakao) oder Ballen (z.B. Tabak, Tee), vor Schweißwasser, welches an den Bordwänden des Schiffes entsteht und über die Decks abläuft. Durch das Bodengarnier wird die Ladung vom Deck "angehoben", so dass Wasser ablaufen kann, ohne die Ladung zu berühren. Bei sehr empfindlicher Ladung ist es erforderlich, den Abstand der Ladung zum Deck zu vergrößern bzw. sehr genau darauf zu achten, dass die Ladung keinesfalls mit dem Deck, auf dem das Schweißwasser ablaufen kann, in Berührung kommt. Zu diesem Zweck wird ein doppeltes oder auch Kreuzgarnier ausgelegt. Je nach Bauart des Schiffes ist zu beachten, dass die erste Lage des Garniers in der richtigen Richtung ausgelegt wird. Bei Schiffen mit seitlichem Wasserablauf (Bilgen) muss die erste Lage quer gelegt werden, auf Schiffen mit Wasserablauf vorn und hinten (Brunnen) muss die erste Lage in Längsrichtung ausgelegt werden. Das Kreuzgarnier ist so eng auszulegen, dass verhindert wird, dass Säcke, Ballen oder andere Ladung durch den Ladungsdruck in die Lücken ausbeulen und Kontakt zum Deck herstellen.

Zum Schutz vor Verunreinigungen wird bei empfindlicher Ladung das Garnier zusätzlich noch mit Jutekleidern, Papier, Matten etc. ausgelegt. Das gleiche gilt für Seiten- und Toppgarnier. Die meisten Stückgutschiffe verfügen über sog. Schweißlatten. Diese Schweißlatten sind fest mit dem Schiff verbundene Holzlatten, die den direkten Kontakt zwischen Ladung und Bordwand unterbinden und dem Schweißwasser die Möglichkeit geben, an der Stahlbordwand nach unten abzulaufen. Insbesondere in den Laderäumen unter der Wasserlinie bei Fahrten von warm nach kalt können erhebliche Mengen an Schweißwasser gebildet werden. Sind keine Schweißlatten vorhanden, so ist Garnier bzw. Kreuzgarnier anzubringen. Dieses Kreuzgarnier besteht dann aus genagelten Gattern, bei denen auf senkrechten Stehern (senkrechtgestellte 4-Kant-Balken) Querstauholz genagelt wird.

Stauholz, das als Garnier verwendet wird, muss trocken sein (Wassergehalt 12-15%, luftgetrocknet).

Zu frisches Stauholz oder Stauholz, welches unter freiem Himmel gelagert wird und somit Niederschlägen ausgesetzt ist, darf nicht als Garnier verwendet werden. Durch die Feuchtigkeit kann es zu erheblichen Schäden kommen.

Soweit Schweißlatten in einem Stückgutschiff vorhanden sind, haben Seitengarniere die Funktion des Ladungsschutzes vor Verunreinigung. Toppgarniere erfüllen meist eine Doppelfunktion:

Schutz vor Feuchte (herabtropfendes Schweißwasser von den Decks, insbesondere vom Wetterdeck)
Schutz vor Verunreinigungen (Staub, Ladungsresten, Hydrauliköl etc.)


Toppgarniere müssen aufgrund der Hygroskopizität der meist empfindlichen Waren ein Mindestmaß an Luftzirkulation und Verdunstung zulassen. Aus diesem Grund werden luftdurchlässige Materialien, wie z.B. Papier, Reis- oder Bambusmatten und Jutekleider, dazu verwendet.


Garnier im Container:

Durch seine Bauart ist ein Standardcontainer spritzwasserdicht. Aus diesem Grund wird auch auf einen Wasserablauf, welcher die Dichtigkeit beeinträchtigen würde, im Standardcontainer verzichtet. Da das Schweißwasser keine Möglichkeit hat, abzulaufen, wie im Stückgutschiff durch Brunnen oder Bilgen, ist der Einsatz von Garnierhölzern in einem Standardcontainer nicht sehr zweckmäßig. Boden- und Seitengarniere werden zum Schutz der Ladung vor Verschmutzung eingesetzt. Im Container hat das Toppgarnier mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Dadurch, dass ein Standardcontainer nicht belüftet werden kann, kommt es im Inneren des Container zu sehr hohen Konzentrationen von Luftfeuchte. Warme Luft steigt nach oben, und die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit kondensiert während der Nacht (Abkühlung der Außenluft) oder bei der Fahrt von warm nach kalt unter der Containerdecke.

Beim Transport von z. B. Kaffee oder Kakao im Standard-Container können in wenigen Tagen 80 bis 100 l Schweißwasser entstehen. Wenn dieses Schweißwasser in großen Mengen direkt auf die Ladung tropft, kann es innerhalb kurzer Zeit die Säcke der obersten Lage, an den Containerseitenwänden und der Bodenlage durchfeuchten. Die Ladung wird durch Schimmel unbrauchbar und zum Totalverlust. Durch den Einsatz der verschiedensten Toppgarniere kann die Kondensation an der Containerdecke nicht verhindert werden, wohl aber einen Teil des Schweißwassers binden und Durchfeuchtung der Ladung für einen gewissen Zeitraum verhindern. Neben Papieren und Matten werden spezielle Vliese eingesetzt, die über eine sehr hohe Wasseraufnahmefähigkeit verfügen. Eine weitere Möglichkeit bilden Kunststoffplanen, die unter die Containerdecke eingehängt werden (möglichst kein Kontakt zur Ladung), die über sog. Reservoirs verfügen, in denen sich dann das abtropfende Schweißwasser sammeln kann.

Zwischengarniere können zweierlei Funktionen erfüllen:

Den Schutz der unteren Ladung vor Verunreinigung durch die obere Ladung
Die Separation einzelner Ladungspartien.



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